Bäderchef Roland Kettler: Hallenbad bleibt halbes Jahr länger geöffnet

Bäderchef Roland Kettler: Hallenbad bleibt halbes Jahr länger geöffnet

Die städtische Bädergesellschaft setzt auf eine Neueröffnung des Kombibades auf dem Freibadgrundstück im Jahr 2021.

Benrath Der Aufsichtsrat der städtischen Bädergesellschaft hat diese Woche beschlossen, dass das Benrather Hallenbad nun doch noch ein halbes Jahr länger als geplant geöffnet bleibt. Erst im Februar 2019 soll es für immer schließen. Einen Ersatzneubau wird es auf der Freibad-Fläche geben. Eröffnung ist für 2021 vorgesehen. Roland Kettler, Chef der städtischen Bädergesellschaft, erläutert im Gespräch mit unserer Redaktion, was geplant ist und wann die Badegäste hier wieder ins Wasser springen können.

Bäderchef Roland Kettler Foto: Bädergesellschaft

Herr Kettler, viele Badegäste fragen sich, warum Sie eigentlich nicht erst das neue Hallenbad auf der Freibadfläche bauen und dann das alte Bad schließen.

Kettler Dafür muss ich ein bisschen weiter ausholen. 2011 haben wir mit den Planungen des "Bäderkonzepts 2020" begonnen, da viele unserer Schwimmbäder in die Jahre gekommen waren. In diesem Zuge haben wir ja auch das Niederheider Bad generalüberholt. Das Benrather Bad ist übrigens aus dem Jahr 1959. Damals war klar, dass die Umsetzung des Bäderkonzeptes insgesamt über 65 Millionen Euro kosten wird. Deswegen wurde der Bädergesellschaft auch auferlegt, zur Gegenfinanzierung der Projekte beispielsweise Grundstückserlöse zu generieren.

Es war vorgesehen, dass das Hallenbad an dem Tag für immer schließt, wenn das Freibad in diesem Jahr öffnet, also je nach Wetterlage spätestens an Fronleichnam. Der Aufsichtsrat hat da nun Änderungen vorgenommen...

Kettler Wir werden das Hallenbad für ein weiteres halbes Jahr in Betrieb lassen können. Schulen und Vereine können das Bad nach den Sommerferien weiter nutzen, die Öffentlichkeit nach Beendigung der Freibadsaison, bis es dann zum Schulhalbjahr im Februar 2019 schließt. Die Sauna wird mit Beginn der Freibadsaison 2018 aber geschlossen. Wir empfehlen unseren Sauna-Gästen die Saunaanlage in Niederheid.

Für das jetzige Freibad bleibt es aber die letzte Saison?

Kettler Dabei bleibt es. Nach der Schließung werden wir dort schon mal mit den erforderlichen Rückbaumaßnahmen beginnen. Denn auf der Fläche hin zum Parkplatz entsteht das neue Hallenbad, das sich dann künftig direkt an das Freibad anschließt.

Warum dieser Umschwung?

Kettler Wir werden mit den Ergebnissen der europaweiten Ausschreibung in die Sommerferien kommen, deshalb glauben wir, dass wir ein Planungsbüro erst im August beauftragen können. Deswegen verschlägt es nichts, dass Hallenbad noch für ein halbes Jahr den Nutzern zur Verfügung zu stellen.

Es war bislang die Rede davon, dass Grundstückserlöse in Benrath von insgesamt rund 13 Millionen Euro erzielt werden können. Das wäre ja über die Hälfte der avisierten Baukosten, die bei rund 23 Millionen liegen.

Kettler Wie hoch der Erlös für die städtischen Grundstücke ausfällt, wird sich zeigen.

Wissen Sie denn, wie viele Wohnungen an der Regerstraße neu entstehen?

Kettler Auch das kann ich zurzeit nicht beantworten. Das hängt von den Konzepten der Investoren ab.

Dann also zurück zur Bäderplanung. Sie hatten die Nutzer in Benrath gefragt, was für eine Art Bad sie haben wollen.

Kettler Im März 2016 haben wir zum einen eine Besucherbefragung gestartet und zum anderen Gruppen am Thema Interessierter eingeladen, um mit diesen ausführlicher über den Schwerpunkt des neuen Bades zu diskutieren.

Dabei ist was herausgekommen?

Kettler Unser Plan hatte eigentlich vorgesehen, dass es ein reines Gesundheitsbad werden soll, auch um der älter werdenden Bevölkerung Rechnung zu tragen. Nach dem Dialog mit den Bürgern haben wir uns dann dazu entschieden, dass das Hallenbad neben Sole- und Warmwasserbecken auch einen Schwimmerbereich mit vier 25-Meter-Bahnen und einem Drei-Meter-Sprungturm erhält. Eine Sauna wie es sie heute gibt, ist aber nicht vorgesehen.

Auch das war ja kritisiert worden.

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Kettler Gleich neben dem Freibad plant ein privater Anbieter einen Fitness- und Wellness-Club mit Sauna. Das Kombibad, das wir auf dem Freibadgelände bauen werden, ist nun ein Kompromiss. Allerdings wird es nach der Fertigstellung keine Sommerschließung mehr geben, wie es sie in den vergangenen Jahren im Hallenbad gegeben hat. Wir sind dann vom räumlichen Angebot her viel flexibler und können unser Personal einfacher von der Halle ins Freibad umschichten. An normalen Tagen nutzt der Freibadbesucher den Hallenbad-Eingang. Zu Besucherspitzenzeiten allerdings wird es einen zweiten Freibad-Eingang geben.

Wie ist denn der Stand der Planungen?

Kettler Am 14. Juli 2017 hat der Rat der Stadt dem so genannten Bedarfsbeschluss zugestimmt. Und auch seitdem sind wir nicht untätig gewesen. Seit vier Wochen haben wir einen Projektsteuerer an Bord, der sich ausschließlich um die Umsetzung dieses Projekts kümmert. Nach der Ausschreibung für die Planung folgt die Beschlussfassung des Rates für Bau und Finanzierung Ende 2018, Anfang 2019. Anschließend benötigen wir einen guten Planungslauf, positive Ausschreibungsergebnisse und Firmen, die das Geplante umsetzen.

Hat der Aufsichtsrat noch etwas anderes in Bezug auf das Benrather Bad entscheiden?

Kettler Am Mittwoch hat der Aufsichtsrat dem so genannten Raumbuch zugestimmt. Das war insofern ein wichtiger Schritt, als dass wir nach der Veröffentlichung nun in die Ausschreibung der Entwurfsplanung gehen können.

Und dann werden Sie sich vor Angeboten wahrscheinlich kaum retten können. Für die öffentliche Hand arbeitet doch jeder gerne...

Kettler Der Bauboom wirkt sich zudem auf allen Ebenen aus und belastet Preise und Termine.

Wie schnell weiß man, ob die Ausschreibung erfolgreich sein wird?

Kettler Ausschreibungsfristen für die Gewerke haben eine Laufzeit von sechs Wochen. Also ein echter Zeitfresser. Und wenn man Pech hat, endet sie sogar ohne ein Angebot. Dann müsste man nochmal ausschreiben und käme dann immer weiter in zeitlichen Verzug.

Warum dauert der Neubau eines Bades eigentlich so lange?

Kettler Das werden wir immer wieder gefragt. Als Gegenbeispiel wird dann beispielsweise das Dürer-Kolleg genannt, das ja in nur 18 Monaten hochgezogen wird. Aber dort sind auch alle Räume gleich. Und nicht zu vergessen, Bäder haben eine besondere technische Gebäudeausstattung. Während alle Bauherren wollen, dass bei ihnen das Wasser draußen bleibt, ist unser Ziel das Wasser dort zu behalten, wo es ist: im Becken.

Werden wir mal ganz konkret: Für wann rechnen Sie mit einem Baubeginn?

Kettler Wenn alles so läuft, wie wir es uns vorstellen: Ende nächsten Jahres. Nach der Baugenehmigung rechnen wir mit 24 Monaten Bauzeit.

Dann sind wir schon deutlich in 2021 mit der Fertigstellung.

Kettler Unser Ziel wäre es, das Bad zum Schuljahreswechsel, entweder zum Frühjahr oder zum Spätsommer fertig zu haben. Das hat was mit der Bäderbelegung für das Schulschwimmen zu tun.

Haben Sie nicht die Sorge, dass die Benrather, wenn sie so lange ohne eigenes Schwimmbad sind, ganz abwandern, beispielsweise nach Hilden oder Monheim?

Kettler Neben den Bädern in Hilden und Monheim gibt es ja auch noch das Familienbad Niederheid in unmittelbarer Nähe mit Sauna und Außenbecken. Ich bin überzeugt: Wer dennoch abwandert, der kommt nach Eröffnung des Kombibades sicher wieder.

ANDREA RÖHRIG FÜHRTE DAS INTERVIEW

(RP)