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Düsseldorf: Hakle eröffnet Archiv für Toilettenpapier

Düsseldorf : Hakle eröffnet Archiv für Toilettenpapier

140 Tonnen Toilettenpapier entstehen täglich im Werk von Hakle in Düsseldorf-Reisholz. Jetzt gibt es ein kleines Museum, das Dokumente der Zeitgeschichte zeigt. Und es lehrt: Deutsche sind Falter, Südeuropäer dagegen Knüller.

Dass ein Archiv Tausende Blatt Papier enthält, ist keine überraschende Nachricht. Denn das ist es in der Regel, was ein Archiv ausmacht. In Reisholz aber wurde gestern ein Archiv eröffnet, das Tausende Blatt Papier enthält, und in der Welt einzigartig ist: Es ist ein Museum über neun Jahrzehnte Toilettenpapier. Gestern wurde es auf dem Gelände des Herstellers Hakle in Reisholz eröffnet. Und der größte Schatz, der dort lagert, ist die älteste Rolle Toilettenpapier "mit garantierter Blattzahl". Sie steht in einer Ecke des Museums, verschlossen in einem Glaskubus. Daneben ein Porträtfoto in schwarz-weiß mit der Aufschrift: "Zum Gedenken an Hans Klenk". Er ist der Erfinder, Gründer und Namensgeber der Firma Hakle.

Zur von etlichen Medien begleiteten Museumseröffnung ist Bürgermeister Friedrich G. Conzen (CDU) als Ehrengast gekommen. Er darf die historische Klopapierrolle in die Kameras halten. Es mag ein wenig bizarr wirken, aber für die Manager und Werksleiter des Papierherstellers ist es das nicht. Sie sind stolz auf ihre Firma. Und auf ihr Produkt. Hakle ist die bekannteste deutsche Toilettenpapiermarke, und was kaum jemand weiß: Sie ist heute ausschließlich Made in Düsseldorf. Bürgermeister Conzen lässt die Prozedur beharrlich über sich ergehen, hält die Uralt-Rolle so in die Kamera, wie vom jeweiligen Fotografen gewünscht. "So lang ich das Produkt hier nicht ausprobieren muss", sagt der Politiker. Muss er nicht.

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Das erste Rollenpapier von 1928 ist nichts für den verwöhnten Kunden von heute. Die Rolle hat 1000 Blatt, fast zehnmal so viele wie heutige Produkte. Sie wiegt gefühlt ein Kilogramm, denn sie ist gewickelt aus schwerem einlagigen Krepppapier. Und sie ist der wirtschaftliche Grundstein der Firma Hakle, Deutschlands erstem industriellen Toilettenpapierproduzenten. Und was haben die Menschen vor 1928 benutzt? "Zeitungspapier", sagt Hakle-Chef Bernd Schell zu den Journalisten.

Anfangs ist Toilettenpapier noch kein Kassenschlager, wohl eher was für wohlhabende Hygienefreaks. Und außerdem spricht man nicht darüber. Bis in die 1950er Jahre galt Toilettenpapier als Tabuprodukt. Kaum jemand wagte es, im Laden danach zu fragen. "Verlangen Sie eine Rolle Hakle, dann brauchen Sie nicht Toilettenpapier zu sagen", lautete im Jahr 1948 deshalb einer der ersten Werbeslogans.

Das, was wir wohl heute zumindest akzeptieren würden, kam 1962 auf den Markt: das zweilagige Toilettenpapier, später auch in "flauschig". Der Verkaufsschlager von 1968, zu sehen im Haklearchiv, ist ein doppelter Rollenhalter. Links eine der damals neuen flauschigen Hakle-Rollen, rechts eine, die an den Krepppapier-Prototypen von 1928 erinnert. "Links für die Dame, rechts für den Herrn, so war das damals", sagt Geschäftsführer Bernd Schell. In den 1970ern dann kam die Komfortwelle: drei Lagen, feuchtes Papier, Duftnoten in Apfel und Lavendel, Rollen in bunten Farben.

In dem kleinen Museum lernt man auch viel über Menschen. Denn wie ein Toilettenpapier sein muss, ist von Land zu Land unterschiedlich. "Die Deutschen sind Lagenzähler, woanders reicht ein- und zweilagiges Papier", sagt Produktionsleiter Andreas Meyer. Einfacher Hintergrund: "Die Deutschen sind Falter, Amerikaner oder Südeuropäer dagegen Knüller", weiß der Produktionschef.

Marketing ist das A und O beim Hygienepapier. Daher wandelt sich die Verpackung stets. In den 1990ern wirbt ein süßer Hund. Hakle hat seit kurzem ein poppiges Äußeres. Die Untermarke Servus versucht es mit Witz. Die Verpackungen tragen große Aufschriften, etwa "Du kannst mich mal blattweise", oder "Eine Rolle für Klugreißer".

Markenarchiv geöffnet donnerstags 10 bis 12 Uhr, nur nach Anmeldung per Mail an verbraucher@hakle.de oder auf der Internetseite www.hakle.de

(RP)