Mein Laden: Händlerin der schönen Dinge

Mein Laden: Händlerin der schönen Dinge

An der Bürgerstraße hat Steffi Winkels einen kleinen Laden eröffnet, in dem sie französisches Wohndesign verkauft. "Marchand des belles Choses" bildet mit dem Café "Petit Rouge" als Nachbar eine äußerst frankophile Anlaufstelle.

Unterbilk Es sieht so aus, als ob ein ausgeklügelter Plan dahintersteckt. Das Café "Petit Rouge" und das neue Interieur-Geschäft "Marchand des belles Choses" an der Bürgerstraße bilden schon von außen ein optisch perfekt harmonierendes, frankophiles Ensemble direkt gegenüber des Friedensplätzchens. "Das war aber ein Zufall", sagt Steffi Winkels, die zuschnappte, als der Vorbesitzer, der sich eher nordisch ausgerichtet hatte, aufhören wollte. "Was für ein toller Laden, was für eine schöne Ecke", dachte sie sich und machte sich spontan (nebenbei) selbstständig. Denn ihren Job im Mode-Vertrieb hat Winkels erst einmal nicht aufgegeben, die Öffnungszeiten im "Marchand" beschränken sich aktuell auf drei Tage, "und natürlich zusätzlich nach Vereinbarung", betont die 52-Jährige.

"Ich hatte schon immer ein Faible für alte Möbel, das hat mein Vater mir irgendwie vererbt", sagt sie. Nicht, dass sie das Wort Trödel unbedingt vermeiden würde, bevorzugt spricht die Neu-Geschäftsfrau aber von Wohndesign, Objekten oder Accessoires. Zwar sagt sie auch bei Haushaltsauflösungen nicht Nein, lieber ist Winkels aber mit ihrem Freund auf Trödelmärkten und Messen in Frankreich, Belgien oder Holland unterwegs, um als Händlerin eben jene schönen Dinge anzubieten, die dem Laden den passenden Namen geben. Es muss auch nicht unbedingt immer französisch sein, "der dänische Einfluss ist unverkennbar". Dennoch stehen Lille, Marseille, Avignon, die Bretagne und auch Brüssel ganz oben auf der Reiseroute von Steffi Winkels.

Stühle und Tische finden sich im "Marchand" ebenso wie alte Kronleuchter, Bilder, Porzellan oder Vasen. Trödel passt dabei auch deswegen eigentlich nicht, weil darunter sehr teure Sachen um die 1000 Euro sind. Lampen zum Beispiel, "die bekommst du nicht an jeder Ecke", betont die Ladeninhaberin, die aber schnell hinzufügt: "Hier bekommt man natürlich auch Accessoires unter zehn Euro." Ihr neuer "Nebenjob" macht Steffi Winkels jedenfalls unheimlich Spaß, "das ist wie sich Austoben. Ich helfe Menschen dabei, zu Hause ihr persönliches Flair zu kreieren". Sie freut sich vor allem darauf, dass es bald wärmer wird und sich auch der kleine Innenhof nutzen lässt, um Außenmöbel zu präsentieren, aber auch, um einfach mal in aller Ruhe einen Kaffee in der Sonne zu genießen.

Noch steht Steffi Winkels ganz am Anfang, bald will sie zusätzlich Schmuck, Seifen, Pflegeprodukte sowie Gin und Whisky in das Sortiment aufnehmen, "alles nachhaltig, und es muss natürlich in das Konzept passen". Wie sich das genau definiert, weiß nur sie selbst, aber es überzeugt die Kunden unweit der Lorettostraße, die beginnen, den "Marchand" zu entdecken, nicht immer direkt kaufen, lieber ein zweites oder drittes Mal wiederkommen, alles ausmessen, um letztlich dem Glanz der schönen Dinge doch zu erliegen. "Es gibt aber auch Artikel, die habe ich eine Stunde im Laden stehen und schon sind sie weg", berichtet Steffi Winkels. Knapp 60 Quadratmeter ist der "Marchand des belles Choses" nur groß, dennoch braucht es seine Zeit, bis all die kleinen Schätze auch in der hintersten Ecke entdeckt sind. Und dann geht man nach nebenan und trinkt im "Petit Rouge" noch ein Glas Rotwein. Ganz wie in Frankreich eben.

(arc)