Händler Zurheide hat schwieriges Jahr in Düsseldorf hinter sich

Einkaufen in Düsseldorf : Zurheide zwischen Schlemmerei und Diät

Der Markt hat sein erstes Jahr hinter sich – die Bilanz ist durchwachsen. Am Sonntag fand das Gourmetfestival statt.

Das Gourmetfestival von Zurheide ist bei den Feinschmeckern beliebt. 1800 Tickets sind für den Event am Sonntag verkauft worden – für 129 Euro das Stück. Erstmals fand das Spektakel in der Innenstadt und nicht im Reisholzer Markt an der Nürnberger Straße statt. Dort feiert man das Zehnjährige. An der Berliner Allee sind nun zwölf Monate herum, und die waren für die Kaufleute eher Magerkost als Schlemmerei. „Das war kein einfaches Jahr“, sagt Rüdiger Zurheide.

Der Südtiroler Starkoch Roland Trettl zählte zu den Publikumsmagneten. Er ließ Rote-Beete-Knödel servieren. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Am 22. März 2018 eröffnete auf zwei Ebenen der Lebensmittelhändler im ehemaligen Kaufhof an der Berliner Allee. Kein einfaches Jahr, das ist vornehm ausgedrückt, wie Besucher und Branchenexperten wissen. Zurheides hatten großen Andrang erhofft, doch der blieb aus. „Wir haben die Daten aus Reisholz als Referenz zugrunde gelegt, aber das hat dann nicht geklappt.“ Im ersten Monat kamen nicht 150.000, sondern „nur“ 100.000 Menschen ins Geschäft. 5500 Kunden am Tag hätte man gerne, in den ersten Monaten kam nicht einmal die Hälfte, der heiße und lange Sommer verstärkte den Trend. Beim Durchschnittsbon, also dem Umsatz pro Kunden, wurde mit 23 Euro kalkuliert, die entgangenen Umsätze schmerzen. Die 5500 Kunden seien eine Zielgröße, sagt Zurheide, sie sollen noch erreicht werden.

Rüdiger Zurheide will 5500 Kunden täglich ins Haus holen. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Warum meiden viele Düsseldorfer den Markt? „Es liegt an der Größe“, sagt der 39-Jährige, „viele Kunden sprechen von Unübersichtlichkeit.“ Zurheide sagt, Probleme habe man in jedem neu eröffneten Haus gehabt. Man werde sie in den Griff bekommen. Mittlerweile kämen 3500 Kunden täglich, der Durchschnittsbon liege über 23 Euro – präziser will er nicht werden. Sehr gut angenommen würden die Wein- und Champagnerabteilung sowie der Bio-Bereich. Das Geschäft starte am Morgen verhalten, es gebe im Café-/Loungebereich nun ein Frühstück, das Kunden ins Haus lockt. Anders als in Reisholz muss in der Innenstadt fürs Parken gezahlt werden. Das Thema treibt Zurheide um, er hätte am liebsten die erste Stunde für seine Kunden kostenlos und verhandelt darüber mit dem Eigentümer, der Koerfer-Gruppe aus Köln. Am Sonntag ist der Markt maximal voll, alle Tickets sind im Vorfeld verkauft worden. Die Schlange zum Start war lang. Nicht nur aus Düsseldorf, aus ganz NRW zog es Genussmenschen an die Berliner Allee. Erika Eschweiler aus Zülpich war mit Sohn Christoph erstmals dabei. „Das gigantische Angebot ist beachtlich, aber ich muss mich erst einmal orientieren“, sagte sie mit einem Blick auf die Menschenmasse im Erdgeschoss. Michael Simon – mit Stephan Kuckherm im Schlepptau – reiste aus Oberhausen an. Rund drei Mal sei er schon zu Gast gewesen bei diesem Festival. „Ich finde es herausragend, die Atmosphäre im Supermarkt raubt dem Ganzen die Strenge.“ Anela Abaza aus Essen findet: „Es ist total überwältigend. Das ist ein Wahnsinns-Angebot. Eine enorme Großzügigkeit.“

Top-Köche waren angereist, um beim Festival dabei zu sein, die meisten von ihnen wie etwa Nelson Müller oder Véronique Witzigmann sind Wiederholungstäter – die beiden waren schon neun Mal dabei. Publikumsmagnet Roland Trettl ließ Rote-Beete-Knödel servieren. Die Drei-Sterne-Koch-Legenden Dieter Müller und Harald Wohlfahrt waren mit eigenen Kochstationen präsent und verbreiteten mitreißend gute Laune. Singend zum Genuss verführen wollte Rocco Giacobbe, er sang italienische Evergreens, während er mit Feige und Ziegenkäse gefüllte Ravioli in Butter und Salbei schwenkte.

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