Exklusives Publikum in Düsseldorf: Händler im Kö-Bogen sind zufrieden

Exklusives Publikum in Düsseldorf : Händler im Kö-Bogen sind zufrieden

Ein halbes Jahr nach der Brandstiftung und der Teil-Eröffnung sind fast alle Geschäfte in die Libeskind-Bauten eingezogen. Die Bilanz ist positiv – das Düsseldorfer Publikum sei sehr exklusiv. Kritik gibt's an Baustellen und Bahnen.

Ein halbes Jahr nach der Brandstiftung und der Teil-Eröffnung sind fast alle Geschäfte in die Libeskind-Bauten eingezogen. Die Bilanz ist positiv — das Düsseldorfer Publikum sei sehr exklusiv. Kritik gibt's an Baustellen und Bahnen.

Der erste Teil des Kö-Bogens ist fast komplett. Am Mittwoch feierte die Modemarke Joop mit großem Promi-Aufgebot die Premiere des lange geplanten ersten deutschen Flagshipstores, der wegen der Brandstiftung im Herbst nicht fristgerecht starten konnte. Heute rollt die Marke Porsche Design, der es am bisherigen Standort im Kö-Center zu eng geworden war, den Roten Teppich im 170 Quadratmeter großen neuen Domizil aus. Und wenn dann noch — voraussichtlich Mitte April — Windsor einzieht, sind alle Einzelhandels-Flächen besetzt.

Zeit für eine erste Bilanz. Wie laufen die Geschäfte in dem von Daniel Libeskind entworfenen spektakulären Bau mitten im Herzen der Stadt? Vergangene Woche gab es in Cannes den Architektur-Oscar für das weltbeste Gebäude. "Wir haben unsere Ziele erreicht, die Resonanz ist sehr positiv", sagt Christian Witt, Unternehmenssprecher von Breuninger. "Unser Konzept wird angenommen. Vor allem die Damen-Kollektionen in den Premium- und Exquisit-Abteilungen laufen gut." Sensationell sei die Nachfrage bei Schuhen, Taschen und Accessoires. Wobei auffallend sei, dass das Publikum in Düsseldorf nicht nur modisch deutlich anspruchsvoller als etwa in Stuttgart sei, sondern auch höhere Erwartungen an den Service habe.

Ein ähnliches Fazit zieht Norbert Steinke, Chef von Hallhuber: "Wir liegen klar über unseren Erwartungen. Bemerkenswert ist, dass unsere bestehende Filiale auf der Kö nicht nennenswert negativ betroffen ist. Was für mich heißt, der Kö-Bogen zieht in erheblichem Umfang neue Besucher in die Stadt." Auch beim Nachbarn Laurèl ist man zufrieden — besonders über den hohen Anteil internationaler Kunden. Da sei Düsseldorf schon herausragend. Geschäftsführer Dirk Reichert freut sich über die fantastische Lage, "denn der Kö-Bogen wird rund um die Uhr stark frequentiert".

Von hoher Frequenz kann aber nicht an allen Wochentagen gesprochen werden. Klassisch schwach ist demnach der Wochenanfang, während es von Donnerstag bis Samstag in den Läden rund geht. "Mit den frühlingshaften Temperaturen kommen immer mehr Kunden", sagt Shahin Moghadam von "Unique", der derzeit vor allem Kleider für Abibälle verkauft. "Bei schönem Wetter nutzen die Passanten die Rückseite des Kö-Bogens für Entspannung auf den Treppen mit Ausblick auf den Hofgarten. Der neue Lauf' wirkt sich für uns positiv aus."

Während man im Apple-Store generell keinerlei Statement gibt, ist Merdal Güler von Juwelier Rüschenbeck begeistert: "Wir sind in Düsseldorf neu und bereits in den ersten drei Monaten weit über Plan." Generell sind alle neuen Platzhirsche angetan von der Stimmung in der Stadt. "Die Düsseldorfer sind offen für Neues und haben uns herzlich aufgenommen", sagt Frank Schleicher (Faber-Castell).

Es gibt aber auch Kritik: an den Baustellen und den Straßenbahnen, die vielen an dieser Stelle zu schnell fahren. Die Absperrgitter zur Bahn werden als unpassend empfunden. "Sie sollten dem Standard des Kö-Bogens entsprechen oder weg", fordert Steinke. Wenig ansprechend sei auch der wie eine Steinwüste anmutende Schadowplatz. "Mit jeder Baustelle, die verschwindet, gewinnt der Kö-Bogen an Attraktivität", ist Stefan Mühling (developer) überzeugt. "Der Schlussstein ist erst dann gesetzt, wenn die Straßenbahn verschwunden ist."

(RP)