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Düsseldorfer Quartiere: Händler fordern klare Vorgaben

Düsseldorfer Quartiere : Händler fordern klare Vorgaben

Einkäufe konzentrieren sich immer mehr auf Supermärkte. Manche Händler suchen nach Alternativen.

Schritt für Schritt kommen große Teile des öffentlichen Lebens zum Erliegen. Vieles konzentriert sich jetzt auf die Läden und Gastronomie-Betriebe, die noch geöffnet sind. Ein Stimmungsbild aus den Quartieren.

Unterbilk Viele Geschäfte an der Lorettostraße sind bereits seit Mittwoch geschlossen. Auf Facebook hat die Händlergemeinschaft Lorettoviertel ihre Kunden informiert, dort auch das geplante „Spring Opening“ abgesagt, das die Unterbilker Händler am 27. März feiern wollten. „Die Kollegen hier sind sehr vorbildlich“, sagt Margarethe Dawo, Sprecherin der Initiative, die sich regelmäßig mit den anderen Händlern austauscht über die Entwicklungen. Nur noch die Apotheken und der Supermarkt hätten geöffnet. Auch wenn es im Augenblick schwer ist für die Einzelhändler – „der Erlass war absolut richtig“, sagt Dawo, die eigentlich nur darauf wartet, dass noch weitere Maßnahmen ergriffen werden, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen. Im Augenblick überlegen einige Geschäftsleute, wie sie ihre Produkte auf anderen Wegen vertreiben können, dazu soll es in den sozialen Netzwerken regelmäßig Informationen geben.

Friedrichstadt Auch auf der Friedrichstraße ist nicht mehr viel los, dort hatte die Händlerinitiative „Die Friedrichs“ schon Anfang der Woche eine erste Mail an alle Mitglieder geschickt mit den aktuellen Bestimmungen und Infos zu Hilfsangeboten. Vorsitzender Dietmar Wolf fordert noch mehr Aufklärung und Orientierungshilfen von der Stadt, etwa eine Liste, „auf der gesammelt steht, wer öffnen darf, wie die Öffnungszeiten sind und wo Händler Unterstützung bekommen. Die Wartezeiten beim Infotelefon sind sehr lang“. Außerdem hofft Wolf, dass Vermieter dem Handel entgegenkommen „und sich solidarisch zeigen“.

Oberbilk Inzwischen ist es auch in Oberbilk ruhiger geworden auf den Straßen, in den letzten Tagen hatten immer noch viele Geschäfte offen, die nicht Produkte für den täglichen Bedarf anbieten. An der Ecke Ellerstraße/Kruppstraße waren am Freitag die Türen eines Matratzenladens noch auf, auch der Haushaltswarenladen an der Ellerstraße bediente Kunden. Die Werbegemeinschaft „Erlebniseinkauf Oberbilk“ hatte Links an ihre Mitglieder verschickt, etwa zu Kurzarbeitergeld, „jeder muss aber selber entscheiden, ob er schließt“, sagt Vorsitzender Jürgen Grünitz. Den Erlass der Stadt durchzusetzen, dafür sei die Werbegemeinschaft nicht da. Der Rundgang des Ordnungs- und Servicedienstes am Donnerstag habe aber Wirkung gezeigt, die meisten Händler in Oberbilk würden sich nun an den Erlass halten. Grünitz ist selbst nicht betroffen von den Schließungen, er betreibt die Druckerei Fritz Classen und will vor Ostern noch ein Stadtteilheft herausbringen mit wichtigen Adressen und Ansprechpartnern für die Menschen im Viertel, „und ein paar kurzweiligen Inhalten“.

Eller Ähnlich wie Grünitz sieht es Jürgen Hagendorn von der Werbegemeinschaft Individueller im Stadtteil Eller. „Wir haben niemandem etwas vorzuschreiben“, sagt der Vorsitzende, weil es klare Vorgaben gebe, „die der OSD kontrollieren muss“. Die Werbegemeinschaft könne nur appellieren, an Händler wie Kunden, „wir müssen solidarisch sein, nicht nur an uns denken“, sagt Hagendorn, der wie einige Kollegin aus Unterbilk glaubt, dass es noch härtere Maßnahmen geben muss.

Benrath Während an den ersten Tagen in dieser Woche die Fußgängerzone samt Aufenthaltsbereichen sehr gut gefüllt war, hat sich das Bild inzwischen gewandelt. Telefonisch steht die Vorsitzende Melina Schwanke von der Händlergemeinschaft „Aktionsgemeinschaft Benrath“ mit den Ladenbetreibern in Kontakt. Sie wünscht sich klarere Vorgaben, wer wann öffnen darf. Was sie positiv findet: Inzwischen seien bereits erste Vermieter auf die Geschäftsinhaer zugegangen mit dem Hinweis, dass man beim Thema Mietreduzierung verhandlungsbereit sei. Kreativ geht man im Bürobedarf und Druckzubehör „Bernshaus“, das sich sowohl um Privat- als auch Gewerbekunden kümmert, mit den Vorgaben um. Die Eingangstür ist einen Spalt breit geöffnet. Wer etwas kaufen möchte, teilt das durch die Tür mit und bekommt außen kontaktlos seine Ware übergeben.

Oberkassel Die Einkaufsstraße Luegallee in Zeiten des Coronavirus: Kaum ein Laden, in dem nicht ein Zettel hängt: „Wir liefern“, „Besuchen Sie unseren Online-Shop“, „Wir sehen uns hoffentlich bald wieder“. An der Apotheke am Luegplatz stehen zwei orangene Warn-Pylonen vor der Tür, als sei hier ein Unfall passiert. Sie sollen verdeutlichen: Stop. Dazu ein Schild: „Bitte einzeln eintreten. Halten Sie Abstand.“ Und dazu die Info: Ausverkauft sind Atemschutzmasken, Desinfektionsmittel, Fieberthermometer. An den Bäckereien: Schlangen. Die Menschen werden gebeten, einzeln einzutreten und beim Warten Abstand zu wahren. Ebenso am Gemüsestand auf dem Markt am Barbarossaplatz. Immer wieder sieht man Kunden mit Masken oder Handschuhen. Zwei ältere Damen unterhalten sich vor der Post – mit knapp zwei Metern Abstand. Oberkassel geht auf Distanz. Im Supermarkt ist wie überall das Toilettenpapier ausverkauft. In den engen Gängen geben sich die Kunden teilweise vergeblich Mühe, sich aus dem Weg zu gehen. Wo viele früher noch neugierig auf die Auslage guckten, ist jetzt spürbar: rein, kaufen, raus. Wer keine Lebensmittel verkauft – und seien es Düsseldorfs berühmteste Pralinen – hat dicht. So auch die Familien-Boutique „Qnootsch“ an der Ecke Luegallee/Oberkasseler Straße. Vom Ehepaar Rebecca und Christian Jakobs vor anderthalb Jahren eröffnet, stand der Laden gerade kurz vor den schwarzen Zahlen. „Durch die Schließung des Ladenlokals bricht uns jetzt zirka 90 Prozent des Umsatzes weg“, erzählt Christian Jakobs. „Glücklicherweise haben wir zwar auch von Beginn an einen Onlineshop aufgebaut, hier lag der Umsatzanteil aber zuletzt gerade mal bei zehn Prozent.“ Aber auch dort fielen die Umsätze gerade „nahezu komplett weg.“ Das Ehepaar – Eltern von zwei kleinen Jungen – sieht seine Existenz gefährdet. Auch wenn es die Maßnahmen richtig findet und den Shop sofort zugemacht hat. Manche Wirte, die jetzt noch offen haben, blicken sorgenvoll auf Sonntag: Dann will die Landesregierung weitere Maßnahmen verkünden. Ministerpräsident Laschet deutete am Freitag bereits an, dass es Restaurants noch stärker treffen könnte. „Carissima“ und „Stappen“ werben seit Tagen mit Flyern für ihre neuen Lieferservices. Die Brasserie Hülsmann hat neue Mittagstischkunden von nebenan: Eine Selbstbedienungs-Apotheke macht nun täglich Pause – zum Desinfizieren und Essen. Wenn man sie dringend suche, so das Personal auf einem Aushang, seien sie in der Brasserie zu finden.

Flingern In Flingern war es am Freitag weitgehend ruhig. Zwar waren einige Personen auf den Straßen unterwegs, um Erledigungen zu machen, aber größere Menschenansammlungen gab es nicht. Auch in den noch geöffneten Restaurants war wenig Betrieb. Die Boutiquen in dem Stadtteil halten sich an die Vorgaben und lassen ihre Türen geschlossen. Viele der Läden, beispielsweise die Buchhandlung Regenbogen oder das Geschäft Rikiki an der Lindenstraße, bieten Lieferservices oder Abholung nach Bestellung an. Wer noch darf, öffnet auch weiter seine Pforten wie Gaby Thomas, Inhaberin eines Weinladens an der Birkenstraße – auch wenn nur noch wenige Kunden kommen. „Ich bin selbstständig, für mich zählt jeder Euro", sagt sie. Auch sie liefere inzwischen vereinzelt Produkte an Kunden.

Kaiserswerth Die Händler halten sich auch hier an die Vorgaben. Die meisten Geschäfte sind zu und Restaurants schließen pünktlich um 15 Uhr oder haben auf Lieferdienste umgestellt. Nur wenige Menschen sind unterwegs, die Parkanlagen verwaist, was allerdings auch am Wetter liegen kann. Lediglich an der Straßenbahnhaltestelle setzen sich noch Personen eng nebeneinander. Vor dem kleinen Rewe-Supermarkt achtet eine Sicherheitskraft darauf, dass nicht zu viele Menschen gleichzeitig in den Laden gelangen. Das findet ein älteres Ehepaar allerdings völlig überflüssig und regt sich darüber auf. Darüber können andere Kunden, die teilweise mit Mundschutz und Einweghandschuhen unterwegs sind, nur den Kopf schütteln. Der Ton ist rauer geworden. „Passen Sie gefälligst auf“, wird ein junger Mann angeschnauzt, der zu forsch um die Ecke biegt und dadurch nicht den Zwei-Meter-Abstand einhält.

Das sagen die Verbände „Ausreißer gibt es immer, aber mein Eindruck ist, dass die meisten Betriebe trotz einer für sie so existenziellen Bedrohung verantwortlich mit den getroffenen Regelungen umgehen“, sagt Thorsten Hellwig, regionaler Sprecher des Branchenverbands Dehoga, in dem sich auch die Restaurants und Gaststätten organisieren. Unterschiedliche Einschätzungen gebe es zur eingeschränkten Öffnungszeit, die derzeit noch um 15 Uhr ende. „Müssten alle diese Betriebe schließen, brächte das mehr Klarheit zum Beispiel beim Kurzarbeitergeld“, sagt Hellwig. Auf der anderen Seite seien einige Unternehmer froh, dass sie am Vormittag und Mittag noch etwas Geld verdienen könnten. Peter Achten, Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands in Düsseldorf, setzt neben den offiziellen Verfügungen vor allem auf den gesunden Menschenverstand. „Spitzfindigkeiten, ob beispielsweise Tabakwaren zu den Gütern gehören dürfen, die der Versorgung der Bevölkerung dienen, sind fehl am Platze.“  Dass sich beispielsweise am Carlsplatz in dieser Woche immer noch Gruppen zum Weißwein trinken getroffen haben, befremdet ihn allerdings. „Wir müssen uns auf das Notwendigste beschränken und Abstand halten.“ Über eine mögliche Ausgangssperre und deren denkbare Folgen für die Läden will er am Freitag nicht weiter spekulieren. „Da warten wir erstmal ab, was genau auf uns zukommt.“