Düsseldorf: HA Schult baut Figur aus Dauser-Dosen

Düsseldorf: HA Schult baut Figur aus Dauser-Dosen

Der Kölner Künstler spendierte dem Suppengeschäft einen seiner Müllmänner - mitsamt einer showreifen Übergabe.

Für einen Moment sieht es so aus, als würde HA Schult seine Skulptur wieder mit nach Hause nehmen, und zwar ganz ernsthaft. Dabei wollte Christian Dauser nur erzählen, wie die Idee für das Kunstwerk entstanden ist. "HA Schult fand die Etiketten auf unseren Dosen gut", setzt er an - aber der Künstler widerspricht. "Die finde ich überhaupt nicht gut."

Dauser erwidert scherzhaft, dass Schult vielleicht nur eifersüchtig sei, weil ein anderer Künstler die Etiketten gestaltet hat - und der beginnt zu schimpfen. "Eifersüchtig? Ich?" Er wird dabei so eindringlich, dass man wirklich befürchten muss, er fahre gleich zurück nach Köln. Dann kann Dauser die Situation doch noch entspannen, die Figur bleibt da.

Es ist nicht die einzige bemerkenswerte Szene gestern Mittag bei Dauser in Derendorf. Der Aktionskünstler HA Schult ist gekommen, um dem Inhaber des Suppen-Familienbetriebs einen "Müllmann" aus Dauser-Dosen zu überreichen. Diese Figuren aus Abfällen sind sein Markenzeichen (Schult: "Die berühmtesten Deutschen nach Merkel und Beckenbauer"). Der Künstler schickt eine Armee aus 1000 Exemplaren um die Welt, andere verkauft er an Sammler und Firmen. Und weil der 75-Jährige mit der Sturmfrisur nicht nur Künstler, sondern auch ein Gesamtkunstwerk mit einer ständig wechselnden Laune ist, gerät die Übergabe sehr unterhaltsam - wenn auch nicht immer im Sinne des Beschenkten.

Noch einmal droht Schult wenig später, dass er samt Figur gehen werde, diesmal, weil ihm das Ausladen zu lange dauert. (Aber da weiß man schon, dass er nicht gehen wird.) Zwischendurch lobt er euphorisch den "Suppenkönig" von Düsseldorf. Daneben nutzt Schult die Gelegenheit, ein bisschen von seinen Erinnerungen an Düsseldorf zu erzählen.

  • Eltern beschweren sich bei Stadt : Busse lassen behinderte Schüler in Düsseldorf warten
  • Universität wurde vor 30 Jahren nach Heinrich Heine benannt : „Wir brauchen eine echte Heine-Professur“

Zum Beispiel an sein Studium an der Kunstakademie, wo er von 1958 bis 1961 Persönlichkeiten wie den Galeristen Alfred Schmela kennenlernte - und im "Kreuzherreneck" versackte. Dort hat man ihn nicht vergessen. "HA, wo warst du so lange?", hätten ihn zwei Gäste gefragt, als er kürzlich wieder da war - ehemalige Kommilitonen. "Der eine ist Künstler geworden, der andere Taxifahrer und Künstler", sagt Schult. "Ich bin ja auch mal Taxi gefahren."

Oder der Prozess um seine Installation "Der Stau" (1996), für die er 60 weiß lackierte Autos auf der Rheinuferpromenade aufstellte und juristischen Ärger wegen Umweltverschmutzung bekam - obwohl die Stadt das Kunstwerk erlaubt hatte. "Da hat jemand Öl drüber gegossen und es mir in die Schuhe geschoben." Sogar Anwälte hätten sich entschuldigt, dass der Richter ihn zur Zahlung einer Strafe von 20 000 Mark verurteilte. "Immerhin hat sich eine Gerichtsreporterin in mich verliebt, so hatte der Prozess auch sein Gutes."

Nun also der "Müllmann" aus Suppendosen, den Dauser im Laden an der Ulmenstraße aufstellen will, wenn der bald vergrößert wird. Die Figur ist ein Geschenk. Sie sei ein Porträt von Christian Dauser, sagt Schult, das erkenne man an der aufrechten Haltung. "Er ist der straighteste in unserem Freundeskreis." Am Ende der Übergabe hat sich der Künstler sogar mit den Etiketten auf den Dosen versöhnt. "Ich habe sie mir noch mal angeguckt", verkündet Schult. "Eigentlich finde ich sie doch gut."

(RP)
Mehr von RP ONLINE