Tiere in Düsseldorf Gut Rodeberg steht vor dem Aus

Düsseldorf · Steigende Futterpreise und die Kündigung der Pacht lösen auf dem Hof in Unterbach einen Notstand aus. Hinzu kommt jetzt noch die Krebserkrankung der Leiterin Christina Helm. Der Verein „Seniorenpferde aktiv mit Kindern“ will auf mehreren Ebenen helfen.

 Ein Bild aus besseren Tagen: Christina Helm mit Walaika auf Gut Rodeberg. Inzwischen bangt die kranke Tierschützerin um die Zukunft ihres Hofes.

Ein Bild aus besseren Tagen: Christina Helm mit Walaika auf Gut Rodeberg. Inzwischen bangt die kranke Tierschützerin um die Zukunft ihres Hofes.

Foto: privat

Corona, Lockdowns, Dürresommer und horrende Heupreisen: Der Verein „Seniorpferde aktiv mit Kindern“ hatte seit seiner Gründung Anfang 2020 keinen leichten Start. Jetzt haben die Tierschützer, die sich die Versorgung der in die Jahre gekommenen Pferde und Ponys des Unterbacher Ponyhofs Gut Rodeberg auf die Fahne geschrieben haben, zusätzlich noch mit einem persönlichen Schicksal und dem drohenden Verlust der Weiden und Stallungen zu kämpfen: Aufgrund der fortgeschrittenen Brustkrebserkrankung von Christina Helm, Inhaberin von Gut Rodeberg, liegt der gesamte Hofbetrieb aktuell komplett in den Händen von Ehrenamtlern und einer Mitarbeiterin, die vor Ort ihren Bundesfreiwilligendienst absolviert. Auch Projekte mit Kindern können zurzeit nur von Ehrenamtlern gestemmt werden. Das bringt den Verein personell und finanziell an den Rand seiner Kapazitäten.

Helm hatte ihre Krebserkrankung lange weitestgehend geheim gehalten, nur ihre engsten Freunde wussten davon. Zu groß war die Angst, stigmatisiert, als Selbstständige vorzeitig ins Abseits gestellt zu werden und nicht mehr für den Ponyhof sorgen zu können. Aufgrund des fortgeschrittenen Alters der Tiere stand die Versorgung der Ponys und Pferde ohnehin schon auf unsicheren Beinen. Die Gründung des Vereins „Seniorpferde aktiv mit Kindern“, der inzwischen sieben Pferde übernehmen konnte, sollte den Unterhalt der betagten Tiere sicherstellen – und gleichzeitig Kindern einen wertschätzenden Umgang mit diesen vermitteln.

Dass Helm, die als Heilpädagogin und Sprachtherapeutin über die Jahre viele Kinder bei Reittherapien auf ihren oft schweren Wegen begleitet hatte, bald selbst Hilfe brauchen sollte, hatte damals keiner geahnt. Doch seit Jahresbeginn hat sich Christina Helms Gesundheitszustand drastisch verschlechtert. Mit dazu beigetragen hat sicher auch die zusätzliche psychische Belastung durch die überraschende Kündigung der Weiden und Stallungen durch den Verpächter: Wenn kein Wunder geschieht, stehen ihre Tiere zum Jahresende ohne Zuhause da. Bei der Suche nach einer neuen Bleibe für zwölf Großtiere erfahre sie zwar Unterstützung, „aber allein der Gedanke, auch hier nicht zu wissen, ob und wie es weitergeht, kostet Kraft und Nerven, die ich momentan einfach nicht habe“, sagt Helm.

Nicht einmal Autofahren ist der einst so engagierten Tierschützerin, die die meisten ihrer Pferde und Ponys aus schlechter Haltung übernommen und trotz Handicaps oder Krankheiten auf Gut Rodeberg ein neues Zuhause gegeben hatte, derzeit möglich. Der Krebs hat gestreut, und auch in der zweiten Brust ist jetzt ein Mammakarzinom entdeckt worden. Ihre gesamte Hoffnung setzt die 53-Jährige nun auf die Hyperthermie, eine komplementäre Krebstherapie, die zum einen in Kombination mit Verfahren wie Chemotherapie oder Bestrahlung angewendet wird, zum anderen aber auch dann Erfolg verspricht, wenn konventionelle Verfahren – wie bei Helm – schlecht oder gar nicht ansprechen. Die Kosten für die Therapie werden jedoch nicht von den Krankenkassen übernommen und kosten Helm ihre Existenz.

Ziel des Vereins „Seniorpferde aktiv mit Kindern“ ist es daher, alle noch verbliebenen zwölf Pferdesenioren zu übernehmen. Drei Tiere, darunter ein vom Tierschutzverein Düsseldorf finanziertes, 47 Jahre altes Shetlandpony, sind in den vergangenen Monaten bereits gestorben. Damit die betagten Pferde aber nicht nur übernommen, sondern auch dauerhaft versorgt werden können, ist der Verein auf Spenden und Patenschaften angewiesen. Denn allein für die Grundversorgung eines Pferdes fallen monatlich rund 350 Euro an, und aktuell steigen die Preise für Futtermittel auf dem Weltmarkt drastisch an. „Wir hoffen, dass wir weitere Paten gewinnen und alle Seniorpferde über den Verein versorgen können”, nennt Lydia Pache, Vorsitzende des Vereins, ihren größten Wunsch.

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