Aufregung in Düsseldorf GSG 9-Übung hinterlässt Scherben

Düsseldorf · Die Bundespolizei wird die Schäden ersetzen, die am Donnerstagabend beim Training ihrer Spezialeinheit in der Nachbarschaft der Bergischen Kaserne entstanden. Die Anwohner sind verärgert: Niemand hatte sie über die Übung mit Hubschraubern und Rauchbomben informiert.

 Die Übung der GSG 9 in der Bergischen Kaserne hinterließ Schäden bei einigen Anwohnern, darunter auch Gudrun und Dieter Neubauer.

Die Übung der GSG 9 in der Bergischen Kaserne hinterließ Schäden bei einigen Anwohnern, darunter auch Gudrun und Dieter Neubauer.

Foto: Bretz, Andreas

Martina Hansen stand in ihrer Küche, als die erste Rauchbombe in der Kaserne explodierte. Bloß einen Steinwurf weit von ihrem Zaun entfernt. "Ich dachte, da drüben ist etwas Schlimmes passiert."

Und es passierte eine Menge in der Bergischen Kaserne, in der seit einigen Jahren nur noch das Ausbildungsmusikkorps des Heeres probt. Genaueres bleibt allerdings geheim. "Einzelheiten zu Übungen der GSG 9 geben wir aus einsatztaktischen Gründen nie bekannt", hieß es beim Bundespolizeipräsidium in Potsdam. Bestätigt wurde bloß, dass "eine Spezialeinheit" im Rahmen ihrer allgemeinen Aus- und Fortbildung auf dem Kasernengelände trainiert hat.

Einsatz mit Spezialfahrzeugen

Zwar stand am Nachmittag an der B 7 ein Streifenwagen mit dem Schild "Polizeiübung". Doch den hat nicht jeder gesehen. Bewohner der Stratenhofsiedlung etwa, weil sie längst zu Hause waren, als die Übung begann. Und mancher Autofahrer, weil ihn der Anblick der gegen 17.30 Uhr aus dem Süden anrollenden Armada von Polizeifahrzeugen mit Blaulicht und Martinshorn ablenkte.

Denn das war fast alles andere als ein Streifenwagen. Die GSG 9 verfügt über Spezialfahrzeuge, die nicht sehr oft im Einsatz zu sehen sind. Dazu gehört eine Sonderanfertigung für Militär und Justiz aus den USA: Der Mars (kurz für: Mobile Adjustable Ramp System, zu deutsch: mobiles einstellbares Rampen-System) ist weit mehr als ein Fahrzeug, kann als Rammbock wie als haushohe Rampe dienen. Dass die GSG 9 damit die Stürmung von Häusern übt, wird bei der Bundespolizei natürlich nicht bestätigt.

Gudrun und Dieter Neubauer haben vor allem viel gehört: Den Lärm der Hubschrauber und das Klirren der großen Amphore in ihrem Garten. Der grenzt direkt ans Kasernengelände, und die Hubschrauber der Bundespolizei standen stundenlang direkt darüber. "Und das nicht einmal sehr hoch", sagt Neubauer, der selbst lange bei der Bundeswehr war.

Als wäre ein Sturm entlang gefegt

An die Stationierung auf Sardinien erinnerte der riesige Weinkrug, den der Sog der Rotorblätter umwarf und in tausend Stücke zerbersten ließ. Die Plane über den Terrassenmöbeln zerrissen, ein Marmortischchen zerbrochen — im gepflegten Garten der Neubauers sieht es aus wie nach einem Sturm. Und hätte Martina Hansen die umherfliegende Mülltonne nicht beiseite geschafft, hätte wohl auch Dieter Neubauers Auto noch ein paar Beulen abbekommen.

Bei der Bundespolizei haben beide Familien die Schäden schon gemeldet, die Regulierung sei zugesagt. Gestern sollte ein Beamter sich den Garten der Neubauers anschauen. Der pensionierte Bundeswehr-Major kennt so etwas von früheren Militär-Manövern: "Da gab es extra einen Schaden-Offizier."

(RP/top)
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