Grüne wollen Nachtkultur in Düsseldorf pflegen

Ausgehen in Düsseldorf: Grüne wollen Nachtkultur pflegen

Kleine Kulturräume sollen mehr gefördert werden, die Club- und Gastronomieszene soll sich vernetzen. Sogar einen Düsseldorfer Nachtbürgermeister kann sich die Fraktion vorstellen. Die Stadt soll Voraussetzungen für all das schaffen.

Düsseldorfs Ausgeh- und Nachtkultur wird noch nicht genug gefördert – dabei ist sie ein wichtiger Wirtschafts- und Standortfaktor, finden die Grünen. Insbesondere für kleine Kultur- und Kreativräume werde zu wenig getan. Das möchten die Politiker jetzt ändern und stellen, unterstützt von ihren Ampelpartnern SPD und FDP, in der nächsten Ratssitzung einen Antrag zur Integration von Kreativräumen und kulturellem Raumbedarf in die Stadtplanung – am Tag, aber besonders auch in der Nacht.

„Es geht uns darum, dass besonders die Subkultur besser gefördert wird, aber auch darum, dass Voraussetzungen geschaffen werden, damit sich die Akteure wie Wirte und Gastronomen miteinander vernetzen können“, sagt Norbert Czerwinski, Fraktionssprecher der Grünen. Unterstützung erhält die Fraktion vom Gaststättenverband Dehoga: Er begrüßt die Ideen und hofft auf breite politische Zustimmung.

Ein Ausgangspunkt für den Vorstoß der Grünen war derweil eine von ihnen ausgerichtete Podiumsdiskussion im Juni, wo es um urbane Nachtkultur ging. Eine Erkenntnis dabei: Besonders kleine Räume kämpfen zuweilen um ihre Existenz. Um herauszufinden, wie groß die Club-, Musik-, und Kulturstättenszene ist, soll die Stadt eine Pilotstudie über die derzeit genutzten Standorte durchführen, in der Innenstadt, aber auch in Vierteln wie Oberbilk oder Derendorf. Dann, so heißt es unter anderem in dem Antrag, sollen Handlungsempfehlungen und Instrumente entwickelt werden, wie die Kultur- und Kreativwirtschaft Teil der Stadtentwicklung werden kann. Zum Beispiel dadurch, dass Räume in der Musik- und Clubkultur erhalten bleiben oder die Stadt hilft, Konflikte zwischen den Nutzern solcher Räume und Vermietern zu lösen.

Solche Konflikte gibt es immer wieder. Schon lange sucht etwa der Kulturverein „damenundherren“ nach einer neuen Bleibe, nachdem er aus dem ehemaligen Friseursalon an der Oberbilker Allee 35 ausziehen musste. Ärger mit der Bauaufsicht und schließlich auch mit dem Vermieter führten zum Aus am alten Standort. Einen neuen Raum für Lesungen, Ausstellungen, Partys und Konzerte gibt es bislang nicht. Ähnliches droht dem Kulturverein „Brause“. Er muss 2020 seine Räume aufgeben, weil auf dem Areal an der Bilker Allee gebaut wird. Vereinsvorstand Stefan Pennartz ist froh um jede Art der Unterstützung, auch die „Brause“ macht derzeit auf ihre Situation aufmerksam: „Kulturstätten wie unsere führen ja erst dazu, dass ein Stadtteil angesagt ist und die Investoren dort bauen wollen. Wenn diese Stätten dann verdrängt werden, verschwindet genau das, was das Viertel ausmacht“, sagt er. Pennartz und seine Mitstreiter hoffen auch auf politische Unterstützung, wollen ab 2019 gezielt auf Raumsuche gehen.

Das zweite Anliegen der Grünen beim Thema Nachtkultur ist die Vernetzung innerhalb der Szene – dafür, so Czerwinski, könnten Stadt und Politik allerdings lediglich die Weichen stellen, einen intensiveren Austausch müssten dann Wirte und Gastronomen,  etwa die der Altstadt, selbst pflegen. Schließlich bedeute eine lebendige Nachtkultur auch Konflikte – etwa durch Lärm, der Anwohner stört. Solche Konflikte könnte die Szene gewissermaßen im Verbund angehen – etwa in einem Beirat oder eines Tages mit einem Nachtbürgermeister. Einen solchen hat beispielsweise die Stadt Mannheim. Er ist etwa verantwortlich für die Vermittlung zwischen Anwohnern, Betreibern und Kneipengängern. Wie seine Aufgabe genau aussieht, hat er uns unter www.rp-online.de/duesseldorf erzählt.

Unsere Autorin Laura Ihme meint, das Nachtleben macht unsere Stadt aus und sollte gefördert werden.

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