Düsseldorf Grüne: Alles begann mit Beuys

Düsseldorf · Am Freitag feiert der Grünen-Kreisverband sein 30-jähriges Bestehen. Zur Party kommen Bundesparteichef Cem Özdemir und viele Mitglieder aus den Anfangstagen. Damals spielte der Künstler Joseph Beuys eine große Rolle. Nur drei Jahre später, 1983 zog er sich enttäuscht zurück.

 Zwei Bilder von Joseph Beuys wurden in Frankfurt gestohlen.

Zwei Bilder von Joseph Beuys wurden in Frankfurt gestohlen.

Foto: Gottfried Evers

Es war aus heutiger Sicht eine ungewöhnliche Art, um Wähler zu werben: "Liebe Mitbürger", schrieb Joseph Beuys handschriftlich unter ein Foto, das ihn mit seinem Sohn zeigte, "ich bin für eine bewußte Beteiligung am politischen Leben, und ich trete für DIE GRÜNEN ein, denn es ist klar geworden, daß alles, was wir in unser Leben einbeziehen, sinnlos wird, wenn das Leben selbst bedroht ist." Das war 1980 und Beuys Bundestagskandidat für die von ihm mitgegründete Partei.

"Beuys hatte die Gründung lange vorher vorbereitet", sagt sein Schüler Johannes Stüttgen (65). Bereits 1967 hatten er und sein Lehrer an der Düsseldorfer Akademie die "Deutsche Studentenpartei" gegründet. 1971 ging daraus die "Organisation zur direkten Demokratie" hervor. "Die Basis war der Kunstbegriff, die Gestaltung der Gesellschaft auf der Grundlage der Selbstbestimmung und Freiheit." Beuys kandidierte bei der Europawahl 1979 und machte mit Rudi Dutschke Wahlkampf.

Bunter Mix

In der Ende 1979 gegründeten Partei fand sich ein bunter Mix aus Kämpfern für Ökologie, Basisdemokratie, Frieden, Frauenrechte, soziale Gerechtigkeit. "Wir haben wunderbare Wahlplakate gemacht mit Slogans wie ,Wählt euch selbst, wählt die Grünen'", so Stüttgen. Doch die Euphorie hielt nicht lang. Für die Wahl 1983 ließ sich Beuys in Düsseldorf neben Otto Schily erneut für den Bundestag aufstellen. Auf der Landesdelegiertenkonferenz wurde ihm jedoch ein sicherer Listenplatz verwehrt. Beuys zog die Kandidatur zurück und kehrte den Grünen enttäuscht den Rücken.

"Ich gehörte auch zu jenen, die ihn nicht gewählt haben", gesteht Ingrid Landau, Grüne der ersten Stunden und bis heute aktive Bezirkspolitikerin. Zwar habe sie damals, mit Anfang 40, Beuys' Theorie interessant gefunden. "Aber sein Guru-Dasein empfand ich als Widerspruch dazu. Und da habe ich mich von den Bielefelder Realos bequatschen lassen, ihn nicht zu wählen." Landau hatte mit der FDP sympathisiert, "die Grünen waren mir zunächst zu chaotisch".

Über Jörg Immendorff und ihre Freundin Ute Haas trat sie schließlich doch ein, wurde Partei-, später auch Fraktionssprecherin. Ihre Kinder malten Wahlplakate, die von der CDU überklebt wurden, sie unterstütze Hendrik Hendriks, Wirt von Düsseldorfer Szene-Kneipen wie "Grüner Mond", im Landtagswahlkampf. In Landaus Archiv ist auch eine blumenumrankte Karte von Petra Kelly: "In Eile um 4 Uhr früh nach 34 Briefen! Deine Petra".

Wolf Jenkner stieß 1982 zu den Grünen. Zuvor war der heute 69-Jährige Mitglied der SPD. Aber das Ja des Kanzlers Schmidt zur Stationierung von US-Raketen veranlasste den Friedensaktivisten, zu den Grünen zu wechseln.

Als Mitarbeiter des Wissenschaftsministeriums bereicherte er den "bunten Haufen aus diversen Ein-Punkt-Bewegungen" mit Verwaltungserfahrung, wurde Vorsitzender des Beschwerdeausschusses und setzte das Akteneinsichtsrecht durch. "Das half uns, die geplanten Tiefgarage im Alten Hafen zu verhindern." Ratsfrau Marit von Ahlefeld trat vor den Baggern in Sitzstreik.

(RP)