Messe in Düsseldorf: Großes Staunen über den "Veggie-Döner"

Messe in Düsseldorf: Großes Staunen über den "Veggie-Döner"

Über 10 000 Besucher bei der zweiten Veggieworld-Messe am Samstag und Sonntag im CCD, bei der es um fleischlose Ernährung und Rohkost geht. Auch Kleidung und Kosmetik war im Angebot.

Marianne Sukowski traute ihren Augen nicht. "Was ist das denn? Ein Döner hier auf der Veggie-Messe?", fragt sie und blickte erstaunt auf den Drehspieß, der sich wie in einem üblichen Döner-Imbiss in einem Grill drehte. Peter Kirwel kennt solche Fragen schon.

Der Geschäftsführer der Firma Wheaty verkauft auf der Veggieworld aber weder Lamm noch Rind. Stattdessen schneidet Kirwel vom Drehspieß eine gebratene Masse aus Weizen, Gewürzen und Kräutern. Der veganer Döner ist ein großer Erfolg.

Vor dem Wheaty-Stand warten viel hungrige Besucher auf eine Portion Döner, der sich optisch vom Klassiker mit Fleisch nicht unterscheidet. "Wir stellen unsere Produkte ganz bewusst so her, dass sie wie Fleisch aussehen", sagt Kirwel. Salami, Gyros, Schnitzel und vieles mehr bietet er an — alles vegan, also ohne Inhaltsstoffe von Tieren. "Mit unserem Grillgut möchten wir den Mann als Kunden gewinnen. Männer schrecken vor Tofu und Soja oft noch zurück." Frauen hingegen greifen gern zu. Auch Marianne Sukowski schmeckt der Veggie-Döner.

Gute Geschäfte auf der zweiten Düsseldorfer Veggieworld-Messe macht auch Jasmin Schister. Die Menschen hätten ein großes Bedürfnis nach sauberer und gesunder Ware, sagt die Chefin der Firma Muso Koroni und reicht massenweise Kleidung, Körperpflegeprodukte und Make-up über den Verkaufstresen. "Die Nachfrage steigt extrem", sagt Schister. "Wir kommen fast nicht nach." Die Produkte würde sie ohne tierische Inhalte herstellen lassen. "Muso Koroni" expandiert und eröffnet im Jahr 2014 ein Geschäft in Essen.

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Ein Trend auf der Veggieworld ist auch Rohkost. Im Angebot der Firma "42 Grad roh-kostbar" sind Wraps, gefüllte Lebkuchenfeigen und verschiedene Brotsorten. Was Rohkost genau ist, das muss die Chefin Gabriela Weiss ihren Besuchern oft erklären. "Wir erhitzen unsere Lebensmittel auf maximal 42 Grad", sagt sie. "Nur so bleiben alle Vitalstoffe im Essen erhalten."

Dass es noch viel Erklärungsbedarf über veganes und vegetarisches Leben gibt, bestätigt Stephanie Stragies vom Vegetarierbund Deutschland ("Vebu"), der als Messe-Veranstalter auftrat. "Viele Menschen suchen nach einem leichten Einstieg in ein fleischfreies Leben", sagt sie.

Tipps und Rezepte gab es am Vebu-Stand gratis. Stephanie Stragies beobachtet den Trend hin zu veganer Ernährung, was bedeutet, der Speiseplan ist nicht nur fleischlos, sondern auch ohne sonstige Produkte, die vom Tier stammen. So würden Veganer auch Kuhmilch ablehnen und sie durch Soja- und Getreidemilch ersetzen. Jeder, der auf ein vegetarisches oder veganes Leben umsattle, merke schnell einen Unterschied. "Man entdeckt plötzlich eine große ganze Facette pflanzlicher Lebensmittel, die bei vielen in Vergessenheit geraten ist", sagt Stragies. "Vegan erzeugte Lebensmittel erkennen viele Verbraucher wie ein Gütesiegel an", sagt Peter Kirwel, der noch immer fleißig Weizen-Döner verkauft.

Die hohe Nachfrage nach seinen Produkten genießt er ein wenig mit Genugtuung. "Wir sind so lange belächelt worden und arbeiteten jahrelang in einer Nische", sagt er. "Den Erfolg haben wir uns verdient."

(RP)