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Grillstube Seydel in Düsseldorf-Urdenbach schließt nach mehr als 30 Jahren

Gastro in Düsseldorf : Die letzten Tage einer Grillstube

Nach mehr als 30 Jahren hören Jörg und Andreas Knauff an der Urdenbacher Dorfstraße auf. Die Imbissstube Seydel hatte stets jeden Tag geöffnet – das hat seine Spuren hinterlassen.

Das rote Backsteinhaus an der Ecke Urdenbacher Dorfstraße/Itterbrücke hat bei eiligen Schlemmern und Urdenbachern Tradition. Ob Hähnchen, Möhreneintopf mit Frikadellen oder Currywurst mit Pommes – das Imbissgericht schlechthin – die Grillstube Seydel ist an sieben Tagen die Woche geöffnet. Doch jetzt verabschieden sich die Inhaber Jörg und Andreas Knauff zum 31. Mai. Sie hatten die Grillstube einst von Otto Seydel übernommen und den Namen beibehalten. Die gute Nachricht: es wird wieder Gastronomie einziehen.

„Wir haben am 1. Oktober 1988 hier angefangen, und am nächsten Tag erlebten wir bei strahlendem Himmel unser erstes Erntedankfest“, erinnert sich Jörg Knauff. Er und sein Bruder sind ausgebildete Fleischer. Ihre Eltern hatten auf der Capitostraße in Paulsmühle eine eigene Metzgerei. In den ersten acht Jahren betrieben die Brüder parallel zu Urdenbach auch dort einen Imbiss. „Das bedeutete acht Jahre lang Vollgas, zehn Stunden jeden Tag“, erinnert sich Andreas Knauff. Seit 1996 konzentrieren sie sich ausschließlich auf ihre Geschäft in Urdenbach. Zehn Mitarbeiter beschäftigten sie zuletzt. Die Kunden kommen auch aus Monheim und Hilden. Einige Ausflügler, die Urdenbach entdecken, gehören ebenfalls dazu wie viele Handwerker, die in der Gegend zu tun haben.

„Irgendwann fühlt sich jeder Tag gleich an. Immer wenn andere frei haben, müssen wir arbeiten, wir können zu keiner Feier“, erklärt Andreas Knauff. Der Gedanke, aufzuhören, treibe sie schon eine Weile um. Corona habe nicht den Ausschlag gegeben, auch wenn es zuletzt heftige Umsatz-Einbußen gab. „Die meisten gehen in Rente. Wir wollen uns mit 57 und 53 Jahren aus der Gastronomie zurückziehen und neu orientieren“, meint Jörg Knauff. Dass ihr Stadtteil dabei Lebensmittelpunkt sein wird, da sind sich die Paulsmühler Jongs sicher.

Schwierig war es allerdings, einen Käufer zu finden. Das Haus gehöre ihrem Vorgänger Otto Seydel, das Interieur der Grillstube stand zum Verkauf an. „Wir sind ein Magnet, trotzdem hat niemand Schlange gestanden“, bekennt Andreas Knauff. Dass umgebaut wird, wissen sie, aber was die Speisekarte künftig zu bieten hat, ist ein Geheimnis. „Unser Rezept für den Radieschensalat haben wir nicht verkauft, das nehmen wir mit, vielleicht für einen Radieschen-Stand“, meint Jörg Knauff verschmitzt, wohlwissend wie beliebt diese Spezialität ist. Die Knauffs hatten zusätzlich zu typischen Imbiss-Klassikern immer traditionelle Eintöpfe im Kessel. „Wir waren ein deutscher Imbiss, und die sind im Düsseldorfer Süden ausgestorben“, meint Andreas Knauff. Wehmut komme nach so vielen Jahren schon auf, wenn man sich verabschiede, betonen sie unisono. Aber, das Leben sei eben nicht unendlich.