Düsseldorf: Griechische Schule: Zukunft trotz Krise

Düsseldorf : Griechische Schule: Zukunft trotz Krise

Seit 1980 bietet die Griechische Schule Kindern mit Wurzeln in dem krisengeschüttelten Land die Möglichkeit, die Schullaufbahnen Deutschlands und Griechenlands gleichzeitig zu absolvieren. An eine Schließung denkt niemand.

In der Schule des 21. Jahrhunderts wird nicht mehr mit Kreide auf die Tafel geschrieben. Stattdessen arbeiten Lehrer immer häufiger mit so genannten Whiteboards, die an einen Computer angeschlossen sind und auf die man ebenso Grammatikformeln schreiben wie YouTube-Videos projizieren kann.

Diesen Trend hat auch die Griechische Grundschule in Düsseldorf erkannt: Vier solcher elektronischer Nachfolger der Tafel hat jetzt der Elternbeirat der Schule angeschafft. Mit einer Feierstunde wurden sie in Betrieb genommen. Die damit einhergehende Botschaft: eine Ergänzungsschule wie die griechische ist - trotz Globalisierung und nicht enden wollender Finanzkrise - zukunftsfähig. Sie wird - so die Einschätzung von Kollegium und Elternschaft - gebraucht.

"Für mich war es ganz klar, dass meine Tochter auf die Griechische Schule gehen wird. So kann sie perfekt Deutsch und gleichzeitig meine Muttersprache Griechisch lernen. Und dabei einen Schulabschluss machen, der in beiden Ländern akzeptiert wird. Später kann sie dann auch in Griechenland und in Deutschland studieren", sagt Nicole Mayer Dimakopoulou vom Elternbeirat der Grundschule, die es ebenso wie die benachbarte weiterführende Schule seit 1980 gibt.

Rund 150 Kinder von der ersten bis zur sechsten Klasse werden dort von Montag bis Freitag unterrichtet. "Die Griechische Schule wurde damals gegründet, weil so viele Gastarbeiter aus Griechenland kamen. Sie arbeiteten aber oft nur für ein paar Jahre hier, und dafür die Kinder auf eine deutsche Schule zu schicken, hätte sich nicht gelohnt. Das wäre, zurück in Griechenland, nicht anerkannt worden", erläutert Grigorios Delavekouras, griechischer Generalkonsul in Düsseldorf, die Ursprünge. Der griechische Staat habe sich deshalb damals entschlossen, Schulen in ganz Deutschland zu eröffnen. Noch heute ist er Träger aller dieser Schulen.

Doch ist dieser Ansatz der 60er und 70er Jahre nicht längst überholt? "Heute kommen ein Teil der Kinder, weil deren Eltern ihre eigene Kultur wahren möchten", meint Delavekouras. So sehen es auch Nicole Mayer Dimakopoulou und ihre Mitstreiter: Schließlich seien ihre Kinder vorrangig weder deutsche noch griechische Bürger, sondern irgendwie beides, Mittler der Kulturen. Dies fördere der bilinguale Unterricht an der Grundschule und später am Gymnasium in besonderer Weise. Hinzu kommt: Laut Schulleitung ist seit kurzem ein nicht unerheblicher Teil der Schüler, wenn er anfängt, wie in früheren Zeiten gerade erst aus Griechenland eingereist und kann deshalb noch kein Deutsch. Das wiederum hat die Sozial- und Finanzkrise mit sich gebracht. "Viele Griechen sind seither nach Deutschland gekommen, in Düsseldorf leben derzeit etwa 14 000", sagt Konsul Delavekouras. Wegen des großen Andrangs fördert der Staat trotz knapper Mittel und Sparauflagen deshalb weiterhin die Schule. Das hatte vor ein paar Jahren noch anders ausgesehen: Da sollte die Schule nämlich geschlossen werden, die Eltern protestierten - mit Erfolg.

Ganz zur Freude von Odysseus Trikos, dem Leiter der Grundschule. Er ist vor allem froh, dass der Elternbeirat immer wieder Geld sammelt für neue Anschaffungen. Auf die neuen Whiteboards ist er besonders stolz: "Sie machen das interaktive Lernen so einfach möglich."

Auch die Kinder finden die Alternative "total cool", wie Viertklässlerin Anastasia sagt. Dass sie auf der Griechischen Schule nicht nur den Umgang mit dem Whiteboard, sondern auch die Kultur ihrer Eltern bewahren lernen soll, ist ihr wie den anderen Kindern - zumindest in der Grundschule - egal. Am schönsten in der Schule sei doch, dass man dort jeden Tag seine Freunde treffen kann, findet sie.

(RP)
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