Lärm-Streit in Düsseldorf: Grafenberg diskutiert über den Sportlärm

Lärm-Streit in Düsseldorf : Grafenberg diskutiert über den Sportlärm

Die Probleme des TV Grafenberg bewegen Sportler, Anwohner und Politik: Mehr als 80 Besucher kamen zur Mobilen Redaktion.

Der Fall des TV Grafenberg, der wegen Beschwerden über Lärm den Betrieb auf seiner Sportanlage massiv einschränken musste, hat eine große Diskussion in der Stadt ausgelöst. Sportliche Aktivitäten sind beim TV nur noch in sehr eng umrissenen Zeiten erlaubt, sonntags nur noch einige Male pro Jahr gestattet - außerdem gibt es einen Mitgliederstopp.

Auch andere Vereine sind von ähnlichen Problemen betroffen und fürchten um ihre Zukunft. Wie sehr das Thema Sportler, Anwohner und die Politik bewegt, zeigte am Mittwoch die Mobile Redaktion der RP auf der Anlage an der Sulzbachstraße.

Mehr als 80 Besucher kamen, um mit den Redakteuren zu diskutieren. Viele äußerten ihre Sorge, dass dem Sport der nötige Raum fehle, wenn Vereine zu strenge Auflagen für den Lärmschutz einhalten müssen. "Ich kann meinen Enkeln nicht zeigen, wie man dribbelt, wenn die Sportanlage für große Teile des Tages gesperrt is"", sagte Wilma Arlt, 70 und langjährige Basketballerin.

Peter-Axel Müller verwies darauf, dass die Kinder und Jugendlichen in Zeiten des Internets ohnehin weniger Zugang zum Sport hätten. "Es ist ein gesellschaftlicher Auftrag, den Sport zu fördern." Auch von vielen Anwohnern gab es Unterstützung für den TV Grafenberg. "Wir brauchen Plätze, wo wir uns versammeln können", sagte Judith Lezaun.

Die Kneipe auf dem Vereinsgelände sei eine der wenigen, in denen man gut mit Kindern feiern könne. Auch Anwohner Dirk Becker stört sich nicht an dem Lärm, den der Sport verursacht. "Das ist eine Frage der Einstellung""

Andere Besucher äußerten Verständnis dafür, dass Anwohnern der Sportlärm manchmal zu viel wird. Annegret Lodewig wohnt an der Bezirkssportanlage an der Brehmstraße. Sie findet Sport wichtig, empfindet die Diskussion aber als zu schwarz-weiß. "Da ist Fingerspitzengefühl gefragt." Der Vereinsvorsitzende Ulli Geduldig betonte, dass es dem Verein nicht um einen Kleinkrieg mit Anwohnern geht, sondern nur darum, dass auf der Anlage weiter viel Sport getrieben werden darf. Er hofft, dass der Fall aus Grafenberg dazu beiträgt, dass die Lärmschutzverordnung für Vereine gelockert wird.

Auch die Vorsitzende des Sportausschusses, Monika Lehmhaus (FDP), rief dazu auf, trotz aller Emotionen eine sachliche Diskussion zu führen. "Es geht hier nicht um eine einzelne Familie, die sich beschwert", sagte sie. "Es nützt niemandem, wenn die Lage weiter eskaliert." Die Politik müsse vermitteln. Lehmhaus versprach, sich dafür einzusetzen, dass die Lärmschutzverordnung für Sportanlagen gelockert wird - das will auch der Bundestagsabgeordnete Thomas Jarzombek (CDU) tun, der in Grafenberg aufgewachsen ist. Er verwies darauf, dass für Kinderlärm schon seit 2011 lockerere Regeln gelten, damit Kitas in Wohngebieten keine Probleme bekommen. "Das war ein Umkehrpunkt", meint er und hofft, dass sich der Bundestag bald mit einem ähnlichen Gesetz für den Sport befasst.

Auch weitere Politiker wie Günter Karen-Jungen (Grüne), Stephan Friedel (CDU) sowie die Bezirksvorsteher Hanno Bremer (CDU) und Stellvertreter Willi Döring (SPD) diskutierten mit und wollen schauen, wie sie den TV Grafenberg und andere Sportvereine unterstützen können.

Peter Schwabe, der Präsident des Stadtsportbunds, kündigte an, das Thema am Wochenende bei einer Sitzung des Landessportbundes noch einmal anzusprechen, schließlich betreffe es nicht nur Düsseldorf. Der Stadtsportbund hilft auch dabei, in Konflikten zwischen Vereinen und Anwohnern zu vermitteln. "Oft funktioniert das", sagt Schwabe.

(anch)
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