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Graecum-AG am St. Ursula-Gymnasium in Düsseldorf

Düsseldorf-Altstadt : Für das Graecum pauken alle freiwillig

Die Altgriechisch-AG am St.-Ursula-Gymnasium ist eine traditionsreiche Institution. Drei Jahre lang lernen die Schüler nach dem regulären Unterricht jeweils noch für die schwierige Examens-Prüfung.

Jörg Epping und Werner Dresken sind inzwischen sehr erfahren darin, Schüler bei schwierigem Lernstoff bei der Stange halten zu können. Darin steht für die beiden Lehrer des St.-Ursula-Gymnasiums nach den Sommerferien sogar eine Art „Silberhochzeit“ an. Fast 25 Jahre sind die engagierten Lehrer dann dabei, nach dem normalen Schulbetrieb Schüler aller Altersklassen noch zu einem zusätzlichen, besonderen und heute selten gewordenen Abschluss zu führen: dem Graecum. Doch so schwierig wie bei der zum achten Mal stattfindenden Altgriechisch-AG „Hellas 8“ war es wohl noch nie. Das Corona-Virus lässt grüßen.

Immerhin zwölf von ursprünglich 30 Teilnehmenden zum Start der AG vor rund drei Jahren sitzen an diesem Montagnachmittag noch in der Schule. Die Fenster sind weit geöffnet und das herrliche Wetter lockt zum Sonnenbaden am nahe gelegenen Rhein. Doch bis zum Tag des mündlichen Examens werden die Schüler noch dreimal, manchmal sogar viermal die Woche hier sitzen und pauken. Obwohl doch manche gerade erst ihre mündlichen Nachprüfungen im Abitur beendet haben.

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Trotzdem sind die Schüler bis in die Haarspitzen motiviert. „Das sind jetzt vielleicht zwei Monate mehr Belastung. Aber wenn man dann so etwas Besonderes wie das Graecum auf dem Zeugnis hat, motiviert das total“, sagt Elise (15). Die Elftklässlerin träumt von einem Medizinstudium, hat auch schon das Latinum dafür in der Tasche. Die anfängliche Verwunderung ihrer Freunde, dass Elise freiwillig so viele Stunden länger in der Schule für eine Arbeitsgemeinschaft bleiben möchte, hat sich komplett gewandelt. „Inzwischen bewundern mich viele sogar dafür. Außerdem ist es eine Bereicherung, hier Leute aus völlig anderen Klassen und Stufen kennenzulernen. Und natürlich diese tolle Unterrichtsform unserer Lehrer“, sagt sie lachend.

Etwas, was viele Schüler immer wieder über die besondere, doppelte Unterrichtsleitung hervorheben. „Herr Dresken wirkt so wie der Lautsprecher von Herrn Epping. Ihre Kabbeleien zwischendurch machen das Lernen lockerer und viel motivierender als im normalen Unterricht“, sagt Marsden (17). Die Pädagogen wehren sich auch manchmal gegen Lehr-Doktrine, wenden eigene Methoden an, haben an Altgriechisch-Lehrbüchern mit- und zusätzlich eigene geschrieben. Die Abschlussquote gibt ihnen Recht: Nahezu alle, die bis zum Examen dranbleiben, schaffen es auch.

Doch dieser pädagogische Sympathie-Bonus kommt bei Video-Konferenzen schwerer zum Tragen. „Das vergangene Jahr war schwierig, deshalb haben wir größten Respekt vor dieser Kraftanstrengung der Schüler. Hellas 8 ist ein größerer Erfolg als noch unter normalen Bedingungen“, sagt Dresken. Zumal mit der traditionellen Griechenland-Fahrt ein integraler Bestandteil und Lock-Faktor für die AG diesmal ausblieb. „Dabei ist es eigentlich wichtig, dass die Schüler die alten Stätten auch mal sehen, über die wir sprechen“, sagt Epping. Zwar ist Altgriechisch im Sprachgebrauch vergleichbar mit Lateinern, die mit Italienern sprechen wollen. Doch das gelernte, griechische Alphabet ermöglicht im Alltagsgebrauch zumindest das Lesen von griechischen Schildern oder ähnlichem.

Sofern es mit etwaigem Studium oder Schule vereinbar ist, dürfen die jetzigen Absolventen aber auch bei der Fahrt im kommenden Kurs teilnehmen. Ohnehin ist den meisten der Abschluss aber sowieso wichtiger als die Fahrt. „Für wen nach zweieinhalb Jahren die Fahrt immer noch die erste Motivation für die AG gewesen ist, der hat wohl sowieso etwas falsch gemacht“, sagt Katharina (16).