Bei Nässe: Glatter Boden im Bahnhof

Bei Nässe : Glatter Boden im Bahnhof

Wer den Hauptbahnhof Düsseldorf betritt, muss aufpassen, dass er auf dem teils feuchten Boden nicht ausrutscht: Der neue Bodenbelag wird vor allem bei Nässe spiegelglatt. Seit vergangener Woche gibt es erste Verletzte.

Heller und größer erscheint der Düsseldorfer Hauptbahnhof, seit in diesem Jahr neben anderen Renovierungsarbeiten auch ein neuer, gräulich-weißer Bodenbelag verlegt worden ist. Zum Laufen eignet sich dieser allerdings nur bedingt: Vor allem wenn es regnet, wird der Gang durch den Bahnhof zur Rutschpartie.

Die 78-jährige Katharina Junge aus Solingen hat das in der vergangenen Woche selbst erlebt: Sie stürzte auf dem nassen Boden und zog sich eine mehrfache Fraktur der Schulter zu. "Ich bin sehr oft nach Düsseldorf gefahren, um meine ältere Schwester zu besuchen, die in einem Seniorenheim in Bilk wohnte", sagt Junge, die in Düsseldorf geboren wurde.

"Am Montag, den 5. Dezember, war ich schon auf dem Rückweg und wollte aus Vorsicht auf der Gummierung laufen, die es an einigen Stellen auf dem Boden gibt. Aber bis dahin bin ich gar nicht gekommen - da war ich schon gefallen und konnte mich vor Schmerzen nicht mehr rühren."

Sie ist nicht die Einzige, die den Boden für zu glatt hält: Auch am Mittwoch, als bei Regen Nässe in den Bahnhof getragen wurde, rutschten viele Passanten mehr, als sie liefen. "Ich versuche die ganze Zeit ein bisschen Stabilität durch das Stützen auf meinen Schirm zu bekommen. Aber das ist wirklich gefährlich hier. Für ältere Menschen muss es noch schwieriger sein, durch den Bahnhof zu kommen", sagte Heide-Ines Frankenrath, die aus Zürich zu Besuch in der Landeshauptstadt war.

Ähnlich sah das auch Pawel Szczepanski aus Ratingen: "Wenn man Anzugschuhe ohne Profil trägt, kann man einen sicheren Gang gleich vergessen - selbst wenn es trocken ist", betonte er. Er verstehe nicht, wer so etwas plant. "Hier laufen schließlich täglich Tausende Leute entlang", bemerkte Szczepanski.

Rund 2,4 Millionen Euro hat der neue Boden des Bahnhofs gekostet. Die Deutsche Bahn, die den Boden ausgewählt und mit Zuschüssen der Stadt finanziert hat, ist sich der Problematik nicht bewusst. "Bisher wurden wir noch nicht darauf hingewiesen, dass es da ein Problem geben könnte.

Und noch sind auch keine Beschwerden zu uns durchgedrungen", sagte ein Sprecher der Deutschen Bahn. Die Landesbauordnung schreibe eine bestimmte Rutschfestigkeit des Bodenbelages vor. Und die haben wir eingehalten", erklärte der Bahn-Sprecher.

In der Realität ist der Boden jedoch vor allem bei Nässe spiegelglatt. "Ich bin wirklich sicher zu Fuß und trage immer Gummisohlen mit Profil, die rutschfester sind. Aber auf dem Belag kann man einfach nicht sicher laufen", sagte Katharina Junge. Ihre Schwester Anita verstarb am Tag nach ihrem Unfall. "Eine traurige Geschichte", findet die 78-Jährige. "Ich wurde operiert und muss wohl noch etwas hierbleiben. Am meisten fehlt mir der Kraftsport, mit dem ich vor kurzem begonnen habe", erklärt sie.

(RP/anch)
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