Nach Debatte um Metro-Pavillon: Gibt es zu viele Events am Rheinufer in Düsseldorf?

Nach Debatte um Metro-Pavillon: Gibt es zu viele Events am Rheinufer in Düsseldorf?

Die Baumfällungen an der Reuterkaserne in Düsseldorf für den Metro-Pavillon sorgen weiter für Aufregung. Die Planer bitten um Verständnis, ein Ratsherr kündigt einen Boykott an - und die FDP beklagt, dass das Rheinufer zu oft für Veranstaltungen hergegeben wird.

Am Montag findet an der Reuterkaserne am Rheinufer der offizielle Spatenstich für das Projekt "Metro unboxed" mit Oberbürgermeister Thomas Geisel statt. Die Aufstellung des Container-Blocks für den Metro-Konzern, fast 50 Meter breit und bis zu 16 Meter hoch, hat auch am Wochenende weiter für Aufregung gesorgt. Unternehmen und Stadt stehen in der Kritik, weil vier junge Bäume gefällt wurden, die Anwohner gerade erst für den Wiederaufbau nach dem Sturm "Ela" gespendet hatten. Der Vorfall löst jetzt sogar eine Debatte darüber aus, ob die Stadt das Rheinufer zu oft und unter zu starken Einschränkungen für Veranstaltungen freigibt.

Die vom Metro-Konzern beauftragte Firma Milla & Partner hat in einer Presseerklärung am Samstag alle Schuld auf sich genommen und sich auch mit einem Schreiben an die Anwohner gewendet. Man sei von der Metro AG beauftragt worden, die Bäume auszugraben, zu verpflanzen und wieder einzusetzen. Es habe sich aber während den Arbeiten herausgestellt, dass zwei Bäume hohl sind. Die Fällung habe der beauftragte Gärtnerbetrieb mit dem städtischen Gartenamt abgestimmt. Man werde alle vier Bäume ersetzen und drei Bäume zusätzlich pflanzen, so Planer Johannes Milla. "Wir bedauern, dass wir diese Entscheidung so treffen mussten."

Die Metro will mit dem spektakulären Pavillon für Neuerungen nach dem Börsengang werben. Die Aktion steht in Zusammenhang mit dem Düsseldorf Festival, das zeitgleich vor allem auf dem Burgplatz stattfindet. Der Handelsriese ist der Hauptsponsor des Festivals.

Über-Eventisierung des Rheinufers

In der Kommunalpolitik wird der Fall ein Nachspiel haben. Die Grünen zeigen sich "empört" über die Fällungen. Und SPD-Ratsherr Udo Figge kündigt in einem "offenen Brief" an, dass er nicht zur Eröffnung von "Metro unboxed" kommen werde. "Ich bin maßlos enttäuscht von Ihnen und von Ihrem Unternehmen", schreibt er an Metro-Chef Olaf Koch. Er findet es nicht hinnehmbar, dass die Stadt einerseits um Spenden für die Aufforstung nach "Ela" wirbt und andererseits zulässt, dass die jungen Bäume gefällt werden. Einem Bericht des "Express" zufolge war der Bauantrag der Metro erst am 31. Juli eingegangen - eine erstaunlich schnelle Bearbeitungszeit.

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FDP-Chefin Marie-Agnes Strack Zimmermann kritisiert nicht die Metro, sondern Geisel. Der Oberbürgermeister sei zu generös gewesen. Er habe dem Unternehmen einen Gefallen tun wollen. "Inzwischen findet eine Über-Eventisierung des Rheinufers statt", klagt sie. Der Rheinpark stehe unter Denkmalschutz, dort seien ebenso wie am Burgplatz die Möglichkeiten eingeschränkt. Die Grünfläche am nördlichen Ende des Rheinufertunnels sei offenbar deswegen ausgewählt worden. Denn auch auf dem Johannes-Rau-Platz ist oft etwas los wie derzeit das Olympic Adventure Camp - dort hätte die Metro ihre Container-Burg nicht aufbauen können. "Wir müssen diskutieren, wie wir das Rheinufer schützen", sagt Strack-Zimmermann. "Es muss nicht jedes Wochenende dort etwas los sein und es muss auch nicht jeder diese Promenade für eine Veranstaltung nutzen."

An der Reuterkaserne über dem Rheinufertunnel entsteht derzeit ein Pavillon der Metro AG. Dafür wurden vier Bäume gefällt. Foto: Anne Orthen

"Wir sind die Landeshauptstadt und kein Dorf"

Auch die CDU fordert eine politische Aufarbeitung. Ratsherr Andreas Hartnigk kritisiert, dass Geisel die Politik nicht transparent informiert habe. Ein großer Gewerbesteuerzahler wie die Metro solle natürlich die Möglichkeit für Events bekommen, zugleich müsse die Verwaltung sicherstellen, dass Düsseldorf nicht zur "Halligalli-Hochburg" wird. "Dass das Verfahren so läuft, können wir uns nicht bieten lassen."

Auch SPD-Ratsherr Figge will nachhaken. Dass es viele Großveranstaltungen gebe, müsse Düsseldorf verkraften, meint er. "Wir sind die Landeshauptstadt und kein Dorf." Allerdings müsse die Verwaltung genau hinschauen. "Man muss Planern auch mal klarmachen, dass es eine Nummer kleiner geht."

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(arl/ujr)