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Auftragsbücher sind voll: Gesucht: Fachkräfte

Auftragsbücher sind voll : Gesucht: Fachkräfte

Zahlreiche Handwerks-Unternehmen profitieren vom Aufwärtstrend. Die Auftragsbücher sind voll, doch es fehlen Fachkräfte. Ausweg aus dem Dilemma: Betriebe stellen vermehrt Auszubildende ein.

Armin Heinzen hat alle Hände voll zu tun. Die Auftragsbücher seines Betriebs sind voll, der Elektromeister kommt mit seinen 20Angestellten der Nachfrage kaum hinterher. Darum sucht Heinzen Verstärkung für sein Team. Doch genau die Suche gestaltet sich als schwierig: "Qualifizierte Handwerker zu finden, ist momentan sehr schwer", sagt der Inhaber eines Elektrobetriebes mit Schwerpunkt auf Telefon- und Computer-Anlagen. Seit drei Monaten ist er auf der Suche nach einem neuen Angestellten. Er hat Stellenanzeigen aufgegeben und beim Arbeitsamt gesucht-vergeblich. "Von den 40Bewerbungen, die bei mir eingingen, kam wegen mangelnder Qualifikation kein einziger in die engere Auswahl", sagt Heinzen.

So wie ihm geht es vielen Handwerksbetrieben. Seitdem die Konjunktur wieder steigt, geht die Zahl der Aufträge nach oben. Doch qualifizierte Fachkräfte sind in der Region Düsseldorf Mangelware. "Wir erwarten, dass der Bedarf an gut ausgebildeten Handwerkern steigt", sagt Axel Fuhrmann, Geschäftsführer der Handwerkskammer Düsseldorf. Den Grund der gestiegenen Nachfrage sieht er darin, dass in den vergangenen 15Jahren aufgrund der schlechteren Wirtschaftslage viele Betriebe Personal abgebaut hätten. Nun müssten sie auf die positive Kehrtwende des Wirtschaftstrends reagieren: "Wir müssen wieder mehr junge Leute in Handwerksberufen ausbilden."

Auf der Suche nach Fachkräften ist auch Norbert Hüsson. Der Inhaber einer Baufirma hatte Anfang der 90er Jahre 90Mitarbeiter, heute sind es noch 50. "Wir hatten zwischenzeitlich schwer zu kämpfen. Doch nun hat sich der Auftragsbestand erfreulich nach oben entwickelt", sagt Hüsson. Er sucht zwei Angestellte, die auf überregionaler Ebene die Bauleitung übernehmen können, Fremdsprachen beherrschen und zeitlich flexibel sind.

Hans-Joachim Hering, Inhaber eines Sanitär-und Heizungsbetriebes, geht es ähnlich. Er sucht nach einem Kundendienstmonteur. "Ich erwarte eine hohe technische und soziale Kompetenz von meinen Angestellten. Solche Leute sind auf dem Arbeitsmarkt rar", sagt Hering.

Nicht nur im Handwerk herrscht Mangel an Fachleuten. Der Personalbedarf in der Computer-Branche ist auf dem höchsten Stand seit sechs Jahren. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft, er vertritt Unternehmen aus der Software-Branche, aus E-Commerce und Online-Marketing. "Die Branche ist lange Zeit totgeschrieben worden. Dabei sind zahlreiche Unternehmen sehr erfolgreich", sagt Sprecher Christoph Salzig. Den Mangel an Ingenieuren beklagt zudem das Institut der deutschen Wirtschaft. Der Aufwärtstrend der Branche sei nachhaltig, so das Ergebnis einer Studie des Instituts. Aber: In Düsseldorf gebe es zurzeit 462offene Stellen für Ingenieure.

Das Handwerk will die Fachkräfte-Krise selbst lösen: Durch verstärkte Ausbildung. "Ohne Lehrlinge geht es nicht", lautet eine Aufkleber-Initiative, die die Handwerkskammer vor kurzem ins Leben gerufen hat. "Viele Betriebe bevorzugen Fachkräfte, die sie selbst ausgebildet haben. Dann haben sich die Angestellten schon ins Team eingearbeitet", sagt Fuhrmann.

(RP)