Düsseldorf: Gesucht: ein Museums-Masterplan

Düsseldorf : Gesucht: ein Museums-Masterplan

Wenn das NRW-Forum nach 15 Jahren seine Tore schließen sollte, geht auch ein Konzept verloren, das mit den Machern Werner Lippert und Petra Wenzel zusammenhängt.

Die Ratsfraktionen reagieren uneinheitlich. Das Land begründet den Ausstieg Ende 2013 mit der Haushaltslage.

Die Düsseldorfer Kunstlandkarte ist kaum vorstellbar ohne das NRW-Forum am Ehrenhof. Doch jetzt gab das Land bekannt, dass es seine Förderung nur noch bis Ende 2013 leisten will, um sich dann aus Gründen der Haushaltskonsolidierung zurückzuziehen. Eine Nachricht, die bei den Düsseldorfer Parteien erwartungsgemäß für unterschiedliche Reaktionen sorgte.

Während CDU und FDP den Schritt des Landes scharf kritisieren, zeigte sich die SPD zwar auch nicht gerade erfreut, wollte aber ihre Parteifreunde in der NRW-Landesregierung offenbar nicht offen angehen. Dennoch bedauern auch sie das Ende des bisherigen Konzepts des Forums. Bürgermeister Friedrich G. Conzen, Vorsitzender des Kulturausschusses, erklärt für die CDU: "Das NRW-Forum ist mit seinen hervorragenden Ausstellungen gerade im Bereich der Fotografie ein kulturelles Aushängeschild für das Land Nordrhein-Westfalen und für die Landeshauptstadt Düsseldorf: Rund 90 000 Besucher kommen jedes Jahr. Ich habe überhaupt kein Verständnis dafür, dass die rot-grüne Landesregierung dieses erfolgreiche Kulturinstitut im Stich lässt!"

FDP-Bürgermeisterin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zeigte sich regelrecht entsetzt über diesen Entscheid des Landes. Das NRW- Forum mit seinem Angebot sei schließlich keine ausschließlich Düsseldorfer Einrichtung, sondern mehre den Ruhm des Landes und seines Kulturangebotes. Für die SPD meinte deren Kulturexpertin Cornelia Mohrs, sie habe ein gewissen Verständnis für das Land, das sparen wolle und müsse. Im möglichen Ende des NRW-Forums sieht sie vor allem eine Chance für das benachbarte (und unter Platznot leidende) Museum Kunstpalast, das mit einem entsprechenden Konzept die Räume nutzen könnte.

Ein Pressesprecher des Wirtschaftsministeriums erklärte gestern, dass sich die Landespolitiker bei ihrem Bemühen, die Schuldenbremse zu drücken, mit jedem einzelnen Posten befassen müssten. Und dass der von Werner Lippert angekündigte Rückzug zum Jahresende 2013 die Entscheidung beeinflusst habe. Die Erfolgsgeschichte des Hauses sei schließlich eng mit der Biografie des Kulturmanagers und seiner Frau Petra Wenzel verknüpft.

Nun wird man neue Konzepte und Akteure suchen müssen. Der Schwerpunkt Fotografie ist in der Stadt der international berühmten "Düsseldorfer Photoschule" institutionell noch nicht besetzt, obwohl mehrere Museen bedeutende Konvolute besitzen.

Auch der Sammler Wilhelm Schürmann stand vor einigen Jahren in der Rede, in der Landeshauptstadt seine Sammlung auszubreiten, was damals an den Räumlichkeiten scheiterte. Schließlich wird immer wieder die Erweiterung des Museums Kunstpalast diskutiert. Klar ist: Der längst angemahnte Masterplan für die Museumslandschaft muss nun Kontur annehmen. Vieles ist vorstellbar — nur eine bruchlose Fortsetzung der bewährten Konzeption nicht.

Das Haus hat international einen schillernden Namen und findet Zuspruch bei jungen Menschen, die normalerweise nicht so häufig im Museum gesehen werden. Das NRW-Forum ist der Hotspot am Ehrenhof, ein Brennglas von ästhetischen, gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und multimedialen Phänomenen, die in einer unerhörten Vernetzung und gegenseitigen Durchdringung dargeboten werden.

Konvergenz nennt man das und weiß, was man daran hat: iPhone-Konzerte, multimediale Events und Internetshows bieten die Macher an neben ihren originellen Ausstellungskonzepten, in deren Mittelpunkt stets klangvolle Namen stehen wie Andy Warhol oder Bruce Nauman, Martin Kippenberger oder Armin Mueller-Stahl, Modezarin Vivienne Westwood oder Künstler-Fotograf Anton Corbijn.

Wenn im NRW-Forum Eröffnung ist, dann strömt die internationale Schar der Künstler und Kreativen herbei. Jedes neue Konzept sollte an diesen Erfolg anknüpfen.

(RP)