Düsseldorf: Geschäftsleute wütend über "Dügida"

Düsseldorf : Geschäftsleute wütend über "Dügida"

Die Standortgemeinschaft Graf-Adolf-Straße hat mit der IHK eine Studie erstellt - mit dramatischen Ergebnissen: Die montäglichen Demonstrationen schaden vielen Unternehmen. Das Gericht bestätigte derweil die Auflagen für "Dügida".

Die wöchentlichen Demonstrationen in der Bahnhofsgegend haben massive Auswirkungen auf die Unternehmen rund um die Graf-Adolf-Straße. Einer Umfrage zufolge klagen Gewerbetreibende über einen durchschnittlichen Umsatzverlust von 46 Prozent an jedem Montag, an dem die rechtsextreme Demonstration zieht. Im Durchschnitt haben die Geschäfte an diesen Tagen 3,3 Stunden weniger geöffnet. 17 von 61 befragten Betrieben geben an, an Montagen inzwischen mit weniger Personal zu planen.

Die Immobilien- und Standortgemeinschaft (ISG) Graf-Adolf-Straße hatte die Umfrage gemeinsam mit der IHK in Auftrag gegeben. Insgesamt 61 Betriebe wurden befragt, darunter rund zur Hälfte Händler, aber auch Dienstleister, Gastronomen und Hotels. Berücksichtigt wurden nur Gewerbetreibende im Erdgeschoss - wenn man etwa Büros in oberen Etagen einrechnet, ist die Zahl der Betroffenen deutlich höher.

Die ISG hat die Ergebnisse an Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) geschickt. Sie hofft auf Unterstützung von der Stadt und von Polizei und Gerichten, auch wenn die Probleme der Betriebe bislang kein Grund für Auflagen gegen "Dügida" waren. "Die Verhältnismäßigkeit ist nicht gewährleistet", so Daniel Klages, stellvertretender Vorsitzender.

Die Unternehmer konnten auch konkret angeben, wie "Dügida" den Geschäftsbetrieb beeinflusst. Vier beklagen einen Imageschaden, drei sprechen von "Angst". Zwei Betriebe berichten von Drohbriefen, einer gibt an, man gestalte den Dienstplan zur Vorsicht "nach Nationalitäten". Margarete Gänzler, Direktorin des Intercity-Hotels, erzählt von großen Problemen der Hotels. Gäste müssten mit Polizeischutz gebracht werden, auswärtige Geschäftsleute kämen nicht zu Terminen.

Die ISG will mit der Studie sachlich zeigen, wie stark die Folgen von "Dügida" sind. "Es ist keine Kleinigkeit, was wenige Wahnsinnige hier anrichten", sagt Klages. Das ärgere Händler und Hauseigentümer besonders, weil man viel getan habe, um die Gegend aufzuwerten.

Zum Aufzug von "Dügida" kamen am Abend nur rund 80 Teilnehmer. Mehrere hundert Menschen demonstrierten gegen die überwiegend zur rechtsextremen Szene gehörenden "Dügida"-Anhänger. Bei einer Kundgebung vor der Moschee an der Adersstraße spielte Cellist Thomas Beckmann. Mitglieder der marokkanischen Gemeinde versorgten die Demonstranten mit Tee und Gebäck. Unter denen waren führende Vertreter von evangelischer und katholischer Kirche, dem Kreis der Muslime und der jüdischen Gemeinde, von SPD, Grünen und FDP, Gewerkschaften und dem linken Bündnis "Düsseldorf stellt sich quer".

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