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Düsseldorf: Gerresheimerin legt ihr zweites Buch vor

Düsseldorf : Gerresheimerin legt ihr zweites Buch vor

Helga Germeshausen begann nach ihrem Berufsleben mit dem Schreiben. Nach einer Biografie hat sie nun einen Roman verfasst.

Helga Germeshausen hat ein gutes Gedächtnis. Noch heute erinnert sie sich gut an die Geschichten, die sie als Kind von ihren Tanten, Onkeln und Großeltern hörte. "Meine Ferien verbrachte ich meist in der Eifel bei Verwandten", sagt die Gerresheimerin. "Die Alten erzählen viel von dem, was sie als junge Leute Ende des 19. Jahrhunderts erlebten. Auf mich wirkten diese Erinnerungen wie spannende Zeitreisen." Über Jahrzehnte behielt sie das Gehörte im Gedächtnis. Sie heiratete, wurde Mutter und war berufstätig. Erst als Rentnerin nahm sie sich die Zeit, die Geschichten ihrer Kindheit aufzuschreiben und als Buch zu verfassen. Der Titel des Buches lautet "Fünf Generationen und ein besonderes Kind".

Es erzählt vom bäuerlichen Leben in der Eifel im 19. Jahrhundert. Die Autorin greift viele ernste Aspekte auf, etwa Armut, Hunger, Gewalt — und ungewollte Kinder. Eines dieser Kinder rückt sie in den Vordergrund der Handlung. Das Mädchen erlebt Ablehnung, Unverständnis und Häme, entwickelt sich aber durch die Hilfe ihrer Familie zu einer hilfsbereiten Frau, die schließlich das Glück findet. "Es ist eine fiktive, ausgedachte Geschichte", betont Germeshausen, wenngleich sie gern zugibt, dass sie das Buch nur schreiben konnte, weil sie sich an die Berichte in ihrer Kindheit erinnert. Vom Bau der Köln-Trierer-Eisenbahn in den 1870er-Jahren hätten die Alten erzählt, aber auch von "Buchsbaumtanten": Frauen, die anderen Frauen halfen, ungewollte Schwangerschaften abzubrechen.

"Schreiben hat mich immer interessiert", sagt sie. Zuerst habe sie handschriftlich auf losen Zetteln ihre Erinnerungen notiert. Inzwischen arbeitet sie aber ganz zeitgemäß am Computer. Das Schreiben fasziniert die Seniorin so sehr, dass so manche Nacht am PC verbringt. "Oft fallen mir nachts gute Szenen ein, die ich sofort aufschreibe." So füllte sie für das neue Buch Zeile um Zeile, Absatz um Absatz, und "schwupp — da hatte ich schon 600 Seiten zusammen", erzählt Germeshausen und kürzte ihr Buch zähneknirschend um ein Drittel. Als sie ihr Werk erstmals fertig in den Händen hielt, sei das Gefühl "wie eine Sensation gewesen".

"Fünf Generationen und ein besonderes Kind" ist zwar ihr erster Roman, aber nicht ihre erste Veröffentlichung. Bereits vor fünf Jahren brachte sie ein Buch auf den Markt. "Aus dem Leben eines Krankenpflegers: 1898 bis 1963" heißt es. Germeshausen berichtet darin vom Leben ihres Vaters, der als Krankenpfleger in den 1950er-Jahren in der psychiatrischen Klinik Grafenberg arbeitete. Auch bei diesem Buch half ihr das gute Gedächtnis, denn sie schrieb auf, was ihr Vater ihr als Kind erzählte.

Die ersten Ideen für ein drittes Werk hat sie schon. Nach der Biografie ihres Vaters und dem Eifel-Roman wechselt die Autorin erneut das schriftstellerische Genre. Denn ihr zehnjähriger Enkel, so sagt Helga Germeshausen, fände ganz toll, dass seine Großmutter nun Schriftstellerin ist. "Oma, schreib mir auch mal ein Buch", habe er zu ihr gesagt. Da kann Helga Germeshausen wohl nicht ablehnen und plant nun ein Kinderbuch.

(RP)