1. NRW
  2. Städte
  3. Düsseldorf

"Clan 81": Gerresheim fürchtet Rockerclub

"Clan 81" : Gerresheim fürchtet Rockerclub

Im alten Bunker an der Heyestraße hat sich ein Motorradverein sein Clubheim eingerichtet. Ein Mitglied will außerdem bald die Gaststätte neu eröffnen. Die Anwohner sind in Sorge. Denn der "Clan 81" macht keinen Hehl aus seiner Nähe zu den berüchtigten Hell's Angels.

Die Farben Rot und Weiß hat der Verein nicht von ungefähr gewählt, um dem Bunker gegenüber vom Gerresheimer Glashütten-Areal ein bisschen frischen Glanz zu verleihen. Das Lokal, das einer der Motorradfreunde hier im August eröffnen will, wird "Red Pearl" heißen, rote Perle also. Und es sind die Farben eines Clubs, dem sich der "Clan 81" verbunden fühlt: Hell's Angels.

 Rot und weiß: Clubheim des „Clan 81“ an der Heyestraße.
Rot und weiß: Clubheim des „Clan 81“ an der Heyestraße.

"Wir sind mit den Jungs befreundet", sagt Thomas Thönes aus dem Clan-Vorstand, "sie sind bei uns gern gesehene Gäste." Was die Nachbarn in Gerresheim nicht eben glücklich stimmt. Viele sind empört, dass der Bunkerbesitzer die Räume ausgerechnet an einen Club vermietet hat, vor dem schon mal Maschinen mit dem geflügelten Totenkopf der Hell's Angels stehen, die zuletzt durch ihren mörderischen Konkurrenzkampf mit den Bandidos von sich reden machten.

Angst vor Kriminalität

Aus Angst vor den neuen Nachbarn wollen die alten lieber anonym bleiben. Sie fürchten weniger lärmende Motorrad-Korsos in unmittelbarer Nähe der Malschule für Kinder und der Bildungseinrichtung ASG, sondern vielmehr die Kriminalität, die zum Image der Hell's Angels gehört. Mord, Menschenhandel und Prostitution wird weltweit mit dem Club in Verbindung gebracht.

Als kriminelle Vereinigung war dessen Düsseldorfer Sektion im Jahr 2000 verboten worden. Seither sind viele Düsseldorfer Höllenengel im Charter (so heißen die Ortsvereine des Clubs) Midland und in Solingen aktiv. Auch in der Altstadt sind die Hell's Angels häufig unterwegs, manche als Gäste, einige als Türsteher. Nicht wenige Hell's Angels-Mitglieder betreiben für ihre bürgerliche Existenz Sicherheitsunternehmen, in denen die Gesetze des Clubs bisweilen über denen des Rechtsstaats gelten sollen.

Mit kriminellen Machenschaften oder gar Gewalt hat der "Clan 81" laut Thomas Thönes nichts zu tun. "Unsere Statuten sind total defensiv." Schlägereien etwa seien untersagt und auch sonst gebe es für Clan-Mitglieder "mehr Verbote als Rechte". Der Vorstand, wie er im "gesetzten Alter", lege darauf großen Wert, sagt der 47-Jährige, der hauptberuflich Musikproduzent ist und sich ehrenamtlich in der Jugendarbeit engagiert.

Die Ängste der Gerresheimer, die sich besorgt schon an die örtlichen Politiker und an die Polizei gewendet haben, kann Thönes "schon irgendwie" verstehen. "Aber wir laden alle ein, sich bei uns umzusehen. Wir haben nichts zu verbergen. Und wir sind die liebsten Menschen der Welt."

Drum helfen sie auch bei der Renovierung der Gaststätte tatkräftig mit, obwohl das "Red Pearl" mit dem Clan gar nichts zu tun habe. Der Wirt sei bloß eines der "ungefähr 20" derzeitigen Mitglieder des "Clan 81". Diesen Namen habe man sich ausgesucht, um an den legendären Moto-Clan zu erinnern. Der habe für die Bürger doch auch einiges getan, sagt Thönes. "Als die damals neben die Kleingärten zogen, hat es dort keine Einbrüche mehr gegeben." Die 81 im Namen erklärt Thönes nicht. Sie ist in der Szene selbsterklärend: Der achte und der erste Buchstabe des Alphabets sind die Initialen der Hell's Angels.

Die Polizei hat das Clan-Quartier zur Kenntnis genommen. Ein Sprecher sagte gestern: "Wir haben das sehr gut im Blick."

(RP)