Generationenwechsel bei den Martinsfreunden in Bilk

Brauchtum in Düsseldorf : Generationenwechsel bei den Martinsfreunden Bilk

Seit 71 Jahren setzt sich der Verein für die Bewahrung der St.-Martins-Tradition ein. Nun trat der Vorsitzende Klaus-Dieter Möhle ab.

„Wir wollen heute wichtige Schritte für unsere Zukunft begehen.“ Mit diesen Worten eröffnete Klaus-Dieter Möhle die Jahreshauptversammlung der Martinsfreunde Bilk. Zum letzten Mal leitete er als erster Vorsitzender die Versammlung, denn an diesem Tag wurde sein Nachfolger bestimmt.

Es war ein denkwürdiger Abschied. 41 Jahre lang lenkte Möhle die Geschicke der Martinsfreunde. Die Hauptaufgabe des 1947 gegründeten Vereins hatte er dabei immer fest im Blick: „Wir wollen den Martinsbrauch erhalten, pflegen und seinen Sinn weitergeben“, sagt er. „Besonders die Nächstenliebe und das Teilen nehmen eine zentrale Rolle ein. In der heutigen schnelllebigen Zeit ist es wichtiger den je, sich für diese Werte einzusetzen.“

Vier bis sechs Mal im Jahr kommt der Verein zusammen, um sich auf die Martinszeit vorzubereiten. Außer der Ausrichtung des Martinszuges durch Bilk, an dem alleine im vergangenen Jahr gut 3000 Menschen und fünf Kapellen teilnahmen, wird auch eine große Lampenausstellung von den Martinsfreunden organisiert. Jedes Jahr werden dabei Kinder, Jugendliche und Senioren dazu aufgerufen, ihre selbst gebastelten Laternen einzureichen. „Beim letzten Mal hatten wir mehr als 400 Laternen, die ausgestellt und von unserer Jury bewertet wurden“, erzählt Leonie Möhle. „Die Atmosphäre ist durch die vielen Laternen immer sehr magisch. Der Besuch lohnt sich also.“

Sie und ihre Schwester Fiona teilen beide gleichermaßen die Begeisterung ihres Großvaters für den Martinsbrauch. „Für uns ist Martinszeit wie ein zweites Weihnachten“, sagt Fiona begeistert. „Die Kinder haben immer viel Spaß an der Veranstaltung und außerdem trifft sich die ganze Familie zum Fest.“ Die 18-Jährige ist in diesem Jahr ebenfalls dem Verein beigetreten. Insgesamt 163 aktive Mitglieder zählen die Martinsfreunde Bilk aktuell, wobei junge Familien ebenso vertreten sind wie Senioren. „Interessant ist der Verein für alle, die im Herzen junggeblieben sind und  Spaß daran haben, sich für die Kinder in Bilk einzusetzen“, berichtet Möhle.

Der Jahresbeitrag fällt mit acht Euro pro Mitglied bewusst gering aus. „Wir sind offen für Jedermann und deswegen handelt es sich um einen symbolischen Beitrag“, sagt Bernhard Möhle, Schatzmeister des Vereins. „Neben dem Beitritt kann man die Arbeit unseres gemeinnützigen Vereins zudem mit Spenden unterstützen.“ Die ungebrochene Beliebtheit des Martinsbrauchtums hat für ihn einen einfachen Grund: „Jedes Jahr nehmen Kinder am Umzug teil, die das Fest noch nicht erlebt haben. Für sie ist es neu und aufregend. Deswegen musste sich das Martinsfest nie wirklich neu erfinden“, sagt er.

Die künftige Leitung des Vereins wird Martin Kramp übernehmen. Mit lediglich zwei Enthaltungen wurde er zum neuen Vorstandsvorsitzenden gewählt. Auch Kramp engagiert sich schon lange für das Martinsfest in Bilk. „Ich begleite seit 22 Jahren als Bischof verkleidet den Martinsumzug“, berichtet der 52-Jährige.

Er plant, an die erfolgreiche Vereinsarbeit seines Vorgängers anzuknüpfen und hat bereits die ersten wichtigen Punkte auf seiner Agenda stehen: „Natürlich trete ich in große Fußstapfen und hoffe, diese würdig ausfüllen zu können. Die Pflege des Brauchtums hat bei mir einen hohen Stellenwert“, sagt Kramp. „Themen wie der Datenschutz und das kommende 75. Jubiläum des Vereins werden mich, denke ich, als erstes beschäftigen. Ich freue mich schon sehr auf die kommende Zeit.“

Christoph Wegener

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