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Gemeinschaft entsteht im Gartenbeet

Gartenserie : Gemeinschaft entsteht im Gartenbeet

Mit „MerseGrün“ ist in Gerresheim ein Urban-Gardening-Projekt für die Nachbarschaft entstanden. Rund 20 Familien, Paare und Einzelpersonen kümmern sich gemeinschaftlich um die Gartenflächen.

Viele Wohnungen sind in den vergangenen rund zehn Jahren im Neubaugebiet „Am Quellenbusch“ entstanden, darunter auch die beiden gemeinschaftlich orientierten Wohnprojekte Qbus und wmk3. „Wir können durch unsere Wohnprojekte schon gut gemeinsam agieren“, meint Martine Richli, die auch Vorsitzende des Vereins „Wohnen mit Kindern Düsseldorf“ ist. Anfang 2019 wandte sich die Gruppe mit der Bitte an die Stadt, am Ende der Straße einen Gemeinschaftsgarten einrichten zu dürfen. Kurz zuvor waren die Pläne des Gartenamtes zur Herrichtung von Grünflächen im Neubaugebiet offengelegt worden.

Nach einigen Diskussionen konnte das Vorhaben seit März 2020 unter dem Namen „MerseGrün“ tatsächlich realisiert werden – mit Unterstützung der Stadt. „Das Gartenamt hat die verwilderte Fläche freigeräumt und uns eine Schicht Mutterboden spendiert“, erinnert sich Karin Wichelhaus, die Teil des Gartenprojekts ist.

Gut gewachsen sei im ersten Jahr allerdings nur wenig, was mit Blick auf die Situation im Sommer 2022 überrascht: Hier gedeiht ein wahres Sammelsurium an unterschiedlichen Gemüsesorten: Mais, Kartoffeln, Zucchini, Tomaten, Wein und viele weitere Pflanzen sind hier zu finden. Neben den normalen Gemüsebeeten gibt es auch einige Hochbeete. Ein kleiner Schuppen und ein Wasseranschluss ins Haus hinein erleichtern die Gartenarbeit. „Alles lässt sich aber direkt wieder zurückbauen, das ist eine der Vorgaben für die Nutzung der Fläche“, erzählt Richli.

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Rund 20 Familien, Paare und Einzelpersonen kümmern sich gemeinschaftlich um die Gartenflächen. Das Miteinander stehe dabei besonders im Vordergrund; wenngleich jeder eigene Flächen habe, um die sich jeweils gekümmert werde. Diese werden zu Beginn der Saison eingeteilt, angepasst an die jeweiligen Bedürfnisse und Situation. „Blaue Fähnchen signalisieren, dass man seine Ernte teilen möchte“, erklärt Sabine Blom.

Man profitiere außerdem stark von den jeweils anderen, so Blom. Einige würden sich teils sehr intensiv mit bestimmten Themen, etwa Bodendüngung, Schädlingsbekämpfung oder Fruchtfolge auseinandersetzen und entsprechend ihr Wissen an die Gruppe weitergeben.

Auch wegen Corona fehlt es manchen Teilnehmerinnen noch etwas an gemeinsamen Veranstaltungen. Ein großer Gartentisch mit Stühlen und Bänken lädt zwar zum Verweilen ein und wenn man im Garten sei, käme eigentlich immer jemand vorbei um zu plaudern, selbst zu arbeiten oder auch mal ein Glas Wein abends zu trinken. „Dennoch würde mich ein richtiges Fest mit gemeinschaftlichem Zubereiten unserer Ernte freuen“, sagt Anke Günther-Beau, die sich ebenfalls hier engagiert. Sie schätzt insbesondere die vielen Kontakte, die man durch die Gartenarbeit bekäme; vor allem aber helfe es ihr und den anderen beim Abschalten vom Alltag.

„Es ist ein niedrigschwelliges Angebot für die direkte Nachbarschaft“, fasst Sabine Blom zusammen. Man spreche damit alle Altersgruppen an, und gerade auch Familien finden hier Berührungspunkte mit der Natur.

Dabei erfolgt der Anbau bei MerseGrün auch unter streng nachhaltigen Aspekten. Es wird Bio-Saatgut verwendet, man bemüht sich, auch alte Sorten anzupflanzen und so zu erhalten, und es werden keine Pestizide eingesetzt.

Daher hatte man sich in der Vergangenheit bei verschiedenen Institutionen als Urban-Gardening-Projekt um Finanzierungshilfen beworben. Unter anderem gab es von der „Anstiftung“, einer gemeinnützigen Stiftung bürgerlichen Rechts, eine Förderung von Saatgut, Geräten und Erde. Die Sparkasse Düsseldorf hat bei der Finanzierung des Gartenhäuschens geholfen, und auch das Ministerium für Heimat, Kommunen, Bau und Digitalisierung des Landes hat mitgefördert.

Mit ihrem Urban-Gardening-Projekt haben die Menschen hier eine Aufgabe gefunden, die noch enger zusammenschweißt, den Alltag hilft ausblenden – und noch dazu essbare Ergebnisse mit sich bringt.