Düsseldorf: Geisel stoppt Amtsantritt von Feuerwehrchef

Düsseldorf : Geisel stoppt Amtsantritt von Feuerwehrchef

Zwei unterlegene Bewerber haben geklagt. Nun wird der Posten vorerst nicht neu besetzt.

Der designierte Feuerwehrchef David von der Lieth wird seinen Posten nicht zum 1. September antreten - und es ist offen, ob der Favorit von Oberbürgermeister Thomas Geisel (SPD) überhaupt noch an die Spitze der Düsseldorfer Feuerwehr rücken kann. Denn Geisel und die zuständige Beigeordnete Helga Stulgies haben das Personalverfahren abgebrochen. Der Grund ist eine drohende Niederlage vor dem Verwaltungsgericht. Zwei unterlegene Bewerber hatten gegen die Entscheidung für von der Lieth geklagt. Der Leitungsposten wird vorerst unbesetzt bleiben. Wann die Stadtspitze ein neues Verfahren startet, gilt als ungewiss.

Der 36-jährige von der Lieth hatte bei einem umfangreichen Bewerbungsverfahren am meisten überzeugt - und hat sich zudem trotz seines jungen Alters große Anerkennung in der Praxis erworben. Er stemmte auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise als Einsatzleiter die anspruchsvolle Drehkreuz-Logistik am Flughafenbahnhof. Der studierte Raumfahrttechniker mit hohem analytischem Verstand arbeitet derzeit an der Feuerwehr-Variante des bei der Belegschaft umstrittenen Verwaltungssparprogramms 2020, das Geisel angestoßen hatte - auch damit hat er Punkte beim Stadtchef gesammelt.

Geisel entschied sich schließlich für den Generationenwechsel. Allerdings wusste er von Anfang an, dass er mit der Ernennung ein Risiko eingeht. Denn nach Beamtenrecht sind der bisherige Dienstgrad und die Dienstjahre ausschlaggebend und damit erfahrenere Bewerber im Vorteil. Gleich zwei langjährige Feuerwehrleute haben daher geklagt. Sie fühlen sich ungerecht behandelt. Wie aus dem OB-Büro zu hören ist, hat das Geisel und Stulgies überrascht. Denn sie sollen nach Gesprächen mit allen Beteiligten davon ausgegangen sein, dass niemand den Klageweg beschreiten wird. Die städtischen Justiziare gehen davon aus, dass das Gericht zugunsten der Kläger entscheiden würde. So weit will man es nicht kommen lassen.

Zur weiteren Strategie will man sich im Rathaus nicht äußern. Denkbar wäre, dass die Ernennung so lange herausgezögert wird, bis von der Lieth die besten Aussichten hat. Zugzwang gibt es offenbar nicht.

Bis zu einer Entscheidung wird ausgerechnet einer der beiden Männer die Feuerwehr führen, die Klage eingereicht hatten: Christian Schlich, 57, der Stellvertreter des in Ruhestand gehenden Chefs Peter Albers. Allerdings wird auch Schlich in zweieinhalb Jahren in Rente gehen. Ebenfalls geklagt hatte der bisherige Leiter der Abteilung Technik. Er hatte sich nach dem Flughafenbrand um die Erneuerung und Modernisierung der technischen Ausstattung hochverdient gemacht, die Bewerbung galt trotzdem als wenig aussichtsreich.

(arl)
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