Düsseldorf Geisel: "Mehr Flüge tagsüber, möglichst keine nach 22 Uhr"

Düsseldorf · Selbst für einen wahlkampfgestählten Politiker wie den designierten OB Thomas Geisel kann es eine neue Herausforderung sein, sich den Fragen von rund 40 Journalisten zu stellen.

 Der gewählte OB Thomas Geisel (M.) stellte sich in der Buscher Mühle den Fragen der Journalisten - hier mit Peter Rosien (l.) und Andreas Vollmert.

Der gewählte OB Thomas Geisel (M.) stellte sich in der Buscher Mühle den Fragen der Journalisten - hier mit Peter Rosien (l.) und Andreas Vollmert.

Foto: Privat

Und so kommen an diesem Abend in der historischen Buscher Mühle (dem Domizil der Derendorfer Jonges) auch Dinge zur Sprache, die im politischen Alltag sonst keine Rolle spielen. Etwa, warum Geisel Anzüge der Marke Boss trägt und ob der Markenname bei ihm Programm ist. Der designierte Rathaus-Chef weist lächelnd strategische Hintergedanken von sich und erzählt den wahren Grund für diese textile Vorliebe: Sein Urgroßvater Karl Geisel sei Schneidermeister in Reutlingen gewesen und ein guter Freund von Hugo Boss, Schneidermeister in Metzingen.

Es bleibt nicht die einzige verblüffende Anekdote aus Geisels Leben an diesem Abend. Der überzeugte Protestant, der im tief katholischen Schwaben aufgewachsen ist und in jugendlichem Alter "in nicht geschäftsfähigem Zustand" (es soll Alkohol im Spiel gewesen sein) SPD-Mitglied geworden ist, erzählt - geleitet von den Moderatoren Peter Rosien und Andreas Vollmert - von seinen Erlebnissen bei den Verhandlungen der Verträge zur Deutschen Einheit, seiner Zeit bei der Treuhandanstalt ("wir haben einen verdammt guten Job gemacht, fiskalisch für Deutschland viel Geld herausgeholt") und gibt eine Querflöten-Einlage (Mozart).

Doch auch aktuelle politische Themen dürfen in dieser Runde nicht fehlen. Es geht um Schuldenfreiheit ("Düsseldorf ist eine finanziell gesunde Stadt"), und um Fracking ("nur, wenn eine Kontamination des Grundwassers ausgeschlossen ist) und Geisels Position zur geplanten Ausweitung der Flughafenkapazitäten. "Der Fluglärm ist klar eine Belästigung", schickt Geisel voraus. Jedoch sei der Lärmausstoß einzelner Flugzeuge mit der technischen Entwicklung der vergangenen Jahre deutlich gesunken. Sein Wunsch wäre, in Düsseldorf nur Linienflüge mit Schwerpunkt interkontinental abzuwickeln, Charterflüge zu Urlaubszielen in Mönchengladbach oder Köln.

Doch die Politik habe darauf nicht allzu viel Einfluss. Deshalb plädiert er dafür, mehr Flugbewegungen in den Kernzeiten (6 bis 22 Uhr) zuzulassen. Im Gegenzug soll das Nachtflugverbot verbindlich eingehalten, die Zahl der Ausnahmen erheblich reduziert werden. Die Unantastbarkeit des Angerlandvergleichs mit den umliegenden Gemeinden, auf die Grüne und FDP gerne pochen, hält Geisel für schwierig: "Weil jeder etwas Anderes darunter versteht."

(RP)
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