Spekulationen über Wechsel nach Köln: Geht der Polizeipräsident?

Spekulationen über Wechsel nach Köln : Geht der Polizeipräsident?

Seit vorige Woche bekannt wurde, dass Kölns Polizeipräsident vorzeitig in Pension geht, wird in Düsseldorf viel diskutiert. Sollte Herbert Schenkelberg in Köln Klaus Steffenhagen nachfolgen, könnte am Jürgensplatz erstmals ein Grüner einziehen. Gehandelt wird auch eine Frau.

Offiziell gibt es derzeit keinen Kommentar zur Präsidentenfrage im Polizeipräsidium am Jürgensplatz. Die sei Sache des Ministers — der sich ebenfalls bedeckt hält — und im Übrigen sei Herbert Schenkelberg im Urlaub.

Was zu denken geben könnte. Denn auch 2006 war der damalige Essener Polizeipräsident in den Ferien, als sein Dienstherr ihn telefonisch über die neue Verwendung informierte. Kaum zurückgereist, war Herbert Schenkelberg vom Kabinett zum Düsseldorfer Polizeipräsidenten ernannt worden.

Für den seinerzeitigen Innenminister Ingo Wolf (FDP) war Schenkelberg die "absolut erste Wahl". Und nun wird in Behördenkreisen kolportiert, der Düsseldorfer Polizeichef könne auch auf der Wunschliste von Wolf-Nachfolger Ralf Jäger ganz oben stehen, wenn es darum geht, das Kölner Polizeipräsidentenbüro neu zu besetzen. Das wird frei, weil Klaus Steffenhagen zum Monatsende in den Ruhestand versetzt wird — auf eigenen Wunsch, wie es heißt, und aus gesundheitlichen Gründen.

Erfahrener Neu-Organisator

Dass Herbert Schenkelberg, der wie Minister Jäger SPD-Mitglied ist, als Leiter der größten NRW-Polizeibehörde des Landes gehandelt wird, kommt nicht von ungefähr: Seit der Verwaltungsjurist vor elf Jahren zum ersten Mal Polizeipräsident wurde, hat er sich auch auf diesem Posten mehrfach bewiesen, nicht zuletzt durch Neu-Organisationen der Behörden in Essen und Düsseldorf, mit denen er die Personaldecke streckte. Die wird derzeit auch in Köln knapp, obwohl dort knapp 5000 Beschäftigte für die Sicherheit von mehr als 1,1 Millionen Menschen zuständig sind. Unter anderem auch für die von Herbert Schenkelberg und seiner Familie, die seit Jahren in der Domstadt lebt.

In Düsseldorf hat bei Schenkelbergs Amtsantritt 2006 niemand wirklich damit gerechnet, dass der seinerzeit 54-Jährige wie sein Vorgänger vom Jürgensplatz aus in den Ruhestand gehen würde. Und auch, wenn er intern nicht unumstritten ist, ließen ihn viele ungern gehen.

Gleichwohl beschäftigt jetzt die P-Frage auch die Düsseldorfer Polizei. Einer der ersten, die als Kandidat genannt wurden, ist der Polizeichef von Münster: Hubert Wimber. Der bündnisgrüne Volkswirt und Sozialwissenschaftler, der aus dem Landschafts- und Naturschutz bei der Bezirksregierung in den Polizeidienst kam, führt seit 1997 das Präsidium in Münster. Dort setzte der bundesweit erste grüne Polizeipräsident sich unter anderem für Ausweis- und Versicherungspflicht für Radfahrer ein. Anfang vorigen Jahres machte er Schlagzeilen, weil er in einem Brief an den Deutschen Hanfverband die Strafverfolgung von Cannabiskonsumenten als "weitgehend unwirksam" bezeichnet haben soll. Gegen Wimber könnte sein Alter sprechen: Er wird in diesem Jahr 62, würde den Präsidentenposten in Düsseldorf also nur drei Jahre bekleiden.

Ein Problem, das sich bei Kandidatin Nummer 2, die in der Düsseldorfer Führungsebene als Wunschkandidatin gilt, nicht stellt: Elke Bartels ist Jahrgang '56, hat also noch ein paar Dienstjahre vor sich. Die promovierte Juristin hat seit 1984 in verschiedenen Abteilungen, darunter auch der Polizeiaufsicht bei der Bezirksregierung Düsseldorf, gearbeitet. Erst im Herbst ist sie auf Vorschlag von Minister Jäger zur Polizeipräsidentin in Duisburg ernannt worden, hat sich dort in kurzer Amtszeit mit transparenter und bürgernaher Arbeit Achtung verdient. Dass sie in Düsseldorf lebt, gereicht ihr im Ruhrgebiet nicht zum Nachteil. Und könnte in der Düsseldorfer Präsidentenfrage ein Pluspunkt für sie sein.

(RP)
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