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Düsseldorf: Gehört Eickhoff an der Kö künftig zu Dior?

Düsseldorf : Gehört Eickhoff an der Kö künftig zu Dior?

Das Modehaus verhandelt mit dem Luxus-Unternehmen Dior über einen Verkauf. Auslöser ist auch die neue Konkurrenz im Kö-Bogen.

Der Königsallee steht möglicherweise eine spektakuläre Veränderung bevor: Nach Informationen aus der Mode- sowie der Immobilienbranche steht das Modehaus Eickhoff schon seit geraumer Zeit in Verhandlungen mit dem französischen Top-Label Dior über den Verkauf des Geschäftes an der Königsallee Nr. 30. Susanne Asbrand-Eickhoff, seit fünf Jahren vom Senior Albert Eickhoff schon als Nachfolgerin installiert, wollte dies zwar nicht bestätigen, sagte aber, man verhandele mit Dior über eine Ausweitung des Engagements der Franzosen bei Eickhoff. Senior Albert Eickhoff lehnte gestern jeden Kommentar ab und verwies auf noch nicht endgültig abgeschlossene Verhandlungen.

Kenner der Szene und Düsseldorfer Immobilien-Experten sind sich jedoch schon seit Wochen sicher, dass auf der Königsallee der spektakuläre Eigentümer-Wechsel vonstattengehen wird. Freunde der Familie wissen zudem, dass Albert Eickhoff seiner Tochter und deren Mann, Stefan Asbrand-Eickhoff, schon vor längerer Zeit geraten hat, die Entwicklung in Düsseldorf zu beobachten, die weiteren Chancen der etablierten Marke Eickhoff abzuschätzen und gegebenenfalls zu verkaufen — aber nur an einen der ganz Großen. Das wäre mit Dior gegeben. Die Königsallee, die Dior bisher nur bei Eickhoff im Angebot hatte, würde dann eine eigene Dependance des französischen Edel-Schneiders bekommen. Dass Eickhoff engste Kontakte zum Hause Dior hat, weiß man in der Branche.

Warum man aber nun mit Dior verhandelt, ist bisher nicht offiziell bekanntgegeben worden. Eickhoff wird es aber heute Abend einer handverlesenen Schar von Gästen erklären. Sie hat er eingeladen in eines seiner Lieblingsrestaurants der Stadt. Unter den Gästen werden eine Reihe der einflussreichsten Personen der Modeszene sein, aber auch Schauspielerin Iris Berben und die Bunte-Chefredakteurin Patricia Riekel stehen normalerweise auf den Eickhoff-Gästelisten.

Nicht auszuschließen ist, dass der enorme Wandel, ausgelöst durch Breuninger im Kö-Bogen, Eickhoff dazu bewogen hat, langfristig auf einen starken Partner zu setzen oder zu verkaufen. Viele Marken, die Eickhoff anbietet, gibt es nun auch bei Breuninger. Das ist für den einflussreichen Mode-Kaufmann Eickhoff eine neue Qualität der Konkurrenz: Bisher konnte er meist verhindern, dass Labels, die er im Angebot hatte, auch in anderen Geschäften der City verkauft wurden.

Das Mode-Unternehmen Eickhoff feierte erst vor wenigen Jahren sein 50-jähriges Bestehen in Düsseldorf. Ursprünglich stammt die Firma aus dem Lipperland, siedelte aber früh um an den Rhein, weil Brigitte und Albert Eickhoff schnell erkannten, dass nur in der Modestadt mit großem Erfolg zu rechnen war. Zudem wurden er und seine Familie zu einem Teil der Düsseldorfer Glamour-Gesellschaft. Nicht zuletzt durch die Kontakte Eickhoffs zum Münchner Burda-Verlag wurde Düsseldorf zweimal Bambi-Stadt.

Ein Blick zurück auf eine Familiendynastie, die Düsseldorf prägte: Es war einmal ein junges Paar. Das gründete vor gut 50 Jahren im fernen Lippstadt ein Modegeschäft — mit 4000 D-Mark Kapital und einer einzigen Verkäuferin. Die beiden sind fleißig, vor allem er hat ein Gespür für das, was Frauen gern anziehen, und präsentiert seinen Kunden 1978 einen namenlosen italienischen Modeschöpfer namens Gianni Versace. In Lippstadt! Im Stadttheater! Aber es funktioniert. Die beiden legen den Grundstein für eine beispiellose Erfolgsstory. Einige Jahre später begreifen sie, dass Lippstadt nicht nur geographisch am Rande liegt, sondern auch modemäßig. Umzug nach Düsseldorf. Erst dort fängt an, was heute den Begriff "Eickhoff", diese in der Modewelt so berühmte Marke, ausmacht.

In diesen fünf Jahrzehnten schaffte Eickhoff es, auf den Gipfel der europäischen Mode-Szene zu klettern. Der Name steht heute für Einfluss und Erfolg, ist in Mailand, Paris, Florenz bekannt, und in Düsseldorf sowieso. Und einmalig: Dass ein Mode-Mann, der selbst keine Kollektionen entwirft, einen solchen Einfluss erlangen konnte, das gab's nicht oft: Wenn man so will, sucht er ja "nur" aus. Aber mit dem, was er wählt, setzt er Trends, hebt oder senkt den Daumen: Da Eickhoff fast immer das richtige Gespür hat für das, was frau akzeptiert, also kauft, ist seine Entscheidung buchstäblich richtungweisend, eine Art Frühwarnsystem für alle, die ebenfalls in diesem Genre unterwegs sind.

"The family of fashion" hat vor zwei Jahren ein Wirtschaftsmagazin getitelt, als es über den Eickhoff-Clan berichtete. Eine korrekte Einschätzung, denn die Familie ist komplett und umfassend in Mode (tätig): Der Patriarch, Albert, angeblich schon seit ein paar Jahren im Hintergrund und nach eigenen Worten nur noch gebremst aktiv, hat nach wie vor die Fäden in der Hand. Tochter Susanne (51) und Schwiegersohn Stephan Asbrand-Eickhoff (53) bilden mit ihm ein Business-Trio, dessen Spitze sich jedoch wie die Nadel eines Kompasses immer in Richtung des Seniors orientiert.

(RP)