Derendorfer Güterbahnhof: Gedenken an Juden-Deportation

Derendorfer Güterbahnhof: Gedenken an Juden-Deportation

Am Sonntag vor genau 70 Jahren setzte sich vom ehemaligen Derendorfer Güterbahnhof ein Sonderzug in Bewegung, an Bord rund 1000 Juden. Das Ziel: die Ghettos und Vernichtungslager der Nazis im Osten. Insgesamt sechs solcher Deportationen von Düsseldorf aus gab es zwischen 1941 und 1945, der Letzte startete nur wenige Monate vor Kriegsende.

Mehr als 6000 jüdische Menschen aus Düsseldorf und dem Regierungsbezirk wurden verschleppt, die meisten ermordet. Gestern nun wurde in einer bewegenden Feierstunde ein Mahnmal eingeweiht, das an der Ecke der beiden neuen Straßen Toulouser Allee/Marc-Chagall-Straße an die Deportationen erinnert: zwei schlichte Eisenbahngleise auf Schotter, die nach rund 40 Metern im Grün eines Hügels quasi wie im Nichts enden. Daneben sind auf einer rostigen Stahlwand die Namen der Zielorte zu lesen: Minsk, Izbica, Riga, Auschwitz, Litzmannstadt und Theresienstadt.

"Dieses Mahnmal schneidet sich tief in den Boden", so Oberbürgermeister Elbers in seiner Ansprache. "Es ist zugleich ein schmerzlicher Einschnitt in unserer Stadtgeschichte, eine Wunde, die sich nie schließen wird. Es liegt an uns, dass dies nie vergessen wird."

Blutige Spur bis heute

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Noch bis vor Kurzem, so der Vorstandsvorsitzende der Jüdischen Gemeinde Düsseldorf, Oded Horowitz, habe der Standort des Mahnmals an der Toulouser Allee eher Urlaubs-Assoziationen geweckt. Das sei mit dem Attentat auf eine jüdische Schule in Toulouse vorbei: "Diese Stadt kann nichts dafür. Aber wir mussten lernen, dass sich die blutige Spur, die Ermordung von Menschen, nur weil sie Juden sind, bis ins 21. Jahrhundert fortsetzt." Dennoch gebe er die Hoffnung nicht auf, dass "wir uns Seite an Seite für eine menschliche Zukunft einsetzen."

Junge Mädchen der jüdischen Gemeinde trugen anschließend aus Texten Überlebender vor und Rabbiner Aharon Ran Vernikovsky hielt ein Trauergebet, teils auf Hebräisch, teils auf Deutsch. Dann stimmte ein Kantor der jüdischen Gemeinde einen Trauergesang an. Sein Vortrag ging den vielen Besuchern, darunter Mitglieder von Rat, Verwaltung, Bezirksvertretung und etlichen Vereinen, sichtlich nahe. Sie alle blieben bis zur Kranzniederlegung am Ende — trotz wolkenbruchartigen Regens.

(RP/anch)
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