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Geburt eines Fohlens hat bei Reitclub in Düsseldorf für Freude gesorgt

Tiere in Düsseldorf : Hermine ist da

Die Geburt des Fohlens hat beim Reit- und Ponyclub in Eller nach dem Shutdown eine Aufbruchstimmung erzeugt. Durch Corona sind in dem Verein zuvor sämtliche Einnahmen aus Reitstunden, Ferienkursen und Voltigiertraining eingebrochen.

Als der Reit- und Ponyclub in Eller im Oktober vergangenen Jahres Henriette kaufte, war die Stute eigentlich als neues Voltigier- und Schulpferd eingeplant. Der Club konzentriert sich vor allem auf die Kinder- und Jugendarbeit, bis zu 200 junge Reitfans kommen in normalen Zeiten in der Woche an die Karlsruher Straße. „Doch wir haben schnell gemerkt, dass Henriette dicker wurde“, erzählt die Vorsitzende Anne Ditsche-Höndgesberg. Der Tierarzt bestätigte, was alle schon ahnten: Die Neunjährige war trächtig. „Wir haben kurz überlegt, Henriette wieder abzugeben, denn sie würde ja mindestens eine halbes Jahr ausfallen. Aber die Vorfreude auf ein Fohlen im Stall hat dann doch gesiegt. Das erste und bislang letzte kam bei uns vor 25 Jahren auf die Welt. Außerdem passte Henriette von ihrem Gemüt einfach zu uns“, berichtet Ditsche-Höndgesberg.

In der Nacht von Karfreitag auf Ostersamstag war es dann soweit: Hermine wurde geboren. Hermine heißt so, weil Hermann im Verein als ihr Patenonkel ausgeguckt wurde. „Es gab eine interne Abstimmung, das Ergebnis war eindeutig“, so die Vorsitzende. Jetzt sind nicht nur Hermann und Hermine ein Herz und eine Seele, auch die vielen Kinder, die wegen Corona natürlich lange Zeit gar nicht oder nur selten den Hof betreten durften, können von dem Kaltblut gar nicht genug bekommen. Hermine ist gesund, tollt gerne über den Paddock, den eingezäunten Auslauf, ist oft aber auch noch hundemüde und legt sich dann spontan hin. „Das ist nicht anders als bei einem menschlichen Baby, das benötigt anfangs ja auch viel Schlaf“, weiß die Vorsitzende. Wie gesagt: Ein halbes Jahr bleiben Mutter und Tochter zusammen, dann muss Henriette loslassen, und Hermine kommt auf die Wiese, wo sie dann auf sich allein gestellt ist. Erstaunlich für Laien: Schon eine Stunde nach der Geburt sind Pferde in der Lage, aufzustehen, wenig später können sie bereits galoppieren – auch wenn das bei Hermine noch ein wenig nach wildem Gehopse aussieht.

Für die 260 Mitglieder des Reit- und Ponyclubs ist das Fohlen ein Segen, hat es doch eine Aufbruch­stimmung in der harten Corona-Zeit erzeugt. Ferienkurse, Reitstunden und das auf Breitensport ausgerichtete Voltigiertraining durften von einem Tag auf den anderen nicht mehr stattfinden. „Dabei lebt der Verein, und damit auch unsere zehn Pferde, von den Einnahmen aus den sportlichen Angeboten“, betont Ditsche-Höndgesberg. „Auch wenn viele Eltern die Voltigierstunden weiter bezahlen, haben uns täglich einige hundert Euro in der Kasse gefehlt, wobei die Kosten natürlich weiter gelaufen sind.“ Für Hermine war aber seit Ostern selbstverständlich immer einer da, die Jugendlichen, immer Geschwister, haben sich mit der Wache abgewechselt.

Langsam läuft der Betrieb beim Reit- und Ponyclub wieder an, statt vier gibt es allerdings nur eine Reitstunde am Tag, zudem müssen die Kinder in der Lage sein, alleine in den Sattel zu kommen. „Wir sind natürlich froh, dass unsere Mitglieder uns in der schwierigen Zeit die Treue gehalten haben, um die Krise auch finanziell bewältigen zu können“, sagt Anne Ditsche-Höndgesberg. Bereut hat sie es jedenfalls ganz bestimmt nicht, Henriette zu behalten. „So eine überraschende Geburt drückt die Sorgen jetzt erst mal in den Hintergrund“, sagt sie. Und Hermine, die ist derweil schon wieder eingeschlafen.

Mehr Infos unter https://pagrelo.de.
Auf https://rp-online.de/nrw/staedte/duesseldorf gibt es eine Foto-Strecke von Hermine.