Düsseldorf: "Gebäude wie Städte gliedern"

Düsseldorf : "Gebäude wie Städte gliedern"

Architekt Thomas Beucker hat mit außergewöhnlichen Konzeptionen Erfolg – ablesbar am Medienzentrum im Hafen.

Die Keimzelle des Medienhafens trägt seine Handschrift: Den Wettbewerb für das Medienzentrum, das bei der Entwicklung des neuen Viertels eine Initialzündung geben sollte, entschied der Düsseldorfer Architekt Thomas Beucker für sich. Obwohl er sich in zwei Punkten über die Vorgaben des Wettbewerbs hinweggesetzt hatte: Die Halle war nicht vorgesehen und auch nicht die hohe gläserne Stirnwand. Beucker hatte sich aus seiner inneren Überzeugung und seiner Erfahrung heraus darüber hinweggesetzt: "Ein großes Gebäude muss ähnlich wie eine Stadt gegliedert sein, eigene, erkennbare Viertel haben", sagt Beucker. Deshalb sind im Medienzentrum einzelne Gebäudeteile von der Halle aus, die wie ein städtischer Platz wirkt, genau zu sehen.

Mit eigenwilligen Konzeptionen dieser Art hatte Beucker, der 70 Jahre alt wurde, bereits vorher Erfolg gehabt. Bekannt wurde er mit dem Neubau der Hauptverwaltung für Colonia (heute Axa) in Köln 1980. 3500 Menschen sollten dort ein- und ausgehen, um zu arbeiten. Das entspricht der Einwohnerzahl eines kleinen Ortes, machte sich Beucker klar und zog die Konsequenz. Statt wie gefordert einen mächtigen Gebäuderiegel mit großer Halle als Verteilerpunkt entwarf er einen Park als Mittelpunkt, gruppierte darum mehrere Bürohäuser mit eigenen Adressen. Mit dieser Idee konnte er gegen eine starke Konkurrenz punkten. Die Konzeption ist bis heute anerkannt. Vor einigen Jahren beauftragte die Axa-Versicherung Beucker, die Bauten zu ergänzen.

Weitere wichtige Wettbewerbe konnte Beucker gegen hochkarätige nationale und internationale Büros für sich entscheiden: Die Deutschlandzentrale und die Europa-Zentrale von Procter & Gamble baute er ebenso wie die Schering Verwaltung in Berlin oder die Zentrale von Boehringer in Ingelheim. Und wegen seiner Erfahrungen wählte Frank O. Gehry Beuckers Büro aus, um die Bauausführung und Detailplanung der schrägen Häuser des neuen Zollhofs betreuen zu lassen.

Bei allen Erfolgen ist Beucker bescheiden geblieben. Er sieht sich nicht als Stararchitekt, sondern setzt sich bei jedem Projekt mit den besonderen Anforderungen auseinander. Er hat Freude an Innovationen, beispielsweise für neue, filigrane Tragekonstruktionen von Glasdächern oder für eine raffinierte Entlüftung einer offene nKüche in einer Kantine, durch die hässliche Absaugvorrichtungen unnötig wurden. "Die Menschen sollen sich durch eine gut gestaltete Umgebung wohl fühlen", sagt Beucker. Dieser Grundsatz gilt auch für die Gestaltung der Umgebung eines Hauses. "Ich arbeite gerne mit Künstlern zusammen", sagt Beucker. Auch bei der Gestaltung des Medienzentrums. Er überzeugte die Stadtplaner, dass vor dem Medienzentrum ein Platz als Treffpunkt nötig ist. Für die Gestaltung gewann er Günter Uecker. Und dessen Platz fällt auf und rundet das Medienzentrum ab.

(RP)
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