Gaslaternen in Düsseldorf: Streit um Kosten

Düsseldorf: Streit um Kosten für Gaslicht-Aus

Der Steuerzahlerbund bezweifelt, dass die Stadt die wahren Kosten für den Umbau auf LED-Technik nennt. Im Dezember wird entschieden.

Kurz vor der Entscheidung zur Zukunft der Gasbeleuchtung in Düsseldorf übt der Bund der Steuerzahler Kritik an der Stadt. Nach Ansicht des Vereins sind die offiziellen Schätzungen zu den Kosten der Umrüstung zu niedrig angesetzt. Zudem fehle eine ausreichende Beteiligung der Bürger. Die Kosten für die Umrüstung werden voraussichtlich mit bis zu 50 Prozent auf Anlieger umgelegt, der Rest wird durch Steuern finanziert.

Düsseldorf hat eines der größten verbliebenen Gaslicht-Netze weltweit. Bereits seit 2008 wird über die Umrüstung auf die modernere LED-Technik diskutiert, viele Bürger setzen sich für den Erhalt der historischen Lampen ein. Voraussichtlich im Dezember wird der Stadtrat eine Entscheidung fällen.

Die Ampel-Koalition aus SPD, Grünen und FDP wird wohl den Kompromiss-Vorschlag von Verkehrsdezernent Stephan Keller unterstützen, der nur rund 4000 der 14.600 Laternen in sogenannten Erhaltungszonen bewahren will. Die restlichen 10.600 Laternen sollen ersetzt werden, wenn sowieso eine Erneuerung ansteht. Auf diese Weise sollen in 25 Jahren die meisten Gasleuchten verschwunden sein.

Einer der Hauptstreitpunkte sind die Kosten für den Umbau. Die Stadt rechnet vor, dass eine Umrüstung pro Laterne zwischen 4000 und 5500 Euro kostet. Eine Erneuerung der Gaslaterne würde im Mittel mit 1250 Euro weniger zu Buche schlagen. Da der Betrieb der Elektroleuchten aber billiger ist, hätten sich die höheren Kosten bereits nach vier Jahren amortisiert, rechnete die Verwaltung auf Anfrage der SPD vor.

Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)
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Der Steuerzahlerbund hat erhebliche Zweifel an den genannten Kosten für die Investition. In Lohausen etwa habe die Umrüstung von 43 Laternen 11.627 Euro pro Stück gekostet. Ähnlich teuer war die Umrüstung in Frankfurt am Main. "Angesichts solch widersprüchlicher Zahlen sind die Zweifel der Bürger mehr als nachvollziehbar", sagt der Vorsitzende Heinz Wirz. Er fordert die Stadt auf, im Zweifel das Projekt zu stoppen. "Es dürfte den Bürgern nicht vermittelbar sein, dass sie mal wieder mit angeblich niedrigen Kosten in ein Projekt hineingelockt werden." Zudem bemäkelt Wirz, dass kein Bürgerentscheid geplant ist - trotz mehr als 9000 Unterzeichnern einer Online-Petition für den Erhalt.

Die Befürworter einer zumindest teilweisen Umrüstung führen neben den Kosten auch andere Argumente ins Feld. FDP-Politiker Rainer Matheisen, der die Online-Petition initiiert hatte, hält einen kompletten Erhalt des Gaslichts für kaum umsetzbar - anders als viele Mitstreiter. "Der Abbau einiger Lampen kann den Erhalt zusammenhängender Ensembles an anderer Stelle dauerhaft sichern." So seien Wartung und Pflege vernachlässigt worden, dies könnte durch eine Konzentration auf eine reduzierte Anzahl verbessert werden. Matheisen will aber erreichen, dass zusätzliche Gebiete als Erhaltungszonen definiert werden, etwa Niederkassel oder Teile von Oberbilk.

Philipp Tacer (SPD), der Vorsitzende des Umweltausschusses, unterstützt ebenfalls die Idee der Erhaltungszonen, um ein Stück Industriekultur zu bewahren. Zugleich sieht er viele Vorteile in der Umrüstung auf eine modernere Lichttechnik. "Das hilft dabei, unsere wichtigen Klimaziele zu erreichen. Außerdem spart es viel Geld, das man an anderer Stelle für Soziales, Kultur- oder Umweltschutzprojekte verwenden kann."

(arl)
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