Gaslaternen: Düsseldorf geht ein Licht aus

Gaslaternen: Düsseldorf geht ein Licht aus

Die Gaslaterne gilt unter den Romantikern der Stadt als sakral. Doch die Verwaltung will sie lieber großflächig durch kühle Plagiate ersetzen. Ein Rundgang mit dem Mann, der gegen LED-Birnen kämpft: Georg Schumacher.

Aus nur drei Metern Entfernung könnte das alles sein. LED, Glühbirne oder Gaslampe? Keine Ahnung. "Erkennen Sie den Unterschied?", fragt Georg Schumacher breit grinsend. Der Experte weiß es natürlich. Schumacher, der Gaslaternen-Liebhaber, erweckt den Eindruck, als habe er zu jeder der Laternen eine persönliche Beziehung aufgebaut. "Hat sie unten ein Loch im Glas? Leuchtet die Zündflamme? Ist eine Stromklappe dran?", setzt Schumacher noch einen drauf. Nein. Oder ja? "Mensch, das ist ein schäbiges Plagiat", ruft Schumacher und rattert die Begründung herunter. Er überschlägt sich fast dabei, speist gekonnt technische Details ein.

Georg Schumacher ist, wie er selbst sagt, unfreiwillig zum Haupt-Lobbyisten für Gaslaternen in Düsseldorf geworden. Wer sich mit den Lampen in der Landeshauptstadt ernsthaft beschäftigt, kommt an dem Mann nicht vorbei. Schumacher ist ein groß gewachsener, adretter Mann. Im Anzug und mit einer dünnen, dunkelbraunen Lederaktentasche kommt er zum Gaslaternen-Rundgang. Treffpunkt: Jan-Wellem-Denkmal vor dem Rathaus. Sein Fahrrad hat er, natürlich, an einer Gaslaterne festgebunden.

An der Gaslaterne - wenigstens das steht fest - scheiden sich die Geister. Den Romantikern der Stadt ist sie quasi-heilig, den Pragmatikern zu teuer und dem Rest egal. In der Landeshauptstadt gibt es noch gut 14 500 von den alten Gaslaternen, von denen die jüngsten aus den 20ern stammen. Eine Online-Petition für den Erhalt der Laternen unterzeichneten über 10 000 Menschen. Verkehrsdezernent Stephan Keller hat den Liebhabern kürzlich angeboten, 4000 von ihnen zu erhalten, also nicht mal ein Drittel.

"Das ist viel zu wenig", sagt Georg Schumacher, während er am Haus des Düsseldorfer Karnevals in der Zollstraße der Altstadt erneut einen "schäbigen Nachbau" identifiziert. "Große flächendeckende Gebiete wie Flingern, Bilk und die Innenstadt müssen erhalten werden", fordert Schumacher also. Es sei doch eine besondere Chance für Düsseldorf. In Berlin und Frankfurt, wo sonst noch viele Gaslaternen stehen, hat man sich dafür entschieden, die allermeisten zu entsorgen. Düsseldorf, die Stadt der Gaslaternen, bliebe übrig.

Georg Schumacher zeigt eine LED-Laterne am Stadtmuseum. Foto: Hans-Juergen Bauer (hjba)

In dem Streit werden viele Argumente ausgetauscht: sachlich-nüchterne wie emotionale. Georg Schumacher betont, dass Gaslaternen mehr als nur Romantik seien. Für ihn unterstützten Gaslaternen zwar das Heimatgefühl, aber er kann auch stets viele kluge Argumenten benennen. Womit man bei Dreck, Fliegenschiss und Wartungsfragen angelangt wäre.

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Ein zentrales Argument der Stadt sind die hohen Wartungskosten der Gaslaternen. Einmal im Jahr müssen sie kontrolliert und gewartet werden, das frisst Ressourcen. LED-Birnen, die in die Plagiate statt der Gas-Glühstrümpfe eingesetzt werden, müssen bis zu ihrem Defekt nicht gewartet werden. Glaubt jedenfalls die Stadt.

Georg Schumacher hat einen flotten Schritt drauf. Wildentschlossen, den Kampf gegen die LED-Birnen mit ihrem kalten blau-lila Licht zu fechten, zeigt er auf die verschiedensten Straßenlaternen in der Altstadt. Tote Fliege, Vogelmist, all das klebt auf den Plastikscheiben der Nachbauten - wenn sie nicht zerbrochen sind. "Das kann man doch keinem Touristen zeigen", schimpft Schumacher. Peinlich sei das. "Die werden einfach nicht mehr sauber gemacht. Da kümmert sich keiner drum."

Die Gaslaternen allerdings, die ein Loch in der unteren Glasscheibe haben, bei denen die Zündflamme leuchtet, die keine Stromklappe haben und hübsches, warmes Licht ausstrahlen, die sind sauber. Sie werden ja auch gewartet, einmal im Jahr.

Wo es in Düsseldorf überall Gaslaternen gibt, zeigen wir Ihnen hier.

(RP)
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