Garath, wir müssen reden!

Wie schnell ist ein falsches Wort über Garath gesprochen! Warum das so ist und wie es besser laufen könnte, soll jetzt bei einer Mobilen Redaktion diskutiert werden.

Den Spruch hat wohl jeder Düsseldorfer irgendwann gehört: "Komm nach Eller, stirbste schneller." Einige meinen, der Spruch geht auf einen Streit zwischen Rockerclubs in den 60er Jahren zurück, aber genau weiß das niemand. Was aber sicher ist: Die Elleraner müssen mit der wenig schicken Aussage leben, auch wenn sie statistisch nicht haltbar ist. Die Menschen in Eller sterben nicht früher als Menschen anderswo. Den Menschen im Stadtteil geht es gut, es gibt viel Grün drumherum, der Anschluss an den ÖPNV ist gut, die Autobahn in der Nähe.

So ist das mit dem Image. Es wird irgendwann geprägt, und es ist sehr schwer, es zu ändern. In Eller stirbste schneller, Düsseldorfer sind alle arrogant und oberflächlich - und Garath ist eine Retortensiedlung ohne Charme, ein sozialer Brennpunkt. Geht es noch voreingenommener? Ist das Leben, ist ein Stadtteil nicht vielschichtiger? Ja, das ist so. Deswegen regen sich viele Garather auf, wenn eindimensional über den Stadtteil berichtet wird. Denn dort gibt es alles: sozialen Wohnungsbau, Eigentumswohnungen, Ein- und Zweifamilienwohnhäuser, sogar ein Schloss, viel Grün.

Als unser Heimatreporter Ende September in Garath unterwegs war, schrieb er auch über die Einkaufspassage an der Josef-Kleesattel-Straße, die 2015 für eine knappe halbe Million Euro verschönert worden war. In der Kolumne kamen zwar auch Menschen vor, die gerne in Garath leben, aber der Gesamteindruck war eher grau. Kurz und gut: Die Kolumne wurde kritisiert, sogar in der Bezirksvertretung wurde diskutiert, man fühlte sich mit klischeehaftem Blick betrachtet.

Der Bezirksvorsteher und sein Stellvertreter sind seitdem in die Lokalredaktion eingeladen, damit wir über Garath sprechen. Wie nötig das ist, zeigte sich diese Woche. Im Kul-turteil der RP kam Sammy Amara, der Sänger der Broilers, zu Wort. Er sagte, er sei in Hellerhof aufgewachsen, jenem Stadtteil, "in den man zieht, wenn man sich aus Garath rausgearbeitet hat". Damit trat er auf Facebook eine Debatte los, wie es sie über die Broiler-Texte bislang wohl noch nicht gab. Viele fanden seine Äußerung und die RP gleich mit "unverschämt". Andere wunderten sich ("der Sohn von unserem netten Augenarzt Dr. Amara?"), manche blieben ganz gelassen: Das Image sei bekannt, eine Dame kündigte gar ihre Wiederkehr nach Garath an, "weil es uns nirgendwo anders besser gefallen hat". Na also!

Wir finden: Garath, wir müssen reden! Wie sähe das richtige Garath-Image denn aus? Wie ist das Leben im Stadttteil? Was gefällt, was müsste man ändern? Und: Was sind Ihre schönsten Garath-Geschichten? Die Mobile Redaktion der Rheinischen Post steht am Mittwoch von 16 bis 17 Uhr vor der Freizeitstätte am Nikolaus-Groß-Platz. Wir freuen uns auf Sie und gute Gespräche!

(RP)