Einbruch: Für die Opfer oft ein Trauma

Einbruch: Für die Opfer oft ein Trauma

Vor allem Kinder und Senioren leiden unter den Folgen von Wohnungseinbrüchen. In Düsseldorf kann die Polizei sie an ein funktionierendes Netz aus Hilfsprojekten vermitteln. Betroffene schildern ihre Gefühle.

Hinter jedem der 2254 Einbrüche, die im vergangenen Jahr gemeldet wurden, steht mindestens ein Opfer.Dagmar Ettner, Opferschutzbeauftragte der Düsseldorfer Polizei, weiß, dass es meistens mehr sind. "Vor allem Kinder leiden unter den Folgen, haben Angst, dass der Täter wiederkommt."

In einem Forum der Gewerkschaft der Polizei, bei dem sich Polizisten aus ganz NRW zum Dauerthema Wohnungseinbruch in Düsseldorf getroffen haben, mahnte Ettner ihre Kollegen, sich Zeit für die Einbruchsopfer zu nehmen. "Für uns als Polizisten ist die Bearbeitung eines Wohnungseinbruchs ein Standardvorgang. Für die Opfer aber ist er ein einmaliges und oft schreckliches Ereignis", sagte Ettner, die am Beispiel Düsseldorf ein hervorragendes Netz aus Hilfsmöglichkeiten vorstellen konnte, "auf das sich auch die Polizei verlassen kann." Denn mit der Vermittlung an dieses Netzwerk können Polizisten Opfern weiterhelfen, wo sie früher wenig Möglichkeiten hatten. "Das geht nur, weil wir in Düsseldorf einen Kriminalpräventiven Rat haben, der sehr gut funktioniert."

Albträume, Schlafstörungen und Kontrollzwänge können Folgen eines Einbruchs sein. Manche Opfer, so Ettner, ziehen sich völlig zurück, trauen sich nicht mehr auf die Straße. Und nur selten wird darüber geredet. Das versucht die Opferschutzstelle durch Aufklärung zu ändern. "Wenn Opfer schweigen, können wir nicht helfen." Das gilt aber nicht nur für die Folgen nach einer Tat, sondern auch für die Hinweise, die es schon davor geben könnte. Oft genug erleben Einbruchsfahnder, dass Nachbarn nach einem Einbruch von auffälligen Geräuschen, fremden Autos und verdächtigen Personen berichten. "Bloß anrufen tun sie nicht." Das Hinweisaufkommen sei auch in Düsseldorf nicht besonders gut, berichtete Dieter Töpfer, Leiter des Einbruchskommissariats, den Kollegen im Forum.

"Prämien wären gut"

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Christian Pfeiffer, Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, schlägt vor, das Hinweisaufkommen durch Prämien zu steigern. Die Aufklärungsquote bei Einbruch — in Düsseldorf liegt sie bei knapp über elf Prozent — sei "skandalös niedrig", das müsse geändert werden. Den NRW-Polizisten empfiehlt der frühere niedersächsische Justizminister, Wohnungseinbrüche "wie Mordtatorte zu behandeln". Mit Hightech-Ausrüstung und Top-Experten bei der Spurensicherung sei auch professionellen Banden auf die Spur zu kommen. "Das Entdeckungsrisiko schreckt mehr ab als harte Strafen."

Gut 900 mal sind voriges Jahr Einbrecher an Düsseldorfer Türen und Fenstern gescheitert — nach Pfeiffers Theorie ein Erfolg der Polizei. "Je besser die Bürger beraten werden, wie sie ihre Wohnungen sichern können, desto öfter bleibt es beim Einbruchsversuch — und irgendwann geben die Täter entmutigt auf", ist der Forscher überzeugt.

Fahnder Töpfer, in dessen Kommissariat erfahrene Einbruchs-Spezialisten arbeiten, hat da andere Erfahrungen: "Ein Einbrecher geht nicht frustriert nach Hause, sondern sucht, bis er Erfolg hat." Das war in Düsseldorf vergangenes Jahr rund 1300 Mal der Fall.

Dahinter stecken meist Banden, die aus dem Ausland einreisen und sich nach den Taten rasch wieder absetzen.

(RP)