Central Business District: Fünf Thesen zum Standort Düsseldorf

Central Business District : Fünf Thesen zum Standort Düsseldorf

Auch wenn die Schuldenfreiheit Düsseldorfs in Gefahr ist, hat der Standort viele Vorteile gegenüber anderen Regionen - doch guter Lage und dem Branchenmix stehen ein Imageproblem und die höchsten Mieten NRWs gegenüber.

Die Wahrnehmung Düsseldorfs ist zwiespältig. In der Stadt selbst bejubelt man sich gern. Außerhalb wird die Landeshauptstadt mal als Schicki-Micki-Metropole wahrgenommen, mal als graue Maus. Wir haben fünf Standortfaktoren Düsseldorfs auf den Prüfstand gestellt:

Verkehr Einer der größten Standortvorteile Düsseldorfs ist die Lage und gute Verkehrsanbindung. Der Rhein als am stärksten befahrene Wasserstraße Deutschlands ist eine wichtige Transportachse für die Industrie. Der Strom verbindet die Landeshauptstadt mit den Seehäfen der Niederlande, ist für Industrieunternehmen wie Henkel, Daimler oder Kranhersteller Terex überlebenswichtig. 16,4 Millionen Tonnen Fracht werden jährlich umgeschlagen.

900 Züge halten täglich in Düsseldorf. Es gibt 13 innerörtliche Autobahnanschlüsse und 50 Autobahnkilometer im Stadtgebiet. Das ist aber auch die Schattenseite Düsseldorfs, denn in den Stoßzeiten sind die Verkehrswege überlastet. Die Infrastruktur hinkt dem wachsenden Verkehrsaufkommen hinterher.

"Viele Entscheidungsträger wählen Düsseldorf als Firmen- und Bürositz vor allem wegen des Flughafens", sagt Christoph Meszelinsky, Geschäftsführer der Maklerfirma BNP Paribas Real Estate. Der Central Business District (CBD) rund um die Königsallee ist in weniger als 15 Minuten vom Flughafen zu erreichen. 9,5 Kilometer ist der CBD vom Airport entfernt. Zum Vergleich: In Paris oder London müssen Geschäftsreisende 24 Kilometer vom Zentrum zum Airport fahren, in München sogar 32.

Lage Keine der sieben deutschen Metropolen ist so nah an der Grenze wie Düsseldorf, nach Holland sind es nur gute 50 Kilometer. Weniger als eine Autostunde vom Düsseldorfer CBD im Zentrum entfernt leben 11,5 Millionen Menschen, vor allem im Ruhrgebiet und an der Rheinschiene. "Das Geschäftspotenzial in Düsseldorfs Umland und dem Ruhrgebiet ist extrem groß", sagt Makler Meszelinsky. 50 Prozent der Kaufkraft in der EU liegen in einem Radius von 500 Kilometern. Amsterdam, Brüssel, Frankfurt, Hamburg, London, Luxemburg, Paris und Zürich sind in einer Flugstunde erreichbar.

Wirtschaftskraft Betrachtet man die Region Rhein-Ruhr als einen zusammenhängenden Raum, ist das die stärkste Wirtschaftsagglomeration Deutschlands. Laut Wirtschaftsförderungsamt wurde ein Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 357,7 Milliarden Euro erwirtschaftet. Zum Vergleich: In Frankfurt waren es 200 Milliarden Euro, in Berlin 146 Milliarden, in München 211 Milliarden, in Stuttgart 167 Milliarden, in Hamburg 162 Milliarden (Zahlen aus 2010).

Das BIP je Erwerbstätigem liegt bei 79 725 Euro (Köln: 67 000 Euro, Dortmund: 55 000 Euro). Der Düsseldorfer hat im Durchschnitt ein verfügbares Einkommen von 22 500 Euro. Das ist Platz drei unter deutschen Großstädten. In der Stadt haben diverse Dax- oder M-Dax-Konzerne ihren Sitz, wie etwa Eon, Metro, Gea, Gerresheimer, Rheinmetall, Vodafone oder Henkel. Diese Firmen ziehen im Nachgang diverse Anwaltskanzleien und Beratungsunternehmen mit sich, die zentrale Lagen bevorzugen.

Kosten Die starke Wirtschaftskraft der NRW-Landeshauptstadt hat auch eine Kehrseite. Denn Düsseldorf hat die höchsten Büromieten in NRW. "Wir erreichen Spitzenmieten im CBD von 26,50 Euro je Quadratmeter und mehr. In Wuppertal würde man vielleicht nur die Hälfte zahlen", sagt Marcel Abel, Niederlassungsleiter des Maklerunternehmens JLL. Viele Firmen würden den Lage-Aufschlag für zentrale Büros aber aus wirtschaftlichem Kalkül bezahlen, weil sie dadurch qualifizierte Mitarbeiter anziehen. Auch die Gewerbesteuer ist in Düsseldorf höher als in vielen kleineren Städten des Umlands, was mit einer besseren Infrastruktur begründet wird.

Image Das ist Düsseldorfs größtes Manko. Eine Markenkernanalyse, die vor drei Jahren in Auftrag gegeben worden war, hatte kein blendendes Bild gezeichnet. Außerhalb der Stadt hatte Düsseldorf entweder ein Image als Schicki-Micki-Stadt, reduziert auf Kö und Lackschuhkarneval, oder aber gar kein rechtes Image. Mit größerer Entfernung war Düsseldorfs Image grau, wenig markant. Diese Erkenntnis war schmerzlich. "Bei Investoren aus der Wirtschaft gibt es dieses graue Image aber nicht. Düsseldorf und sein Zentrum gelten als prosperierend und vor allem sehr effizient", sagt Makler Marcel Abel.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Düsseldorf im Zeitraffer