Zukunft der Benrather Eishalle weiter unklar

Benrath : Freitag geht’s in die 40. Eislaufsaison

Ist es vielleicht die letzte? Im Oktober will das Stiftungskuratorium entscheiden. Hinter den Kulissen laufen viele Gespräche.

Nächstes Jahr im Sommer wird die Eishalle an der Paulsmühlenstraße 40 Jahre alt. Das ist unstrittig, strittig ist hingegen, ob sie dann überhaupt noch in eine neue Eislaufsaison, dann wäre es die 41., startet. 2015 hatte das Stiftungskuratorium der Benrather Sparkassen-Eissporthalle beschlossen, dass mit Ende der Eislaufsaison 2018/2019 Schluss sein soll. Viel weiter ist man auch drei Jahre danach immer noch nicht. Es stehen einzig und allen zwei Daten fest: der Start in die Saison am Freitag, 31. August, und das Ende Anfang April. Im Oktober, wenn das Kuratorium tagt, soll nun endlich eine Entscheidung fallen, wie es weiter geht.

Die Stadt teilte mit, dass von ihrer Seite aus ein durchgehender Betrieb angestrebt sei. Ob aber am Standort festgehalten wird, steht noch nicht fest. Auf Anfrage unserer Redaktion ließ Oberbürgermeister Thomas Geisel ausrichten: „Wir prüfen alternative Standorte und erwarten ein weiteres Engagement der Sparkasse.“ Hinter den Kulissen, so heißt es von allen Seiten inoffiziell, wird gerade über das wie und wo diskutiert. Offiziell sagte ein Sprecher der Düsseldorfer Stadtsparkasse, dass darüber in den Gremien beschlossen werde und eine Entscheidung zeitnah fallen soll.

Ein Blick in die Historie belegt, dass schon vor der Inbetriebnahme am 9. September 1979 jahrelang diskutiert wurde. Vier Jahre zuvor, am 12. September 1975, hatte die Düsseldorfer Stadtsparkasse anlässlich ihres 150-jährtigen Bestehens den Bürger – wenn auch zunächst einmal nur symbolisch – eine neue Eissporthalle im Süden der Stadt geschenkt. Der Standort war zu der Zeit noch nicht gefunden. „Diese Eissporthalle soll ein Ausdruck der Verbundenheit der Jubilarin mit der Düsseldorfer Bevölkerung sowie ein Beitrag zur Gesunderhaltung und zur sportlichen Betätigung der Bürger aller Altersschichten – besonders aber der Jugend – sein“, hieß es bei der Schenkung. Eine Eissporthalle und nicht etwa ein neues Schwimmbad sollte es sein, da das Eislaufen in Düsseldorf gerade boomte und das Eisstadion an der Brehmstraße nicht genügend Laufkapazitäten für die ganze Stadt bieten konnte.

Zur Abtauparty Ende April 2017 wurde in der Eissporthalle wieder jede Menge Schaum hergestellt. Das macht den Besuchern immer jeder Menge Spaß. Foto: Endermann

Die Eröffnung wurde am 9. September, es war ein Sonntag, mit einem „volksfestartigen Tag“, wie in der Hauszeitschrift der Sparkasse, der „Banderole“, zu lesen ist; gefeiert. Alleine 2000 Menschen sahen die große Eisshow, bei der es unter anderem den Auftritt des Eislaufpaares Ljudmila Beloussowa und Oleg Alexejewitsch Protopopow, die in den 1960er Jahren die Eiskunstlaufszene beherrschten, gab und ein Eishockeyspiel mit einigen Nationalspielern und Prominenten. Mitten dabei in in einem der beiden Teams war der damalige Bürgermeister Josef Kürten.

Vor allem dem CDU-Mann aus Urdenbach haben es die Benrather zu verdanken, dass das Geschenk in die Paulsmühle und nicht an Werstener Kreuz kam. Er führte bei der Diskussion ins Feld, dass der Süden 1969 bei der Suche nach einem Standort für eine zweite Eissporthalle schließlich schon gegen die Philipshalle den Kürzeren gezogen habe. Die CDU hatte damals vorgeschlagen, eine Mehrzweck-Eissporthalle am Niederheider Wäldchen zu bauen. Doch die Christdemokraten unterlagen in der Abstimmung. Und trotz der Entscheidung für den Oberbilker Standort an der Siegburger Straße wurde dort nie eine Eissporthalle angebaut. Aber das ist eine andere Geschichte.

Zur Eröffnung gab es ein Prominenten-Eishockeyspiel. Mit dabei Bürgermeister Josef Kürten (Mitte) im DEG-Team. Foto: Dieter Norbisrath. Foto: Dieter Norbisrath

Als dann die Sparkasse ihr großzügiges Geschenk öffentlich machte, favorisierte die SPD, allen voran das Werstener Ratsmitglied Kurt Schneider, das Gelände der alten Ziegelei am Werstener Kreuz als Standort für die Sparkassen-Gabe. Unter anderem der spätere Düsseldorfer Regierungspräsident und damalige SPD-Landtagsabgeordnete Jürgen Büssow machte sich im April 1976 in einem Brief an den SPD-Oberbürgermeister Klaus Bungert für diesen Standort stark: „Wenn Wersten nicht weiterhin das Stiefkind der städtischen Planung bleiben soll, dann wäre die Standortentscheidung der Eissporthalle zu Gunsten von Wersten ein erster Schritt in die richtige Entwicklung.“

Das sahen die Düsseldorfer Liberalen anders, die bei der Entscheidung zwischen Benrath und Wersten das Zünglein an der Waage spielten und sich für die Paulsmühle entschieden. Und so fiel die Entscheidung im November 1977 im Stadtrat also für den Standort Paulsmühle.

Danach ging es Schlag auf Schlag: Um den Betrieb der Eishalle langfristig finanzieren zu können, wurde am 17. November 1977 eine Stiftung ins Leben gerufen; sie wurde mit knapp zehn Millionen Mark ausgestattet. Doch dieses Geld ist nun aufgebraucht. Für diesen Fall wurde schon damals beschlossen, dass dann Halle und Gelände an die Stadt fallen solle.

Da Baurecht auf dem Gelände der Firma BEA bestand und diese ein Stück ihres Grundstücks abgab, konnten in Benrath bereits im Herbst 1978 die Bagger anrollen. Nach einer Bauzeit von rund neun Monaten und trotz eines eisigen Winters war die Halle im Sommer 1979 fertig. Baukosten: 6,8 Millionen Mark.

Fast 40 Jahre danach gibt es auf dem blitzeblanken Eis aber weder Doppel-Axel noch den Doppel-Toeloop zu sehen. Die Eishalle gehört dem Breitensport. Mehrere Hobby-Teams jagen in der Anlage dem Puck hinterher; nur das Damen-Eishockeyteam der Devils geht in dem Oval im Ligabetrieb auf Punktejagd. Ansonsten tummeln sich dort ab dem Spätsommer bis zum April vor allem Jugendliche und Kinder. Vor allem Schulen aus dem Düsseldorfer Süden gehen im Sportunterricht Eislaufen. Jeden Monat bis zu 7000 Schüler. Doch wie lange noch?

Die unklare Zukunft der beliebten Freizeitsportanlage treibt auch die Stadtteilpolitiker um. Für die Sitzung der Bezirksvertretung (BV) 9 kommenden Freitag, 7. September, haben sich die Fraktionen von CDU, SPD und Grünen auf einen gemeinsamen Antrag verständigt. In dem heißt es: „Die BV 9 empfiehlt dem Kuratorium der Eissporthalle und dem Vorstand der Stadtsparkasse Düsseldorf, sich für den Erhalt der Düsseldorfer Eissporthalle in Benrath auszusprechen und die Finanzierung des Fortbestandes der Stadtsparkassenstiftung sicher zu stellen.“ „Das wäre für uns die beste Lösung“, sagt der stellvertende Bezirksbürgermeister Udo Skalnik (SPD). Um sich einen Überblick über die wirtschaftliche und technische Situation der Eissporthalle zu verschaffen, haben sie zudem den Eishallen-Geschäftsführer Manfred Otto in die nächste BV-Sitzung eingeladen. Der kehrte im August 2017 aus dem Ruhestand zurück an die Spitze der Eishalle und ist ein großer Verfechter für den Erhalt der Einrichtung.

Vor allem der aktuelle technische Stand entscheidet mit darüber, ob sich ein Weiterbetrieb der bald 40 Jahre alten Eishalle lohnt. Skalnik: „Wenn wir neu bauen müssten, wäre es auch eine Frage der Auflagen und damit der Kosten.“ Denn anders als damals, als die Wohnbebauung weit weg war, ist die Eishalle nun von einer Schule und bald von Wohnhäusern umringt.

Deswegen hat sich auch die Bezirksvertretung schon Gedanken über mögliche Alternativstandorte gemacht. Da das Benrather Freibadgelände rausfällt, da dort bald mit dem Bau des Kombi-Bades begonnen werden soll, favorisiert SPD-Mann Udo Skalnik den Sportpark Niederheid, Dirk Angerhausen, Fraktionssprecher der CDU in der BV 9, das Gewerbegebiet an der Kappeler Straße. Beide sind sich aber darin einig, dass der Betrieb der Eishalle in der Paulsmühle auch über den April 2019 erstmal weiter laufen muss. Denn schließlich sind es ja nicht die vielen tausend Nutzer schuld, dass seit der emotionalen Schließungsdiskussion 2015 mit der Gründung er Initiative „Rettet die Benrather Eissporthalle“, einer Unterschriftensammlung und Mahnwache drei Jahre unnütz verstrichen sind und man heute am gleichen Punkt ist wie damals.

Dass sich die Landeshauptstadt eine zweite Eishalle leisten muss, steht für Udo Skalnik, bis zu seiner Pensionierung Leiter des Sportamtes, außer Frage: „In Düsseldorf hat Eissport Tradition. Wir sollten uns das leisten können. Wir leisten uns so viel.“

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