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Online-Galerie für Künstler in Düsseldorf

Mein Leben im Lockdown : Eine Galerie für Kunst im Internet

Weil Galerien und Kunstprojekträume zurzeit geschlossen sind, gründete Maren Knapp-Voith ein Onlineprojekt für Düsseldorfer Künstler. Ein Protokoll.

Junge Künstler sind nach ihrem Abschluss an der Kunstakademie Düsseldorf oft voller Tatendrang, sie haben viele Ideen und wollen arbeiten. Was ihnen aber oft fehlt, sind Erfahrungen beim Organisieren von Kunstausstellungen, bei der Öffentlichkeitsarbeit und bei der Darstellung ihres Werks bei möglichen Kunden. Um diesen Service zu bieten, habe ich vor gut einem Jahr meinen Projektraum Nails an der Birkenstraße eröffnet. Ich selbst habe, nachdem meine Kinder fast erwachsen waren, ein Studium der Kunstgeschichte an der Heinrich-Heine-Universität begonnen, dann auch in Paris studiert und in Museen Praktika gemacht. Im Januar 2020 konnte ich meinen Projektraum eröffnen, die zweite Ausstellung sollte Mitte März beginnen. Als dann der Lockdown begann, bin ich in ein riesiges emotionales Loch gefallen – habe mich dann aber aufgerappelt und überlegt, was ich tun könnte. Mit den damaligen Regeln wie Time-Slots für Besucher, Desinfektionsmitteln und Namenslisten habe ich im Frühsommer noch Kunstprojekte organisiert und das Konzept kam gut an. Es kamen Galeristen, Kuratoren und Kaufinteressierte, die Künstler lernten viel für die Praxis.

Aber zuvor begann ich mit einem neuen Projekt: einer Online-Galerie. Die ersten Ideen hatte ich schon im vergangenen Winter gehabt, im Lockdown dann griff ich sie wieder auf. Denn niemand konnte abschätzen, die lange das öffentliche Leben brach liegen würde. Die Online-Galerie zu programmieren, war eine Herausforderung. Sie muss ja Kaufinteressierten gefallen und vor allem die Künstler in meinem Programm müssen sich gut dargestellt wissen. Denn sie waren anfangs noch sehr zurückhaltend, was die Präsentation ihrer Arbeit im Netz angeht. Aber viele von ihnen merkten, dass die Corona-Lage noch lange andauern wird und kamen dann auf mich zu. Im Juli – also in einer Zeit, in der wir alle mal durchatmen konnten – war meine Online-Galerie Art Apart fertig und das Interesse groß. Käufer bestellten online, ohne die Kunst zuvor ganz klassisch gesehen zu haben. Andere Interessenten wollten die Künstler kennen lernen, so dass ich Treffen in den Ateliers vereinbaren konnte. Meine grundlegende Idee, den Künstlern mehr Praxis zu vermitteln und Kontakte zu knüpfen, ist also trotz Corona-Pandemie aufgegangen.

Der Herbst nun macht die Arbeit in meinem Projektraum schwieriger, wie überall. Im November mussten wir die aktuelle Ausstellung abbrechen, jetzt ist erst einmal alles dicht. Daher ist es gut, dass ich weiter an der Online-Galerie arbeiten kann. Ich plane auf www.art-apart.gallery noch im Dezember zusätzlich ein Internet-Magazin, in dem ich Künstlerporträts, Interviews, Termine und Ausstellungsberichte veröffentlichen werde. Zurzeit kann wohl niemand vorhersagen, wann das öffentliche Leben wieder stattfindet. Aber ich bereite dennoch für den Projektraum eine Ausstellung vor. Und dann ist da ja noch meine Masterarbeit, die ich im Sommer fertig haben möchte – hoffentlich in einer Zeit, in der die Corona-Pandemie dem Ende entgegen geht.

Aufgezeichnet von Holger Lodahl