Nähen: Freizeittipp für Düsseldorf

Freizeittipp für Düsseldorf : Mit Nadel, Faden und Maschine

Hemden, Kissen, Hosen und sogar das eigene Kleid für die Abifeier: Wer kreativ ist, näht sich seine Sachen an der Maschine selbst.

Leise und auch irgendwie beruhigend surren die Nähmaschinen im Kursraum vom Geschäft Nähszene in Bilk. Angelika Westmark näht an einem gestreiften Strampelanzug. Seit einem Jahr besucht sie die Nähkurse bei Nähszene und ist seitdem mit Herzblut dabei. „Ich habe mir schon eine Nähmaschine gekauft“, erzählt sie. „Und zu Weihnachten habe ich noch eine Overlock-Maschine bekommen.“ Mit dieser Overlock kann die Näherin den Stoff in einem Arbeitsgang zusammennähen, versäubern und präzise abschneiden.

Das erste Projekt der Hobbynäherin war ein Sweatshirt. Mittlerweile näht Angelika Westmark fast alles, bis auf Hosen. „Da würde ich mich nicht dranwagen“, gibt sie zu. „Mein Mann hat schon im Scherz gesagt: Alles, was wir tragen, ist selbstgenäht.“

„Nähkurse liegen im Trend“, sagt Dirk Müller, Geschäftsführer der Nähszene. „Seit 2009 hat das Interesse stark zugenommen. Das, was früher die Oma und auch die Schulen weitergegeben haben, machen jetzt wir.“ Die Kurse, deren Anzahl steigt, sind meist früh ausgebucht. „Jeden Abend haben wir Kurse, und Workshops gibt es auch noch“, sagt Dozentin Claudia Eggert. Die Kursmöglichkeiten sind vielfältig – von einfachen offenen Nähkursen bis zu Junggesellinnen-Abschieden oder Babypartys ist alles dabei. Besonders bei Jugendlichen sind die Nähkurse gerade hip, erzählt der Geschäftsführer. „Up-Cycling ist sehr beliebt. Ob es nun darum geht, ältere Kleidung wie ein Hemd vom Vater für sich umzunähen oder aus alten Jeans eine Tasche zu machen, Nachhaltigkeit ist ein großes Thema.“ Es gibt aber auch Abiturientinnen, die sich ihr eigenes Abendkleid nähen. „Das ist etwas richtig Tolles und es macht Spaß, ihnen dabei zuzuschauen“, findet Müller.

Fragt man die Teilnehmerinnen nach den Gründen, miteinander zu nähen, gibt es so viele Antworten wie Anwesende. Viele lieben die Gemeinschaft, die in den Kursen entsteht. Jeder hilft jedem. Man inspiriert sich gegenseitig und geklönt wird natürlich auch. „Ich finde es auch schön, Dinge herstellen zu können, die es nicht in einem Geschäft gibt. Und wenn ich dann Komplimente bekomme, bin ich schon stolz“, sagt Westmark.

Da nicht alles immer so läuft wie erhofft, ist das Nähen auch eine Herausforderung. „Aber ich habe mir vorgenommen, dass nichts unfertig in der Ecke liegen bleibt“, sagt die Hobbynäherin. Dabei hilft ihr dann auch Kursleiterin Eggert. „Ich habe noch nie erlebt, dass Claudia keine Lösung für ein Problem findet.“ Sicherlich könnten viele Kunden auch zu Hause nähen, aber da nehme man sich einfach nicht die Zeit. Und so werden die Kurse zu einer Art Auszeit und ein Gegenpol zur Arbeit. „Wir haben hier auch viele Ärzte, die teilnehmen, um abzuschalten. Nähen hat etwas Therapeutisches und hilft beim Entspannen“, sagt Müller.

Die Dozenten kommen aus den unterschiedlichen Gebieten – Handwerk, Design, Industrie oder auch dem Trachtenbereich. Eggert ist durch ihre Oma zum Schneidern gekommen. Diese war Schneiderin und hat ihrer Enkelin, schon als diese vier Jahre alt war, den Umgang mit Nadel und Faden gezeigt. Später setzte sie sie auch an die Nähmaschine, und Claudia Eggerts Lebensweg war festgelegt. „Für mich war immer klar, dass ich etwas in diesem Bereich machen wollte“, sagt sie. Also machte Eggert eine Schneiderlehre, auf die der Besuch der Düsseldorfer Modeschule folgte. „Irgendwann habe ich dann gedacht, ich weiß genau, wie es geht. Dann kann ich es auch anderen mal zeigen“, sagt sie und begann zu unterrichten. Jetzt verhilft sie den Kursteilnehmern zu schnellen Erfolgserlebnissen, unterrichtet sie in Stoffkunde und zeigt, wie ein Schnittmuster zu übertragen ist, wie man es ändert und natürlich auch, wie Nähen ohne Maschine gut funktioniert.