Junggesellenabschieden feiern - Pro und Contra

Pro und Contra: Muss man Junggesellenabschiede feiern?

JGA – Junggesellenabschied. In Düsseldorf sind viele genervt von den Gruppen, die an den Wochenenden durch die Altstadt ziehen. Muss ein Abschied vom Single-Leben überhaupt sein? Unsere Autorinnen haben dazu verschiedene Meinungen.

Wer einen Junggesellenabschied möchte, soll ihn auch bekommen, findet Laura Ihme

Die Idee ist doch schön: Man heiratet und feiert diesen freudigen Anlass vorher schon einmal mit all seinen Freunden. Und das soll etwas Besonderes sein: Ein Ausflug, ein tolles Essen, ein Tag, an dem nur der künftige Ex-Junggeselle im Mittelpunkt steht. Mein Tag, bevor unser Tag kommt. Meine Zeit mit meinen Freunden, bevor unser Leben als Ehepaar beginnt.

Was ist daran falsch? Man freut sich auf die Zeit nach der Hochzeit – deswegen heiratet man ja. Aber es endet definitiv ein Lebensabschnitt. Warum also sollte man diesem nicht Lebewohl sagen mit den Menschen, die man am liebsten um sich hat?

Natürlich sollte ein Junggesellenabschied zu demjenigen passen, für den er gemacht ist – wenn nur die Freunde Spaß daran haben, Braut oder Bräutigam zu quälen, ist das sicher nicht im Sinne des Erfinders. Wer Freunde hat, die etwas organisieren, bei dem man sich nicht wohlfühlt, sollte aber ohnehin überlegen, ob das wirklich gute Freunde sind. Erlaubt ist, was der Hauptperson gefällt: Will der Bräutigam eine Tour durch die Altstadt und so richtig die Sau rauslassen? Dann soll er das – auch wenn das für viele von uns schwer zu ertragen ist (mich eingeschlossen) – kriegen. Es ist doch auch völlig okay, mal ein bisschen albern zu sein – die Welt ist ernst genug. Will die Braut wirklich nur einen Wellness-Tag mit ihren beiden besten Freundinnen einlegen? Dann soll ihr dieser Wunsch auch erfüllt werden. Überraschen kann man sie dann ja mit einem tollen Abendessen danach. So geht der Überraschungseffekt nicht ganz verloren. Wollen aber weder die Braut noch der Bräutigam irgendeine Form des Junggesellenabschieds – dann ist das auch völlig okay. Sie sind die Chefs, wenn es um die Hochzeit geht. Ihnen etwas aufzuschwatzen, woran sie keinen Spaß haben, funktioniert nicht.

Man muss sich fragen, welch’ traurige Vorstellung von Ehe dem Junggesellenabschied zugrunde liegt, sagt Helene Pawlitzki

Man kann ja zu organisierter Feierei stehen wie man will, aber am Ende steht und fällt sie mit dem Prinzip, das dahinter steht. Karneval: Verwischung der Klassengrenzen. Soweit alles gut. Schützenfest, Kirmes: Brauchtumspflege. Auch nicht schlecht. Geburtstag: Irgendwas Gutes muss das Älterwerden ja haben. Fein. Fazit: Man kann auch ohne Anlass Spaß haben, aber das heißt nicht, dass ein Anlass zum Feiern immer etwas Schlechtes ist.

Was aber bitte ist der Anlass bei Junggesellenabschieden? Und ihrem weiblichen Equivalent? Sie werden gefeiert, weil er oder sie noch mal so richtig die Sau rauslassen soll, bevor das wegen Verheiratetseins für den Rest des Lebens ausfällt. Man muss sich fragen, welch’ traurige Vorstellung von Ehe dem zugrunde liegt. Allen zukünftigen Brautleuten sei gesagt: Wenn euer Gegenüber euch jemals daran zu hindern versucht hat, mit euren Freunden einen schönen Abend zu verleben, dann bitte nicht heiraten! Jedenfalls nicht ohne vorherige Paartherapie.

Die Wahrheit ist: Viele Menschen verschwinden in der Ehe wie in einem Abgrund, man hört sie nicht mehr, man sieht sie nicht mehr. Das ist aber ein anderes Problem und kein Grund, in absurder Verkleidung und mit hochgiftigen Mini-Schnäpsen in der Altstadt anderen Menschen das Leben zur Hölle zu machen. Wer widerstandslos an einem Junggesell(innen)abschied teilnimmt, hat für immer den Anspruch auf Coolness verwirkt.

Was stattdessen dringend wiederbelebt werden sollte, ist die schöne Tradition des Polterabends: Alle zerschmeißen bei Bier und Hühnersuppe zusammen Geschirr, Männlein wie Weiblein darf ein wenig über die Strenge schlagen und am Ende wünschen alle dem Brautpaar viel Glück. Prinzipiell eine gute Idee.

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