Interview: Darum ist führen können beim Tanzen wichtig

Interview Daniela Budde : „Wer führen kann, kann mit der ganzen Welt tanzen“

Seit 21 Jahren arbeitet Daniela Budde als Tanzlehrerin. Im Interview spricht die Inhaberin einer Tanzschule über die TV-Show „Let’s Dance“, Hochzeitstänze und Discofox.

Wir treffen Daniela Budde in ihrer Tanzschule an der Bonner Straße in Holthausen. Die zwei Tanzsäle sind mit Spiegeln ausgestattet, das Parkett glänzt, an den Wänden stehen kleine Tische mit roten Stühlen. „Wir haben Vorführwoche, da können die Eltern im Saal zuschauen“, erklärt Budde.

Frau Budde, „Let’s Dance“ ist seit vielen Jahren erfolgreich, die Fernsehserie „Ku’damm 56“ spielt zu großen Teilen in einer Tanzschule – hat diese mediale Präsenz den Paartanz wieder populär gemacht?

Daniela Budde „Let’s Dance“ hat sicher dazu beigetragen, dass viel über das Tanzen gesprochen wird. Junge Mädchen finden dort Idole, wollen zum Beispiel so tanzen können wie Isabel Edvardsson. Ich glaube aber, viele kommen wieder deshalb in die Tanzschule, weil sie hier miteinander in Kontakt treten, und zwar sehr viel unmittelbarer als mit dem Smartphone.

Wer kommt alles zur Tanzschule?

Budde Das sind alle Generationen: Es fängt beim Kindertanz ab 18 Monaten an, es gibt Hip-Hop und Videoclipdancing, dann kommen Teenager, die ihren ersten Paartanzkurs machen, Hochzeitspaare oder Senioren, die sich freuen, endlich die Zeit zu haben, noch einmal einen Tanzkurs zu machen.

Ist es bei den Jugendlichen also noch immer der klassische Standard-Tanzkurs, den sie bei Ihnen absolvieren?

Budde In der Tat, neulich hatten wir zum Beispiel die Jungschützen hier. Generell fällt es vielen Jugendlichen leichter, wenn sie mit der ganzen Klasse kommen – dann machen alle mit. Jungs kommen selten alleine in den Kurs. Dabei sind sie der absolute Hit: Weil es immer mehr Mädchen in den Tanzkursen gibt, sind Jungs, die tanzen können, bei ihnen immer sehr gefragt.

Wie muss ich mir einen klassischen Standard-Tanzkurs vorstellen? Lerne ich da jede Woche einen neuen Tanz?

Budde Es gibt Tanzlehrer, die Folgen unterrichten, das heißt, dort lernt man nacheinander die passenden Schritte zu einem Tanz. Ich mache es ein wenig anders: Meine Schüler lernen in den ersten Wochen nur das Führen und Geführt-werden. Wer das beherrscht, kann mit der ganzen Welt tanzen. Wer nach Folgen lernt, kann nur mit dem Partner, mit dem er den Kurs besucht hat, gut tanzen.

Das heißt, wer führen kann, kann auch tanzen?

Budde Im Grunde ja. Man muss dann nur noch die Eigenheiten der verschiedenen Tänze lernen.

Und wenn man zwei linke Füße hat?

Budde Ich glaube, es gibt niemanden, der wirklich zwei linke Füße hat. Vielleicht nur Menschen, die weniger Spaß am Tanzen haben.

Falls man aber doch nicht so talentiert ist: Gibt es einen Tanz, den jeder hinbekommt?

Budde Discofox. Dafür gibt es an vielen Tanzschulen Spezialkurse. Den Discofox kann man fast überall tanzen, die Schritte sind leicht zu merken.

Bei „Let’s Dance“ lernen die Promis innerhalb einer Woche einen neuen Tanz. Ist das realistisch?

Budde Nun ja, wenn man mal genauer hinschaut, sieht man, dass da viel Show und viele Hebefiguren dabei sind und wenig Technik, also wenig vom klassischen Tanz. Deshalb kann ich die oft niedrige Jury-Wertung von Joachim Llambi immer sehr gut nachvollziehen. Trotzdem muss man anerkennen, dass da blutige Anfänger es innerhalb einer Woche schaffen, etwas abzuliefern. Mit mehreren Stunden Training am Tag ist das schon möglich.

Innerhalb kürzester Zeit möchte ja auch das ein oder andere Hochzeitspaar seine Fähigkeiten trainieren, um bei der Hochzeit einen guten Auftritt hinzulegen ...

Budde Das stimmt. Bei Hochzeitspaaren habe ich die Erfahrung gemacht, dass es ganz unterschiedliche Erwartungen an den Tanz gibt: Die einen möchten eine perfekt choreografierte Show inszenieren, die anderen legen Wert auf Natürlichkeit.

Und funktioniert die perfekte Show?

Budde Ich bin da immer etwas vorsichtig: So eine Hochzeit ist auch lang. Erst die Trauung, anschließend ein Empfang und am späten Abend, wenn man das leckere Essen im Bauch hat, muss man dann beim Tanz glänzen. Wenn man dann einen kleinen Fehler macht, kann das den Auftritt ruinieren. Ratsamer ist es, da den Druck ein wenig rauszunehmen.

Wie machen es dann die anderen Paare?

Budde Ein Trend, der in der letzten Zeit aufgekommen ist, ist, dass Paare ihre Hochzeitsgesellschaft an den Wochenenden vorher zu einem gemeinsamen Tanzkurs einladen. Dann hat jeder mal mit jedem getanzt und man ist auch fit für den Tanz mit der Schwiegermutter.

Haben Sie einen Lieblingstanz?

Budde Das kommt ganz auf den Tanzpartner an.

Inwiefern?

Budde Wenn ich mit meinem Auszubildenden tanze, dann tanze ich nicht so gern Standardtänze, weil er viel kleiner ist, als ich. Mit meinem Tanzpartner, mit dem ich auch Shows mache, tanze ich am liebsten Cha-Cha-Cha und Rumba.

Gibt es Standardtänze die besonders beliebt oder unbeliebt bei den Schülern sind?

Budde Quickstep ist eigentlich nur etwas für Turniertänzer – das sind sehr viele, sehr schnelle Schritte, die man machen muss. Im Unterricht setze ich deshalb auf Foxtrott. Und ein Tanz, der bei vielen Tanzschulen schon nicht mehr auf der Agenda stand, ist durch „Let’s Dance“ wieder beliebt geworden: der Paso Doble. Er wird von meinen Schülern nachgefragt, weil sie ihn in der Show gesehen haben.

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