Führung durch den Nordpark Düsseldorf

Führung durch den Nordpark Düsseldorf : Der Geschichte des Nordparks auf der Spur

Park-Experte Claus Lange geht bei seinen Führungen den Geheimnissen des Nordparks auf den Grund.

„Es gibt keine unschuldigen Parkanlagen“, stellt Claus Lange fest – so auch nicht der beliebte Park im Düsseldorfer Norden. Wo heute Jugendliche in den Fontänen baden und Hochzeitspaare für ein Foto posieren, wurde vor mehr als 80 Jahren Nazi-Propaganda betrieben. 1937 noch Gelände für die Reichsausstellung „Schaffendes Volk“, scheint der Nordpark nun ein ganz normaler Ort der Erholung, wenn man nicht den Überbleibseln aus der Vergangenheit auf die Spur geht.

Eine tapfere Schar versammelte sich letzten Freitag bei sommerlichen 36 Grad, um genau dies zu tun. Gemeinsam mit dem ehemaligen Gartendenkmalpfleger Claus Lange ging es, stets auf der Suche nach einem schattigen Plätzchen, auf einen Spaziergang durch 81 Jahre Park-Geschichte. Die wichtigste Erkenntnis, um diese nachzuvollziehen, ist, dass jeder Park, so Lange, den Zeitgeist der Gesellschaft widerspiegelt.

„Nationalsozialistische Blumenrabatten gibt es nicht“, sagt Lange mit einem Augenzwinkern. Dafür ein Haus der Hitlerjugend. Auch der Bund Deutscher Mädel hatte hier ein Heim stehen. Diese Gebäude sind jedoch alle kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zerstört worden. Ein einheitlicher Stil? Nicht im Dritten Reich. Allein an der Gestaltung der Golzheimer-Siedlung, 1937 als „Schlageter-Stadt“ ebenfalls Teil der Ausstellung, sind 60 Architekten beteiligt gewesen. Wo aber verstecken sich dann Hinweise auf die NS-Zeit?

Da sei zum Beispiel der Skandal mit den Skulpturen. Wer an den Wasserspielen entlang flaniert, zählt sechs menschliche Skulpturen zu deren Seiten. Eine symmetrische Anordnung sucht man jedoch vergeblich: Die Abstände sind unregelmäßig, hier und da schmücken stattdessen Blumen den Sockel. Der Grund ist simpel: Die ursprünglichen Skulpturen – ehemals zwölf, die die Stände des „schaffenden Volkes“ repräsentieren sollten – entsprachen nicht dem Geschmack der Nationalsozialisten. Sie verkörperten nicht genug die gewünschte „männliche Aggressivität“. Die sogenannten „Ständischen“ wurden als entartete Kunst deklariert und noch während der Ausstellung von 1937 entfernt.

Strenge Achsen, klare Symmetrien, nach diesem Muster gestaltete Willi Tapp den Nordpark im Rahmen der Reichsausstellung. „Kein Genie, aber ein Mann der alten Schule“, findet Lange. Nur ab und an durchbrochen durch kleine Asymmetrien, „es hat 15 Jahre gebraucht, bis ich die bemerkt habe“, gibt der Kenner der Landschaftsarchitektur zu.

Folgt man der Wasserachse weiter in den westlichen Teil, könnte man meinen, sich auf einmal in einem anderen Park zu befinden. Dies ist Ulrich Wolf zu verdanken, der als neuer Gartendirektor den Nordpark in der Nachkriegszeit im Sinne der Entnazifizierung umgestaltet hat. Weg von harten Achsen und rechten Winkeln, hin zu verschlungenen Wegen und versetzten Beeten, so ging es „mit Schwung in die 50er“, sagt Lange. Statt festgeschraubten Bänken findet man loses Gestühl. Wieder ein Spiegel seiner Zeit: Das „Aufgelockerte“ fand sich in der Gartenarchitektur  und in der Gesinnung der Leute.

Ein Geschenk im wörtlichen Sinne ist der Japanische Garten am westlichen Ende des Parks: Als Zeichen ihrer Verbundenheit übergab ihn die hier ansässige japanische Gemeinde im Jahr 1975 den Düsseldorfern. Beeindruckt ist Claus Lange von der Kunst der Japaner, Steine zu setzen. „Man denkt, das hat der liebe Gott geschaffen!“, bemerkt er in Richtung des hübschen Wasserfalls. Es ist jedoch etwas anderes, was die Blicke der Gruppe an diesem Tag auf sich zieht: Mitten im Wasserfall hat es sich eine muslimische Familie auf Camping-Stühlen gemütlich gemacht und raucht Wasserpfeife.

Erschöpft von der Hitze beendet die Gruppe schließlich ihren Rundgang. In den Köpfen der Teilnehmer schwirren lebhafte Vorstellungen von der Geschichte des Parks. Es ist erstaunlich, welche Geheimnisse die majestätischen, fast ein Jahrhundert alten Bäume bergen. Was denn die Gartenarchitektur heutzutage auszeichne, wird gefragt. „Das kann man erst mit etwas zeitlichem Abstand sagen“, schätzt Claus Lange.

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