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Ehrenamt der Kirche und des Schützenverein in Düsseldorf Himmelgeist

Schneeballgeschichten : Neue Wege in der Nachwuchswerbung

Peter Holtschneider engagiert sich während seiner Freizeit in der Kirchengemeinde und im Himmelgeister Schützenverein. Um junge Leute anzusprechen, arbeitet er an einem neuen Konzept.

Sein erstes Ehrenamt, so erinnert sich Peter Holtschneider, bekleidete er als neunjähriger Junge. In der Kirche St. Nikolaus in Himmelgeist wurde er Messdiener, und schon damals war es für den heute 28-Jährigen selbstverständlich, sich in seiner Freizeit für die Gemeinde zu engagieren. Einerseits, weil sein Vater schon als Küster arbeitete und andererseits, weil er es als wichtig empfand, etwas für die Mitmenschen zu tun. Diesen Einsatz hat sich Peter Holtschneider bis heute bewahrt. „Es geht mir um eine starke Dorfgemeinschaft, in der jeder Bürger für den anderen da ist“, sagt er.

Ein Messdiener in St. Nikolaus Himmelgeist hat mehrere Aufgaben. Mitarbeit bei Lesungen und Fürbitten zum Beispiel, Unterstützung bei der Kommunion und das Raspeln in der Karwoche, wenn Kinder mit hölzernen Lärminstrumenten durch die Straßen ziehen, um die Gläubigen an die Gebetszeiten und Gottesdienste zu erinnern.

Auch Sternsänger, Seniorennachmittage oder Kino- und Musikabende für junge Leute werden von Ehrenamtlichen in St. Nikolaus organisiert – alles Aufgaben, deren Erledigung über das Jahr betrachtet doch schon zeitaufwendig ist. Und das sei ein Problem, sagt Peter Holtschneider. „Das Gemeindeleben verändert sich. Der ehrenamtliche Nachwuchs fehlt.“ Grundsätzlich sei bei jungen Leuten die Bereitschaft vorhanden, ehrenamtlich in der Gemeinde zu helfen, „aber sie wollen sich weniger für alle Aktionen das Jahr über verpflichten“.

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Mit einer neuen Organisation möchte die Gemeinde St. Nikolaus sich dieser Entwicklung anpassen. „Ehrenamtliche werden sich nun projektbezogen bei uns in der Gemeinde engagieren können“, sagt Holtschneider. Unter dem Stichwort „Helferpool“ soll sich jeder ein oder mehrere Kirchenprojekte im Laufe des Jahres aussuchen können und es mit seiner Mitarbeit unterstützen. „Ein Fest organisieren, Einkäufe erledigen, Musiker einladen – jeder kann in seiner Freizeit das tun, was seinen Talenten entspricht oder ihm Spaß macht.“

Das gesellschaftliche Leben in einem Stadtteil wie Himmelgeist bietet noch weitere Möglichkeiten, weiß Peter Holtschneider. Er ist auch aktiv in der St. Sebastianus Schützenbruderschaft Himmelgeist – eine Tradition, denn: „Mein Großvater war bei den Schützen schon Oberst, mein Vater ist ebenfalls Mitglied.“ Mit 25 Jahren wurde Peter Holtschneider in den Vereinsvorstand gewählt, und in dieser Position gestaltet er den Stadtteil maßgeblich mit. Dabei sei ihm wichtig, die Vielfalt der Schützenarbeit hervorzuheben. Denn der Verein organisiert viel mehr als ausschließlich das Schützenfest, das in diesem Jahr vom 27. bis 30. August stattfinden soll. Das Maifest mit Maibaum und der Martinsumzug wird von den Schützen ebenfalls organisiert, und auch den Weihnachtsbaum stellen sie auf dem Dorfplatz auf.

Die Mitgliederzahl sei stabil, sagt Holtschneider. „Wir können uns glücklich schätzen, dass wir eine starke Jugend im Verein haben.“ Auf lange Sicht aber müsse man sich um junge Leute bemühen, das gibt er zu. Das Vereinsleben bekommt daher einen etwas moderneren Anstrich. So soll es um die Sommerferien herum ein Dorffest geben, das betont für alle Bürger organisiert wird. Der traditionsreiche Name „Biwak“, so erklärt Holtschneider, erwecke eher den Eindruck, das Fest sei nur für Vereinsmitglieder da, „und mit so einem Vorurteil gilt es aufzuräumen“.

Wie wichtig und auch praktisch der Einsatz im gesellschaftlichen Leben des Stadtteils ist, kann sich auch im Privaten positiv äußern, weiß Peter Holtschneider. „Ich bin durch meine Ehrenämter in Himmelgeist bekannt wie ein bunter Hund“, sagt er und erzählt, er werde auch von Arbeitskollegen und Freunden angesprochen, wenn sie Hilfe brauchen. Ein Maler, ein Klempner oder ein Kfz-Fachmann – durch sein Vereinsengagement kann Holtschneider meist auf dem sogenannten kurzen Dienstweg helfen.

Nur bei einer Sache stößt Holtschneider an eine Grenze – nämlich bei der Wohnungssuche im Himmelgeist. So kommt es, dass er zurzeit nicht in seinem Stadtteil wohnt, sondern in Itter, „immerhin direkt an der Stadtteilgrenze zu Himmelgeist“, sagt er. Vor einigen Jahren wohnte er mal in Urdenbach, „das sind zwar nur acht Kilometer, aber die waren mir schon zu viel“. Denn Himmelgeist bleibt seine Heimat, seine Eltern wohnen dort und fast alle seine Freunde ebenfalls. Im Rheinbogen geht er oft zum Joggen oder zum Radfahren. „Nur Himmelgeist weckt in mir ein starkes Heimatgefühl.“