Einfach mal Abschalten : Ein Spaziergang durch den Volksgarten

Wenn alle Kultureinrichtungen geschlossen sind, werden die Gärten und Parks der Stadt zu attraktiven Ausflugszielen. Der Düsseldorfer Volksgarten zum Beispiel ist bei schönem Wetter jetzt im Frühjahr einen Spaziergang wert.

Gut 70 Hektar ist er groß, der Südpark, der an die Stadtteile Oberbilk, Bilk, Wersten und Eller grenzt. Und obwohl der Südpark der meist besuchte Düsseldorfer Park ist, ist er eben genau wegen seiner Weitläufigkeit niemals überfüllt und gerade jetzt im Frühjahr fast schon idyllisch schön.

Der Park besteht aus drei Teilen. Der erste Abschnitt ist heute bekannt unter dem Namen Volksgarten und wurde 1895/96 fertiggestellt. Die grüne Oase des Parks bildete im 19. Jahrhundert die einzige Erholungsmöglichkeit für die Menschen aus den benachbarten Gründerzeitvierteln. Die Parkanlage wurde bewusst offen und natürlich angelegt. Das mutet noch heute angenehm romantisch an. Mehrere Weiher mit schön geschwungenen Uferlinien, breite und schmale Alleen, ein dichtes Buschwerk sowie gewundene Wege mit überraschenden Ausblicken auf Baumgruppen sollten die Illusion einer harmonischen Landschaft vermitteln.

Zahlreiche Kanadagänse sind Bewohner im Volksgarten. Sie dürfen beobachtet, sollten aber nicht gefüttert werden. Foto: Bretz, Andreas (abr)

Wer den Volksgarten besuchen möchte, fährt am besten mit der S-Bahn bis Haltestelle Volksgarten. Von dort aus sieht der Besucher wohl als Erstes das „Zeitfeld“. Das ist eine Kunstinstallation aus 24 Uhren, die auf ihren Stelen wie hochragende Gewächse aus dem Boden zu schießen scheinen. Erschaffen hat das Zeitfeld der Künstler Klaus Rinke. Die Uhren laufen zwar synchron, aber weil doch kein Mensch die Zifferblätter alle zusammen überblicken kann, ist das Gesamtwerk eine Anspielung auf das strenge Korsett der gnadenlos fortschreitenden Zeit. Denn beim Blick von einer Uhr zur anderen ist immer schon ein Sekündchen vergangen. So sind der Blick und die Kopfbewegung der Menschen selbst Teil der Installation, die zwischen Autoverkehr, Straßen- und Eisenbahn in die Unendlichkeit des Himmels zielt.

Im Sommer soll es wieder ein Open Air Kino im Biergarten Vier Linden geben. Hoffentlich! Foto: Anne Orthen (ort)/Orthen, Anne (ort)

Vom Zeitfeld aus führen Wege entlang der inneren südlichen Düssel. Rechts am Weiher liegt das Bootshaus mit Gastronomie und mit dem Kurhaus, das eine gut bürgerliche Küche bietet und ab Frühjahr auch zum Verweilen auf der Terrasse einlädt. Im Kurhaus befindet sich auch eine Bühne, die vom Kabarettisten Manes Meckenstock betrieben wird, der regelmäßig Kleinkünstler und Comedians zu Gast hat.

Der Weg führt weiter an der Düssel entlang bis zur Ecke Emmastraße. Wer möchte, kann dort links nach Oberbilk abbiegen oder sich an der Florabar mit einem Getränk erfrischen, bevor die Tour weitergeht. Bis zum Wasserspielplatz zum Beispiel. Die Anlage ist für Kinder immer noch eine beliebte Freizeitaktion. Der Wasserspielplatz hat mit seiner Optik aus Klinker und Beton einen unverwechselbaren Charakter und ist mit einem ausgeklügelten System von Fließrinnen ausgestattet. Sie machen, sobald das Wasser im Sommer hoffentlich wieder fließt, die Situation interessant. Das Wasser wird vom Deichniveau kaskadenartig nach unten geführt. Dort befindet sich dann ein kleiner Platz, wo das ankommende Wasser abfließen kann. An dieser Stelle sollen moderne Wassersprühelemente an blauen Stahlstelen ergänzt werden. Sie sollen die Optik der Kletterarena mit den ebenfalls blauen Stahlpfosten aufgreifen und so eine weitere Verbindung zum ersten Teil des Spielplatzes schaffen. Aber die Geräte waren doch in die Jahre gekommen, einige standen nicht mehr zur Verfügung. Die technische Bedienung des Wasserzuflusses war nicht mehr zeitgemäß. Inzwischen sind viele Spielgeräte wieder top und erfreuen die Kinder, die gern klettern und toben. Eine Attraktion ist auch der rote Drache. Die mehrere Meter lange und gut drei Meter hohe Kletterfigur ist der Mittelpunkt des Wasserspielplatzes. Ab und zu Wasser aus Maul und Nüstern ausstoßend wird die Kletterskulptur hoffentlich wieder viele kleine Abenteuer zu Freudenrufen verlocken.

Einige 100 Meter weiter zeigt die Düssel, dass sie nicht nur ein winziges Flüsschen ist. Der Verlauf öffnet sich, die Wasserfläche wird breit. Wer weitergeht und das Gewässer rechts erblickt, erreicht auf seinem Marsch nach links blickend das Gelände der Mitsubishi Electric Halle. Die ehemals als Philippshalle bekannte Konzertarena war schon Auftrittsort von ungezählten deutschen und internationalen Sängern, Musikern, Pop-Gruppen und anderen Künstlern, Shows und Messen. In der Karnevalssaison bietet die Halle den Jecken eine Bühne für die „Die Lachende“, eine der größten und beliebtesten Partys der Saison.

Weiter an der nun breiten Düssel entlang geht es bis zum Biergarten Vier Linden. Der Gastronomiebetrieb ist ein besonderer Ort in Düsseldorf. Getränke werden zu niedrigen Preisen verkauft, Speisen hingegen dürfen von den Gästen mitgebracht werden. Besonders kurios: die Betreiber von Vier Linden sind sogar behilflich, wenn die Besucher sich von Lieferanten eine Pizza oder andere Leckereien bestellen wollen.

Das ist vor allem beliebt in den Sommermonaten, wenn im Biergarten eine Leinwand aufgebaut wird und in Vier Linden die Open-Air-Kino-Saison beginnt. Filme der vergangenen Monate sowie Klassiker werden für ein paar Euro Eintritt gezeigt. Partner vom „Open Air Vier Linden“ sind die Düsseldorfer Filmkunstkinos, die mit dem Biergarten eine weitere Spielstätte bis fast in den September eröffnen. Der Biergarten „Vier Linden“ wird in der warmen Jahreszeit auch zur Live-Musik-Bühne. Unter dem Titel „Goldmucke“ treten zahlreiche Bands und Solo-Musiker auf. Das erste Konzert soll im Juni wieder für gute Stimmung sorgen.

Bis es aber soweit ist, ist der Volkspark auch ein Park für Spaziergänger, Radfahrer und Jogger. Deren Weg kann vom Biergarten Vier Linden über einen Steg führen zu den Kleingärten. Die Parzellen werden von einem Verein bewirtschaftet. Wenn dort jetzt im Frühling alles zu blühen beginnt, mag es so manchen Erstbesucher erstaunen, dass die Großstadt Düsseldorf so nah an der City noch einen so traditionellen Kleingartenbereich hat. Etwas Orientierungssinn (oder ein Mobiltelefon mit Navigation) ist hilfreich bei der Strecke zurück in Richtung S-Bahnhof Volkgarten, dem Start dieser Tour. Wer sich aber etwas nördlich hält, kann sich kaum verlaufen – muss höchstens nur mal einen kleinen Umweg in Kauf nehmen. Und wer mag sich in dem schönen Volkspark schon beschweren? Wenn alles gut geht, endet die Volksgarten-Tour, wo sie begonnen hat: Am Bootshaus am Weiher und am Zeitfeld. Wie praktisch, denn dort kann dann der Wanderer sehen, wieviel Zeit er benötigt hat für seine Naturrunde durch diesen schönen Park vom Düsseldorfer Grün.

Wem die Fußmarschrunde durch den Volkspark im Südpark gefallen hat, kann wiederkommen. Denn zum Südpark gehören auch die Abschnitte „Vor dem Deich“ und „In den Gärten“ mit VHS-Biogarten, Streichelzoo, verschiedenen Gewässern und langen Wanderwegen. Besuchenswert!