Düsseldorf-Urdenbach feiert Erntedankfest

Tradition in Düsseldorf : Wie Urdenbach Erntedank feiert

Einer der Höhepunkte des dreitägigen Festes ist der Erntedankfest-Umzug am Sonntag. 1500 Urdenbacher, die meisten in Tracht und Holzblotschen, ziehen durch den Stadtteil. Mit dabei ist auch die „Grupp mem Hätz“, die Jubiläum feiert.

Der bange Blick von Arnold Sevenich, Vorsitzender des Allgemeinen Bürgervereins Urdenbach (ABVU), geht gerade täglich zur Wettervorhersage. Am Wochenende feiert Düsseldorfs großer Heimatverein sein Erntedankfest. Es ist die 86. Auflage. Einer der Höhepunkte ist der Festumzug am Sonntag, 7. Oktober, durchs Dorf. 1500 Männer, Frauen und Kinder – fast alle in Tracht und in Holzblotschen – ziehen in 44 Gruppen durch die kleinen Straßen Urdenbachs. Für drei Gruppen wird der Umzug ein besonderes Erlebnis: Wie die Pützeschwengel und die Weizenjonges feiert auch die „Grupp mem Hätz“ in diesem Jahr ihr 25-jähriges Bestehen.

Der gehören inzwischen drei Generationen der Familie Strate an. 35 Mitglieder, die ältesten über 70, zählt die Gruppe aktuell. Neun davon sind Kinder, das jüngste gerade einmal zehn Monate. „Unser Philipp hatte mit knapp drei Jahren seine erste Schürreskarre und ist erstaunlich weit mitgelaufen“, erzählt Sandra Strate vergnügt. Traditionell gibt es nach dem Umzug das Schürreskarrenrennen. 190 Läufer versuchen diesmal, ihre hölzerne und beladene Schubkarre so schnell wie möglich ins Ziel zu schieben.

Alle Strates – Marianne, Michael, Sandra und André – schwärmen unisono von ihrer „Grupp mem Hätz“ und dem Urdenbacher Erntedankfest. „Jedes Jahr kommen unsere Leute aus Kerpen, Monheim und Langenfeld, obwohl sie wegezogen sind“, sagt Michael Strate. Ein Pärchen nimmt seit zwei Jahren den Weg aus Halle auf sich. Nicht weniger treu ist das Musikcorps Alte Freiheit Monheim. „Sie begleiten uns seit 15 Jahren musikalisch im Zug“, erzählt Marianne Strate.

Michael Strates Elternhaus steht im Urdenbacher Acker und so ist mit der Tradition des Erntedankfestes aufgewachsen, aber nicht aktiv. „Wir haben als Kinder zugeschaut. Als Erwachsener habe ich jedes Mal gesagt ‚wir müssen mal mitmachen‘, erinnert sich der Urdenbacher. So verging Jahr um Jahr. 1996 sprang der Funke endgültig über. „Wir fragten beim ABVU nach, ob noch eine Gruppe aufgenommen wird. Dann ging alles ganz schnell“, erinnert sich Michael Strate. Freunde und Bekannte im Umkreis des Urdenbacher Ackers fanden sich zusammen. „Auf unseren Namen brachte uns ‚das Dorf mit Herz’ wie Urdenbach auch von allen hier gerne genannt wird“, erinnert sich Marianne Strate.

„De Grupp mem Hätz“ ist stolz auf zwei Blotschenkönigspaare: 1999/2000 eroberten sich Roland und Rosie Wackes-Joepen den Titel. „André und ich waren es 2013/2014“, ergänzt Sandra Strate. In diesem Jahr sucht der ABVU das 50. Blotschenköngspaar. Alle Anwärter tanzen das  beste Paar beim Blotschenball am Montag im Festzelt aus.

Bei Motto und Gestaltung des Erntewagens entstanden im Laufe der Jahre bemerkenswerte Kreationen. „Wir hatten einmal eine zwei Meter große Gans auf einem fünf Meter langen Wagen. Das fühlte sich an wie bei Jacques Tilly“, erinnert sich André Strate. Ein riesiges Herz aus Sonnenblumen brachte die Gruppe ein anders Mal an ihre Grenzen – allerdings nur mengenmäßig. „Obwohl wir 300 Blumen hatten, haben wir es nur geschafft, eine Seite zu schmücken. Die andere blieb kahl und rot“, erzählt Marianne. „Es sah trotzdem gut aus und keiner wusste es“, sagt Sandra amüsiert.

Das Schönste sei, dass alle Mitglieder anpackten. Die Unternehmungen und der Zusammenhalt mit den anderen Erntedankgruppen verbinde ebenfalls – ob Fußballturniere, der Töpfermarkt oder die Reinigung der Kämpe. Vier Paare aus der „Grupp mem Hätz“ ziehen dieses Jahr aus Altersgründen das letzte Mal durch Urdenbach. „Aber sie stehen uns weiter mit Rat und Tat zur Seite“, ist sich Marianne Strate sicher. Das Brauchtum weiterzugeben sei allen wichtig. Und Michael Strate überrascht mit einer besonderen Idee. „Ich möchte ein Jahr mal wieder als Zuschauer dabei sein, damit ich mir alle Gruppen in Ruhe ansehen kann“, sagt er verschmitzt. Dieses Jahr aber ganz gewiss nicht!

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