Dirty Dancing im Capitol Theater : Eine Show mit Tanz, Musik und Melonen

Der Film ist längst auch auf Bühnen ein Erfolg. Die Show ist sehenswert durch ein richtig gutes Ensemble und viele gute Ideen für die Kulissen.

Die Welt der Unterhaltung geht manchmal merkwürdige Wege. Denn wer hätte geglaubt, dass ein Satz wie „Ich habe eine Wassermelone getragen“ in die Geschichte des Entertainments eingeht? Gesprochen werden diese Worte von Baby, der weiblichen Hauptfigur in „Dirty Dancing“, dem Tanzfilm, der 1987 in den Kinos ein Erfolg war und es längst auch auf die Bühnen geschafft hat. Die Show ist demnächst im Capitol Theater zu sehen.

Frances, genannt „Baby“, ist eine Jugendliche im Jahr 1963. Sie langweilt sich im Hotel mit den Erwachsenen, bis sie sich in den Tanzlehrer Johnny verliebt. Baby mogelt sich in den Personalbereich des Hotels – und trägt eine fette Wassermelone, um nicht als Gast aufzufallen, sondern zur Gruppe der Angestellten zu gehören. Nachdem sie den legendären Satz gesagt hat, folgt eine Liebesgeschichte mit viel Tanz, Musik und einigen Wirrungen. Das alles ist zu einer Show verknüpft – und nicht zu einem Musical, weil die Hauptdarsteller spielen und tanzen, die Songs aber von Nebendarstellern gesungen werden oder gar aus dem Off kommen. Und das ist eine gute Idee, denn „Dirty Dancing“ macht aus verschiedenen Gründen mächtig Spaß.

Da ist zum einen die Romanze, die oberflächlich gesehen kaum mehr als nett wirkt. Jedoch ist die Story tiefgründiger. Denn die Zeit ist weltpolitisch angespannt. Die Kuba-Krise ist in diesem Sommer 1963 eben erst überwunden. Die Jugend möchte einen Neuanfang einer friedlichen Welt, so dass zu „Dirty Dancing“ auch „We shall overcome“ gehört. Und im Vergleich zum Film enthält die Show zahlreiche zusätzliche Bilder. In einer Szene zum Beispiel lauschen Personal und Hotelgäste einer Rede von Menschenrechtler Martin Luther King. Niemand ahnt, dass zwei Monate später John F. Kennedy erschossen wird.

Aber für gute Laune bei den Zuschauern werden selbstverständlich Musik und Tanz sorgen. Klassiker aus dem Film wie „Hungry Eyes“ und „Do you love me“ sind zu hören ebenso wie zahlreiche zusätzliche Songs. Die Trennung von Gesangs- und Tanzrollen ist eine gute Entscheidung, weil die Sänger singen, die Tänzer tanzen – es macht Spaß, das zu erleben.

Oft ist es schwierig, einen Kinoerfolg auf die Bühne zu bringen. Und auch der Film „Dirty Dancing“ hat viele Bilder, die kaum live zu spielen sind. Aber was wäre „Dirty Dancing“ ohne die berühmte Szene, in der Baby und Johnny im See die Hebefigur proben? Für die Bühne wird dieser Auftritt clever gelöst: Das Paar steht in der Projektion eines Sees. Wenn Baby ins Wasser fällt, kommt das Platschen vom Band – Bewegung und Ton sind perfekt aufeinander abgestimmt. Ebenso wie viele andere Ideen für das Bühnenbild. Beeindruckend!

Zahlreiche drehbare Elemente sind gut in die Handlung integriert und zeigen mal die Ferienanlage, mal die Unterkünfte der Angestellten und mal das Ferienhaus von Babys Familie. Geschickt, wie die Bühne eine schöne optische Tiefe erzeugt: Da funkeln am Firmament die Sterne, da scheint das Wasser zum Greifen nah, die Hausfassaden wirken einladend echt, die Türen klappern auf und zu. Alle Achtung für die Kulissenschieber, die im Hintergrund große Arbeit leisten und der Handlung einen gehörigen Schwung geben. Kein Wunder also, dass auch der Höhepunkt gelungen ist. Wenn Johnny und „Baby“-Frances sich zusammen mit Team und Familie zum Finale versammeln, der Sound vom Welthit „The Time of my Life“ erklingt, wird auch die Stimmung bei den Besuchern bestens sein.

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