Das neue Holo-Café in Düsseldorf: Virtuelle Abenteuer in der Spielhalle der Zukunft

Holo-Café in Düsseldorf: Virtuelle Abenteuer in der Spielhalle der Zukunft

In Düsseldorf hat eine futuristische Spielhalle eröffnet. Im Holo-Café kann man Roboter bekämpfen, eine Raumstation aufräumen – oder gemütlich Kaffee trinken. Gäste sind nicht nur Nerds, sondern auch Familien und Geschäftsleute auf Ausflügen.

Noch niemand hat es geschafft, das große, runde Ding zu besiegen, das dort aus einem dunklen Portal auf die vier Action-Helden zuschwebt. Die Spieler haben sich mit Schilden und Laserpistolen bewaffnet und eine Viertelstunde lang kleinere Roboter besiegt, nur um jetzt vor dem bisher ungeschlagenen Boss zu stehen.Dann ist die Luft voller Laser, einer der Helden wird getroffen. Er bittet und Wiederbelebung, doch bei dem Versuch, ihm das digitale Leben zu retten, fallen auch seine Kameraden. Game over. Brille ab. Zurück in die echte Welt.

Das neu eröffnete Holo-Café am Wehrhahn ist eine Spielhalle der nächsten Generation. Statt Flippern gibt es hier Rechner, und statt Tasten und Joysticks steuern die Spieler ihr Abenteuer mit zwei Controllern, die sie in der Hand halten, und deren Bewegungen in die Spielwelt und auf die Innenseite der klobigen Brille für virtuelle Realität (VR) übertragen werden. Wer gehen will, der muss tatsächlich gehen, wer etwas werfen will, muss werfen, nur das Zugreifen läuft über einen Knopf. Das System versetzt den Spieler direkt in die Welt des Spiels.

„Unser jüngster Kunde war bisher sechs Jahre alt, der älteste 82“, sagt Jessica Karger, eine der Gründerinnen des Holo-Cafés. Die 28-Jährige hat in Düsseldorf Spielentwicklung studiert und dabei ihre jetzigen Freunde und Geschäftspartner Sebastian Kreutz und Oliver Eberlei kennengelernt. Gemeinsam gründeten sie 2016 das Holo-Café, zunächst als temporären Pop-up-Store in den Düsseldorf Arcaden, dann Filialen in Bochum, Aachen und Troisdorf, und jetzt schließlich auch in Düsseldorf.

Fünf Spiele stehen in dem Laden zur Auswahl, vier davon, alle freigegeben ab sechs Jahren, haben Jessica Karger und ihre Kollegen selbst programmiert. Die Auswahl reicht vom Shooter, bei dem man angreifende Roboter abwehren muss, bis zum eher meditativen Puzzel-Spiel Carpe Lucem. Die Spieler können sowohl zusammen gegen den Computer als auch gegeneinander antreten. Drei Räume für je bis zu vier Spieler stehen zur Verfügung, außerdem ein Raum für zwei Spieler.

Die Wände sind mit Schaumstoff gepolstert. „Wenn die Spieler den Controller schwingen, werden sie manchmal etwas enthusiastisch“, sagt Karger. Es solle sich ja niemand verletzen. Deshalb sind die Steuergeräte auch mit Laschen an den Händen befestigt, versehentliches Werfen ist also ausgeschlossen.

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Jessica Karger beschreibt sich selbst als Zockerin. Schon seit sie denken kann, hat die 28-Jährige Videospiele gespielt – und tut es heute noch, wenn ihr Geschäft ihr Zeit lässt. „Ich bin Gamerin, Programmiererin, Geschäftsfrau, Gründerin, alles zusammen“, fasst sie ihre Arbeit im Holo-Café zusammen. Die eigene Franchise-Kette sei ein lange gehegter Traum, den sich die drei Programmierer nun endlich erfüllt haben – und das Geschäft läuft gut, sagt Karger.

Hardware im Wert von 20.000 Euros steht in jedem der Räume. „Die VR wird in Zukunft eine große Rolle in der digitalen Unterhaltung spielen“, glaubt Karger. Allerdings sei ein komplettes System für den Privatgebrach bisher kaum finanzierbar, ganz zu schweigen von dem benötigten Platz. Etwa fünf mal fünf Meter groß ist jede Spielfläche im Holo-Café, damit sich die Spieler beim Schießen, Werfen, Ducken und Springen nicht behindern. Noch ist jede VR-Brille per Kabel mit dem Rechner verbunden, Karger und ihre Kollegen arbeiten jedoch an einer kabellosen Lösung.

„Ursprünglich haben wir erwartet, dass hier nur die echten Nerds hinkommen“, sagt Karger, die das Café anfangs als Alternative zum abendlichen Discobesuch konzipiert hatte. Allerdings sei das Publikum sehr durchmischt, von Familien über Firmenfeiern bis zu Paaren sei alles vertreten. „Und alle sind voll dabei“, freut sich die Gründerin.

Denn die Spiele vermögen wirklich zu fesseln: Egal ob man einen Piratenschatz schneller sortieren muss als der Mitspieler oder sich im feindlichen Laserfeuer hinter seinen Schild duckt, die VR-Umsetzung überzeugt, die Steuerung ist eingängig und nach ein bisschen Eingewöhnung mit dem Controller fühlt sie sich ganz natürlich an. Vor jedem Spiel gibt es einen Warteraum, in dem die Spieler sich mit virtuellen Kisten an die Steuerung gewöhnen können. Fällt es am Anfang noch schwer, die Kiste aufzuheben, ist nach einigen Minuten sogar das Jonglieren und gegenseitige Zuwerfen möglich.

Nach diesem Tutorial beginnt dann das eigentliche Spiel, meist hat man ein festes Zeitlimit. Am Ende werden die Punkte ausgewertet und der Gewinner steht fest. Bei dem kooperativen Shooter erscheint am Ende der Boss, ein riesiger Gegner mit starker Rüstung und Feuerkraft. Spätestens dann ist Zusammenarbeit und Kooperation angesagt. Jessica Karger ist ein bisschen stolz, dass der von ihr programmierte Endgegner noch nie besiegt wurde. „Es ist aber möglich“, ermuntert sie die Spieler.

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