Apollo-Varieté : Zauberei begeistert im „Magic Hotel“

Die neue Show des Apollo-Varietes ist anders. Wenig artistische Höchstleistungen, dafür viel Zauberei und eine Gedankenleserin.

Magic Hotel lautet der Titel der Wintershow im Apollo-Varieté. Sie ist ein wenig besinnlich, schließlich läuft sie auch in der Adventszeit und über Weihnachten. Sie ist anders als alles, was in den mehr als 20 Jahren im Varieté unter der Kniebrücke gezeigt wurde. Regie haben Vivian Sommer und Roman von Thurau geführt, sie führen als Moderatoren auch durch den Abend. Es ist ganz ihre Show. Fast, wären da nicht die zauberhaften Künstler, die – in Abstimmung mit dem Duo, schließlich muss alles passen – das Apollo ausgesucht und engagiert hat.

Beeindruckend ist das Bühnenbild, an dem Vivian Sommer und Roman von Thurau mehr als zwei Jahre gearbeitet haben. Es ist ein bisschen Monty-Python-Cartoon, ein bisschen Fritz Lang, ein bisschen Laterna Magica und weiße Kaninchen – und das alles in bewegten, vorwiegend schwarz-weißen Bildern.

Das Bühnenbild zeigt aber auch das Hotel mit seinen schrägen Bewohnern. Schon entführt das Duo die Zuschauer in eine andere Welt. Vivian ist ganz die Grande Dame in Abendrobe und gibt zwischendurch Sprüche von sich wie „Wenn man Ameisen vergiftet, fallen sie nach links um“ oder „Austern verändern ihr Geschlecht je nach Wassertemperatur“. Ganz schön skurril. Doch ihre Hauptaufgabe liegt im Gedankenlesen. Da muss das Publikum mitmachen. Selten war eine Apollo-Show so interaktiv. Zahlreiche Gäste kommen auf die Bühne – das ist manchmal eine Gratwanderung und Geschmackssache.

Die Mentalisten überzeugen dennoch – ob sie nun Geburtsdaten korrekt nennen oder den Inhalt einer Damenhandtasche. Nicht die einzige Zauberei: Der Illusionist Daniel Craven (Typ David Copperfield in Blond) lässt seine Assistentinnen in einem Glaskasten verschwinden und sich selbst in einer Kiste anketten. Dann nähern sich zwei überdimensionierte Kreissägen der Kiste – aber Craven trickst sich in Sicherheit.

Britischen Humor, verbunden mit Zauberei und Komik, vermitteln Sonny und Galina. Unter anderem präsentieren sie die Kunst des Schwebens. Mal gelingt sie. Mal nicht.

Gaëtan Bloom ist ein alter Bekannter im Apollo-Varieté. Er zaubert eine Spielkarte aus einer Kiwi, die in einer Orange versteckt war, und die wiederum in einer Pampelmuse. Dann spielt da noch ein Kopfsalat eine wichtige Rolle. Das muss man einfach gesehen haben.

Sehenswert auch der Zauberer Ernesto Planas, der zu flotter kubanischer Musik viele Dutzend Regenschirme in vielen Größen herbeizaubert. Verblüffend und temporeich. Da kommt Stimmung auf. Sergey Timofeev begeistert mit seiner Handstand-Akrobatik auf einem Zauberwürfel. Noch nie im Apollo präsentiert: Lightpainting. Das ist wie Sandmalerei auf einer Leinwand. Da zaubert Oleg Basanov mit der Taschenlampe Kreaturen und Tiere, die im Licht wieder verschwinden. Bezaubernd.

Zu guter Letzt begeistern Diego und Elena, angekündigt mit einer Quick-Change-Nummer. Kleidertausch, eigentlich nichts Neues. Aber bei diesem Paar schon: Es wechselt die Klamotten während einer anspruchsvollen Strapaten-Nummer. Das ist keine Zauberei. Das ist Körperbeherrschung pur.

„Magic Hotel“ ist ein lohnenswerter, abwechslungsreicher Abend. Und wer Gutes tun möchte: Während der Spielzeit können die Gäste fürs Kinderhospiz Regenbogenland spenden. Im Dezember geht zudem pro verkauftes Ticket ein Euro an ein Kinderhospiz.

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