Freitagsgespräche in Düsseldorf: Die muslimische Perspektive in die Stadtgesellschaft tragen

Neue Veranstaltungsreihe in Düsseldorf : Mit den Freitagsgesprächen wollen sich die Muslime Gehör verschaffen

Der Kreis Düsseldorfer Muslime (KDDM) hat eine neue Veranstaltungsreihe gestartet: Mit den Freitagsgesprächen wollen sie die muslimische Perspektive in die Stadtgesellschaft tragen. Beim Kick-off ging es um Rechtsextremismus.

Die Düsseldorfer Muslime fühlen sich bedroht. Das wurde klar am Freitagabend im großen Sitzungssaal des Rathauses. Nicht nur die vier Podiumsgäste des ersten der Düsseldorfer Freitagsgespräch, auch die Moderatorin des Abends und viele Gäste im Publikum nahmen Bezug auf den Terroranschlag auf muslimische Gemeinden in Neuseeland, der am Morgen bekannt geworden war. „Was in Christchurch passiert ist, zeigt, wie gefährdet der Frieden in jeder Stadt ist“, sagte Oberbürgermeister Thomas Geisel zu Beginn der Veranstaltung. Und das Grußwort von Dalinc Dereköy, dem Vorstandsvorsitzenden des Kreises der Düsseldorfer Muslime (KDDM), geriet gar zur Keynote vor den Keynotes: Er zitierte nicht nur aus einem Hassbrief an eine Nebenklage-Anwältin im NSU-Prozess, die von Rechten bedroht worden war, sondern auch aus dem mutmaßlichen Manifest, das im Umfeld des Christchurch-Anschlags bekannt geworden war. „Wir müssen über diese Sachverhalte sprechen“, sagte er, „darüber, was es bedeutet, wenn wir als Muslime angegriffen werden.“

Mit den Düsseldorfer Freitagsgesprächen will der KDDM „vernachlässigte Perspektiven“ in den Diskurs einbringen, sagte Organisator Redouan Aoulad-Ali. Gemeint ist die Perspektive der Muslime in Düsseldorf. Sechs Termine stehen bis November bereits fest, bei denen es um die Themenfelder interreligiöser Dialog, Islamfeindlichkeit und Diskriminierung, gesellschaftliche Teilhabe sowie Extremismus und Fundamentalismus gehen soll. Zu Beginn steht jeweils ein Expertenvortrag, anschließend soll ein anderer Experte in einem Review diesen Vortrag möglichst kritisch betrachten. Dann folgt die Diskussion mit dem Publikum.

Die Kick-off-Veranstaltung am vergangenen Freitag lief etwas anders: zu Beginn gab es zwei Vorträge, danach eine offene Fragerunde. Das Thema: rechtsideologischer Extremismus. Der Vortrag von Alexander Häusler, Dozent an der Hochschule Düsseldorf, brachte den Stand der Forschung knackig auf den Punkt. Er legte dar, dass Rechte Religion oft ausschließlich als Frage der Herkunft betrachten und daraus rassistische, sprich antisemitische oder antimuslimische Positionen ableiten. Muslime werden als Fremde und als Gefahr dargestellt. Religionskritik werde instrumentalisiert, um Rassismus gesellschaftsfähig zu machen – man habe ja nichts gegen Ausländer, „nur“ gegen Muslime. Das Ergebnis dieser Strategie: Mittlerweile finden 41 Prozent der Deutschen, Muslimen sollte die Einwanderung nach Deutschland untersagt werden, 50 Prozent fühlen sich wegen der Muslime „fremd im eigenen Land“. 578 Angriffe auf Muslime und ihre Institutionen gab es laut Häusler zwischen Januar und September 2018.

Großen Applaus bekam Häusler für seinen Hinweis, es sei wichtig, demokratische Gegenbilder zu schaffen, um der Bilderwelt der Rechtsextremen die Macht zu nehmen. Man brauche positive Bilder, die die Selbstverständlichkeit von Muslimen in der Stadtgesellschaft zeigten, so Häusler.

In der Fragerunde wurde ein ums andere Mal deutlich, dass viele Muslime – vom Einwanderer in der ersten bis dritten Generation bis zur deutschen Konvertitin – sich durch die wachsenden rechtsextremen Tendenzen in der Bevölkerung stark bedroht fühlen. Manch einer denkt sogar daran, Deutschland zu verlassen. Oberbürgermeister Geisel hielt dagegen: „Wir dürfen nicht den Eindruck erwecken, wir seien das letzte Häuflein der Aufrechten“, sagte er. „Wir sind der Mainstream. Wer sich nicht an die Regeln einer toleranten Stadtgesellschaft hält, verhält sich undüsseldorferisch.“

Mut macht da die Aussage eines Mannes, der seit 1974 in Düsseldorf lebt. „Wir sollten nicht so pessimistisch sein“, sagte er und riet: „Geht in die demokratischen Parteien, damit Integration richtig stattfindet. Dann müssen wir auch keine Angst haben, Düsseldorf irgendwann verlassen zu müssen.“

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